Bauprojekte in Bad Neuenahr-Ahrweiler

Bauen in Ahrweiler wird deutlich teurer

BAD NEUENAHR. 30 Prozent Mehrkosten kommen für die Beseitigung des Bahnübergangs Hauptstraße zustande. Die Kommunen müssen neu kalkulieren, da die Ausschreibungsergebnisse deutlich über den Berechnungen in den Rathäusern liegen.

November 1918: Der Erste Weltkrieg war für Deutschland verloren, der Kaiser floh nach Holland ins Exil. Ein neues Zeitalter wurde eingeleitet – das der noch zu entstehenden Weimarer Republik. Erstmals mit Frauen, die wählen durften. Das Wahlrecht gehört zu den elementaren demokratischen Grundrechten. Die Errungenschaft des Wahlrechts auch für Frauen legte – von entschiedenen Frauenrechtlerinnen erkämpft – vor 100 Jahren einen wichtigen Grundstein für die gesetzliche Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Der Rat der Kreisstadt gedachte in seiner jüngsten Sitzung dieser auch für die Stadt wichtigen Meilensteine der deutschen Geschichte.

Sieht man einmal vom Eintrag der Weinkönigin – einer „Monarchin“ also – ins Goldene Buch der Stadt ab, stand dann jedoch das Alltagsgeschäft auf dem Programm. Dabei bekamen es die Kommunalpolitiker gleich mit einer bitteren Pille zu tun. Ob im Hoch- oder im Tiefbau: die Preise steigen. Alleine für den ersten Bauabschnitt am Bahnübergang Hauptstraße/Heerstraße, der bekanntlich beseitigt werden soll, schnellen die Kosten um rund 30 Prozent in die Höhe. Grund: Die Auftragsbücher der Baufirmen sind randvoll. Die Nachfrage bestimmt den Preis.

Mit Kosten in Höhe von drei Millionen Euro hatte die Stadt nach vorausgegangener sorgfältiger Kalkulation für diesen Bauabschnitt eigentlich gerechnet. Es werden nun fast 3,9 Millionen. Zwölf Firmen beschäftigten sich mit den Vergabeunterlagen, nur vier Baufirmen gaben für diese große Baumaßnahme überhaupt ein Angebot ab. Erstaunlich die Bandbreite: Für ein und dieselbe Leistung wurden vom preisgünstigsten Bieter 3,87 Millionen Euro gefordert, der teuerste lag bei 5,5 Millionen.

Für Bad Neuenahr ist es da von besonderer Bedeutung, dass die Kosten gedrittelt werden: Bund, Land und Stadt sind die Kostenträger, wobei die Stadt ihren Anteil mit 70 Prozent bezuschusst bekommt. „Die eingereichten Angebote spiegeln die aktuelle Marktsituation wider“, so Bürgermeister Guido Orthen. Soll heißen: Egal, wo im Auftrag der Städte und Gemeinden gebuddelt und Infrastruktur verbessert wird – es wird empfindlich teurer als geplant. Die Vollauslastung der qualifizierten Baufirmen hat Folgewirkungen. Ob Kanalbau oder Bahnhofsmodernisierung: die Preise galoppieren davon.

Die nicht undramatischen Kostensteigerungen sind seit einigen Monaten marktüblich und machen den Kommunen zu schaffen. Im benachbarten Nordrhein-Westfalen wurde daher kürzlich beschlossen, alle vor 2017 erstellte Kostenschätzungen grundsätzlich um 25 Prozent zu erhöhen, um die Abweichungen zwischen Kostenschätzung und Submissionsergebnis in einem erträglichen Rahmen zu halten. Orthen: „Dem Gesetz von Angebot und Nachfrage folgend, ergibt sich eine signifikante Erhöhung der Angebotspreise, deren Obergrenze zurzeit noch nicht absehbar ist.“ Zur Vergabe indes gebe es keine Alternative.