Gespräche zu einer Folgenutzung

BKA liebäugelt mit Ahrtal-Kaserne

Blick auf die Ahrtal-Kaserne mit ihren markanten roten Fensterrahmen und Dachaufsätzen.

BAD NEUENAHR. An der Ahrtal-Kaserne in Bad Neuenahr tut sich was. Hinter verschlossenen Türen finden Gespräche zu einer Folgenutzung statt. Als potenzielle Nachfolger der Abteilung V des Heeresamtes werden BKA, die Bundeswehr-IT-Spezialisten BWI und der Bundeswehr-Fuhrpark gehandelt.

Die Ahrtal-Kaserne an der Bad Neuenahrer Heerstraße ist Sperrgebiet für Normalsterbliche. "Fotografieren verboten" steht direkt neben dem Schlagbaum am Eingang, Passanten mit Kameras werden vom Wachdienst grimmig beäugt.

Aus den bis zu fünfstöckigen Betonbauten mit den markanten roten Fensterrahmen wandern Soldaten und Zivilisten einer nach dem anderen nach Koblenz ab. Denn dort ist der neue Standort für die Heeres-Logistiker. Der spärliche Rest der ursprünglich einmal fast 600 Mann starken Truppe, etwa ein Drittel waren Zivilangestellte, macht irgendwann zum Jahresende das Licht aus.

Es soll aber nicht düster bleiben. Deshalb drehen zurzeit die Experten von Drees und Sommer, einem internationalen Dienstleister für Entwicklungsmanagement, Infrastrukturberatung, Projektmanagement und Immobilienberatung aus Köln, die Kaserne auf Links. Erste Feststellung: "Die Haustechnik ist zwar nicht mehr neu, aber gut in Schuss." Das bestätigte Michael Korden, Konversionsbeauftragter des Rathauses.

Vieles wird jedoch zurzeit nicht gesagt, weil es hinter verschlossenen Türen stattfindet. Aber es wird aus Bundeswehrkreisen bestätigt. Demnach soll es ein Gespräch in der Ahrtal-Kaserne zwischen deren Chefetage, der Spitze der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) und der obersten Leitung des Bundeskriminalamtes (BKA) gegeben haben. Letzteres platzt nämlich an seinem Dienstsitz in Meckenheim aus allen Nähten und ist dringend auf der Suche nach Räumlichkeiten.

"Liebend gern", so sickerte durch, würde sich das BKA den Standort Bad Neuenahr zumindest teilweise einverleiben. In Rede steht dabei Platz für rund 80 bis 100 Mitarbeiter. BKA-Präsident Jörg Ziercke hat sich jedenfalls lange in der Ahrtal-Kaserne aufgehalten und selbige in Augenschein genommen. Das bestätigten Mitarbeiter des Kölner Heeresamtes, zu dem die Ahrtal-Kaserne gehört. Auch dass Ziercke gesagt haben soll, dass die Meckenheimer "am liebsten sofort" einziehen würden.

Das BKA dementierte dies auf Anfrage nicht. Vor der Pressestelle hieß es nur vielsagend: "Kein Kommentar." Bestätigt wurde seitens eines "anderen Meckenheimers" allerdings, dass ihm Räumlichkeiten in der Kaserne angeboten wurden: der IT-Schmiede der Bundeswehr BWI, dessen drei Gesellschafter die Bundeswehr, Siemens und IBM sind. Da werden 100 bis 200 Arbeitsplätze kolportiert, die im Sicherheitstrakt an der Heerstraße gemeinsam mit dem BKA gut aufgehoben wären.

Jochen Reinhardt, Pressesprecher des BWI Leistungsverbundes, wollte dieses "nicht dementieren", erklärte aber auch: "Es gibt noch keine offiziellen Planungen." Bundesweit arbeiten rund 2850 Mitarbeiter für BWI, überwiegend an Bundeswehrstandorten, davon 1150 in Nordrhein-Westfalen, 400 in Meckenheim, 120 in Rheinbach und 450 auf der Bonner Hardthöhe, davon 300 in einem dort angesiedelten Rechenzentrum.

Die Meckenheimer betreuen unter anderem die knapp 140 000 PC, rund 300 000 Telefone und 15 000 Handys der Soldaten und anderer Bundeswehr-Beschäftigter. Starkes Interesse hat nach GA-Informationen auch der Bundeswehr Fuhrpark an dem Areal angemeldet.

Offiziell, aber ebenfalls hinter verschlossenen Türen, wollte sich am Donnerstag die CDU-Bundestagsabgeordnete Mechthild Heil (Wahlkreis Ahrweiler) mit BIMA-Vorstandssprecher Jürgen Gehb aus Bonn in der Kaserne treffen. Daraus wurde nichts. Gehb, der auch beim BKA-Termin dabei gewesen sein soll, hatte aus Krankheitsgründen das Treffen abgesagt. Das bestätigte Heils Büroleiter Michael Schneider.

Für das Rathaus in Bad Neuenahr-Ahrweiler wären viele Lösungen denkbar, denn Bürgermeister Guido Orthen erklärte gestern: "Ein Leerstand wäre das Schlimmste, was passieren könnte." Die Stadt will sich auf jeden Fall nicht auf Zufälle verlassen, denn sie wurde zu den internen Gesprächen nicht hinzugebeten und erst durch den General-Anzeiger über die "Neuigkeiten von der Heerstraße" informiert. Deshalb setzt sie bis auf weiteres auf die Arbeit der Projektentwickler von Drees und Sommer. Und die fotografieren trotz offiziellen Fotografierverbots hinter dem Schlagbaum eifrig drauf los. Denn ohne Dossier wird die beste Immobilie nicht vermarktet.