Nachruf auf Rudolf Weltken

Bad Neuenahr-Ahrweilers Ex-Bürgermeister gestorben

BAD NEUENAHR-AHRWEILER. Der erste Bürgermeister der Gesamtstadt Bad Neuenahr-Ahrweiler, Rudolf Weltken, ist am Sonntag im Alter von 88 Jahren gestorben. Ein Nachruf auf das Zahlengenie, Macher und Kumpel.

Schnellredner, Zahlengenie, gefürchteter Haushaltsexperte, Macher, ein verbaler Haudrauf und trotzdem Kumpel, Freund, Schützenbruder. Das war Rudolf Weltken. Der erste Bürgermeister der Gesamtstadt Bad Neuenahr-Ahrweiler ist am Sonntag im Alter von 88 Jahren gestorben.

Es war ruhig geworden in den vergangenen Jahren um den Mann, dessen Leidenschaft der Kommunalpolitik und vor allem seiner Stadt galt. Es war der 4. Dezember 1969, wenige Tage vor Weltkens 40. Geburtstag, als Wilhelm Helfmann, bis dato Bürgermeister der selbstständigen Stadt Ahrweiler, den neuen Chef der Gesamtstadt Bad Neuenahr-Ahrweiler vereidigte. Denn die rheinland-pfälzische Gebietsreform vereinte, was dann unter Weltkens Ägide zusammenwuchs. Damals betrat der Jurist und Oberregierungsrat zwar kein kommunalpolitisches Neuland, Erfahrungen hatte er bei der CDU in seiner Heimatstadt Andernach gesammelt. Doch neu waren für ihn die kommunalpolitischen Gegebenheiten im Ahrtal.

Höchste Anerkennung

Weltken wusste damit umzugehen, dass die Menschen in Bad Neuenahr-Ahrweiler zum Teil gegen ihren Willen durch den Gesetzgeber in die neue kommunalpolitische Gemeinschaft geführt worden waren. „Meine Aufgabe war es, aus dem politischen Gemeinwesen ein funktionierendes kommunales Gemeinwesen zu machen“, sagte er einmal dem General-Anzeiger. Höhepunkte seiner Amtszeit waren unter anderem die Altstadtsanierung Ahrweiler, die Eröffnung des Freizeitbades Twin, bei der ihn die Fraktionschefs gemeinsam samt Anzug und Krawatte ins Schwimmerbecken warfen, die Eröffnung der Römervilla am Silberberg, des Stadtmuseums im Weißen Turm, der Ahr-Thermen sowie die 1100-Jahrfeier von Ahrweiler 1993.

Was Weltken für seine Stadt getan hat, fand höchste Anerkennung. Und da der Bürgermeister, der sich auch gern mal mit Journalisten zoffte, nicht abergläubisch war, machte es ihm nichts aus, dass er das Bundesverdienstkreuz am Bande ausgerechnet an einem Freitag, den 13., erhielt. Das war der 13. Juni 1986.

25 Verwaltungshaushalte in 24 Amtsjahren

Anerkennung über Parteigrenzen hinweg fand Weltkens Finanzpolitik, die letztendlich aber auch die des gesamten Rates war. 25 Verwaltungshaushalte brachte der Stadtchef in 24 Amtsjahren ein. Ihr Gesamtvolumen betrug 1,2 Milliarden Mark. Die Gesamtsumme aller Haushaltspläne in der Ära Weltken betrug 1,6 Milliarden Mark. Stolze Zahlen, denen man auf den ersten Blick die eiserne und erfolgreiche Sparpolitik nicht ansieht.

 

Den Erfolg musste Weltken jedoch mit seinem Vize teilen. Denn sein Tandem-Partner Winfried Schneider bildete stets den ruhenden Pol zur temperamentvollen Nummer Eins. „Es ist uns immer gelungen, gegensätzliche Standpunkte zu überwinden, wobei letztlich die besseren Argumente ausschlaggebend waren. Nach außen haben wir stets mit einer Zunge gesprochen“, sagte Schneider vor Jahren im GA-Gespräch über die Zusammenarbeit mit Weltken.

"Kommunale Mehrzweckwaffe"

„Kommunale Mehrzweckwaffe“, nannte der 1999 verstorbene Landrat Joachim Weiler Weltken Ende 1993 bei dessen Verabschiedung als Bürgermeister. Denn was der Bürgermeister einmal auf Papier hatte, das setzte er auch um. Auch mit Nachdruck und bei programmiertem Widerstand aus Reihen derer, die ihm heute zu Dank verpflichtet sind: Fußgängerzonen, Stadtbibliothek, Stadtkernsanierung Ahrweiler, Golfplatz, Rotweinwanderweg, Schießsportanlage, Flugplatz und vieles mehr.

Weltken galt immer als Macher. Durchsetzungsvermögen war sein nicht gerade leises Markenzeichen. So wurde es im Stadtrat dann auch hin und wieder „schön laut“, wenn er sich mal wieder mit seinem Lieblingsgegner, Herbert Wiens von der SPD-Fraktion, in Dispute erging. Und auch im Ruhestand machte er weiter Politik. Von 1994 bis 2004 saß er im Kreistag in der ersten Reihe der CDU-Fraktion – und dies auch nie ganz leise.

Engagement in der Feuerwehr

Apropos Macher: Weltkens ganz großes Engagement galt der Freiwilligen Feuerwehr. Er legte den Grundstein dafür, dass die Wehren in der Kreisstadt heute bestens ausgerüstet sind. Denn er war es, der im Rat die Neuanschaffungen durchsetzte und aus kleinen Einheiten eine große, schlagkräftige Truppe machte. Und so gab es auch nach seinem Abschied keinen Kameradschaftstag, an dem der Mann mit den Goldknöpfen an der Uniform, die in der Regel dem Kreisfeuerwehrinspekteur vorbehalten sind, fehlte.

Auch wenn Rudolf Welken gestorben ist, sein Name lebt weiter. Denn die Deutsche Dahlien- und Gladiolen-Gesellschaft gab einer roten Dahliensorte im Jahr 1978 den Namen „Bürgermeister Rudolf Weltken“. Und auch auf eine andere Art wird die Erinnerung an Weltken lebendig bleiben. Denn gerade weil er 1985 die Ahrweiler Fahne mit dem alten Stadtwappen verboten hatte, schmückt sie heute an Festtagen die ganze Altstadt. Der Ahrweiler Fahnenstreit war seine einzige Niederlage, doch ließ die Versöhnung nicht lange auf sich warten.