Experte mahnt

Bad Neuenahr soll Kräfte für Landesgartenschau bündeln

BAD NEUENAHR. 2022 kommt die Landesgartenschau nach Bad Neuenahr. Handel, Handwerk, Gastronomie und Hotellerie müssten dann ihre Kräfte bündeln, sagt ein Experte. Es reiche nicht aus, nur Pflanzen zu zeigen.

Die Industrie- und Handelskammer und der Geschäftsführer der Bundesgartenschauen in Koblenz (2011) und Heilbronn (2019), Hanspeter Faas, sind sich sicher: Die Landesgartenschau (Laga) Bad Neuenahr wird die Stadt nachhaltig verändern. „Das wird eine andere Stadt sein als vor der Laga“, so Faas. Vor Vertretern der heimischen Wirtschaft mahnte er eine „Dramaturgie“ der Gartenschau an: „Sie muss Spiegel der Gesellschaft sein. Es reicht nicht, Pflanzen zu zeigen.“

Die Erwartungen der Unternehmen, der Politik und der Bürger in Bad Neuenahr-Ahrweiler an die Landesgartenschau sind naturgemäß sehr unterschiedlich. „Einige Kritiker stehen der Laga 2022 skeptisch gegenüber und reduzieren die Sicht auf die damit verbundenen Kosten sowie die negativen Begleiterscheinungen der Bautätigkeiten. Die Befürworter der Landesgartenschau erkennen in ihr jedoch viel mehr als nur die Möglichkeit einer sechs Monate andauernden Blumen- und Leistungsschau“, sagte IHK-Vizepräsident Alexander Kohnen in seiner Begrüßung im Dorint-Hotel. Bei allen Problemen eines solchen Großprojekts biete die Landesgartenschau die einmalige Chance, in der Stadtentwicklung, im Tourismus und im kulturellen Bereich wichtige und langfristige Entwicklungen voranzubringen.

Das bestätigte auch Hanspeter Faas. Gartenschauen seien längst nicht mehr nur Parkerneuerungen und Blumenpräsentationen. Vielmehr handele es sich um „Stadtentwicklung durch innerstädtische Freiflächenentwicklung“, um städtebauliche Projekte statt um gezeigte „Rasenmäher- und Schrebergartenidylle“.

Gartenschauen seien allerdings keine Selbstläufer. Es handele sich um ein Gemeinschaftswerk. „Profiteure sind diejenigen, die sich von Anfang an einbringen, die sich frühzeitig mit den Möglichkeiten auseinandersetzen“, so der Experte. An Handel, Handwerk, Gastronomie und Hotellerie adressiert, rief er zu einer „Kräftekonzentration auf den Zeitpunkt 2022“ auf. Eine Leitinvestition müsse ausgelöst, das Bewusstsein der Bevölkerung gestärkt werden.

Jede städtische Investition löse in der Regel das Fünf- bis Zehnfache an privater Investition aus, führte Faas aus. Nach derzeitigen Berechnungen wird alleine die Kreisstadt unmittelbar und mittelbar rund 60 Millionen Euro – ausgelöst durch die Landesgartenschau – in die städtische Infrastruktur stecken.

„Haben Sie Mut!“ riet Faas. Und: „Pflegen Sie die Willkommenskultur.“ Eine erfolgreiche Gartenschau brauche Dramaturgie, der Mensch stehe bei ihr im Mittelpunkt. Er warnte allerdings davor, andere Gartenschauen einfach nur zu kopieren, auch wenn sie noch so erfolgreich gewesen seien: „Machen Sie Ihr eigenes Experiment.“

Die Landesgartenschau 2022 sei für Bad Neuenahr-Ahrweiler ein Wirtschaftsmotor, eine „enorme“ Mittelstandsförderung. Konservativ gerechnet werden in der Kreisstadt 800 000 Gäste erwarten, die in vier Jahren eigens zur Landesgartenschau anreisen werden. Rein statistisch lasse jeder Gast (ohne Eintrittsgeld) zumindest 18 Euro in der Stadt, Übernachtungsgäste gar 80 Euro. Die Erfahrung zeige zudem, dass die Besucher in der Regel auch nach einer Gartenschau gerne wiederkommen würden. Für Bad Neuenahr-Ahrweiler ergebe sich also ein sehr nachhaltiger Effekt.

„Wir wollten an diesem Abend nicht nur informieren, sondern die Unternehmer dazu auffordern, rechtzeitig Planungen und Investitionen umzusetzen und der Laga 2022 positiv entgegenzusehen. Die IHK-Unternehmen und der Handwerkskammer angeschlossene Betriebe sollen von der Landesgartenschau und der damit wachsenden Kauf- und Wirtschaftskraft in unserer Region profitieren“, meinte der regionale IHK-Geschäftsführer Bernd Greulich.

Zuvor hatte Bürgermeister Guido Orthen die Areale der Landesgartenschau vom Apollinarisstadion bis zum Calvarienberg in einer Computersimulation vorgestellt. Zwölf „landschaftsarchitektonische Bewerbungen“ zum Leitideen-Thema „Gesunde Stadt, gesundes Leben“ lägen der Stadt inzwischen zur Gestaltung der Laga-Kernbereiche vor, berichtete das Stadtoberhaupt.

Mit der Gartenschau und ihrer Rückbesinnung auf alte Anbaukulturen beispielsweise auf Streuobstwiesen und auf der Landesgartenschau gezeigten Schrebergärten könne auch „ein Stück ursprüngliches Leben in das Bewusstsein zurückkehren“.

Guido Orthen bezeichnete das Großprojekt Laga 2022 als größte Herausforderung, die Bad Neuenahr-Ahrweiler seit seiner Stadtgründung im Jahre 1969 in Angriff nehme.