Autobahnpolizei und Deutscher Verkehrsrat an der A 61

Beim Überschlag wird's Truckern mulmig

KREIS AHRWEILER. Beamte der Autobahnpolizei hatten auf der A 61 zwei Tage lang gemeinsam mit einem Team des Deutschen Verkehrsrates die Sicherheit der Lastwagenfahrer im Visier.

Beamte der Autobahnpolizei Mendig hatten auf der A 61 zwei Tage lang gemeinsam mit einem Team des Deutschen Verkehrsrates (DVR) die Sicherheit der Lastwagenfahrer im Visier. Dies unter dem Motto „Hat's geklickt?“. Denn „Klick“ macht nur ein eingerasteter Sicherheitsgurt. „Ohne Gurt ist ein Aufprall auf ein festes Hindernis ab Tempo 30 tödlich“, sagte Jürgen Schöbel vom DVR. Auf dem Rastplatz Brohltal-West war für die Aktion ein Überschlagsimulator aufgebaut worden.

„Das macht keinen Spaß. Überhaupt nicht. Es ist ein verdammt mieses, mulmiges Gefühl.“ Berufstrucker Ralf Hank ist gerade auf dem Rastplatz Brohltal-West aus dem Überschlagsimulator gestiegen. Zwei Runden hatte sich die Fahrerkabine gedreht. Ausgangslage war ein Unfall mit Tempo 33. In der Kabine waren Hank dabei Kuscheltiere um die Ohren geflogen. Im Ernstfall hätten es aber auch der Aktenkoffer, die Kaffeemaschine oder andere sperrige Teile sein können, die sich tagtäglich in den Kabinen von Brummifahrern befinden.

Ralf Hank war von einer Streife der Autobahnpolizei Mendig auf den Rastplatz Brohltal-West gelotst worden. Denn die Beamten hatten Dienstag und Mittwoch gemeinsam mit einem Team des Deutschen Verkehrsrates (DVR) die Sicherheit der Lastwagenfahrer im Visier. Dies unter dem Motto „Hat's geklickt?“. Denn „Klick“ macht nur ein eingerasteter Sicherheitsgurt. „Ohne Gurt ist ein Aufprall auf ein festes Hindernis ab Tempo 30 tödlich“, sagte Jürgen Schöbel vom DVR. „Ab 50 wird es mit Gurt auch kritisch.“

Auch wie sich ein Aufprall anfühlt, konnten mehr als 200 Trucker an zwei Tagen erleben. Angegurtet in einem Schlitten ging es mit Tempo 10 gegen eine Wand. „Das macht eine Aufprallwucht von 350 Kilo aus“, sagte Klaus Kuhn vom DVR, der mit seinem Kollegen samt Simulatoren extra vom Standort Frankfurt/Oder angereist war. Und: „Bei Tempo 30 sind es schon 3,1 Tonnen, die da auf den menschlichen Körper einwirken.“ Auch dies sei ohne Gurt dann schon tödlich.

Bei etlichen Fahrern beliebt, aber lebensgefährlich, sei das Einklicken des Gurtes hinter dem Rücken oder mit einem „Ersatzteil“ vom Schrottplatz, „um das Gepiepe der Kontaktsicherung loszuwerden“. Kuhn: „Die wenigsten Leute wissen, dass das Gurtschloss auch die Sicherung für den Airbag ist.“ Ohne Sicherheitsgurt, aber mit gesichertem Gurtschloss, werde der Airbag bei einem Aufprall zur tödlichen Waffe.

Fahrerairbags lösten mit Tempo 400 aus, Beifahrer-Airbags wegen des größeren Abstandes zum Mitfahrer mit Tempo 600. „Das führt unweigerlich zum Genickbruch und damit zum sofortigen Tod“, so der Experte des DVR. „Die Fahrt im Schlitten war hammerhart. Der Aufprall auch“, sagte Brummifahrer Hank, zu dem sich immer mehr Trucker gesellten. Auch er habe die Gefahr, die von einem Airbag ausgehen kann, „total unterschätzt und jetzt ein mieses Gefühl im Bauch“. Seinem Chef will er davon berichten, und das nicht nur, um die Verspätung zu erklären.

„Das ist Sinn der Übung“, fand denn auch Marc Müller von der Autobahnpolizei Mendig. Er und seine Kollegen stellten Trucker, die ohne Gurt erwischt wurden, übrigens vor die Wahl: „Entweder in die Simulatoren oder 30 Euro Gurtmuffel-Strafe.“

Das kam an. Und so die Informationen auch rüber zu denen, die angesprochen werden sollten. „Ich werde das meinen Kollegen alles erzählen“, sagte denn auch ein Fahrer aus den Niederlanden, der nach einem Kaffee im Polizeizelt wieder in seinen 40-Tonner stieg.

Im Zelt gab es übrigens einen dritten Simulator. Da ging es um den Abstand zum Vordermann, nach zu hohem Tempo die zweithäufigste Unfallursache. Auch da gab es Lücken bei den Profifahrern. Dass bei Tempo 80 50 Meter Abstand sein müssen, wussten alle. Doch bei Tempo 89? Da reichen 75 bis 80 Meter gerade mal eben aus, um noch zu stoppen.