Diskussion in Bad Neuenahr

Bürgerinitiative will bei Bundeswehrgelände mitreden

KREISSTADT. Ende 2014, spätestens Ende 2018, ist die Bundeswehr aus Bad Neuenahr abgezogen und hinterlässt 44.000 Quadratmeter bebaute Grundstücke. Sie in zivile Nutzung zu nehmen, nennt man Konversion. Nachdem die Stadtverwaltung unter Bürgermeister Guido Orthen (CDU) bereits andeutete, dass sie bei der Folgenutzung verstärkt auf den Einzelhandel setzen wolle, luden die Attac und Jenny-Marx-Gesellschaft zu einem Info- und Diskussionsabend ein.

Heraus kamen neue Erkenntnisse und viele Vorschläge, berichtete Attac-Mitglied Marion Morassi. Die Bundestagabgeordneten der Linksfraktion, Inge Höger und Herbert Behrens, die nach eigener Mitteilung bereits zahlreiche Konversionserfahrungen sammeln konnten, erläuterten die Situation nach der Schließung der Ahrtalkaserne.

Nach einem Rundgang durch die Immobilien und Gesprächen mit den verantwortlichen Offizieren, wiesen sie darauf hin, dass das Verfügungsrecht über die Liegenschaften bei der Bundesanstalt für Immobilien liege, die Planungshoheit jedoch bei der Stadt.

Sie verwiesen auf einen Antrag der Fraktion der Linken, der anlässlich der Konversion finanzielle Hilfen fordert, damit die ehemaligen Bundeswehrstandorte den Truppenabzug als Entwicklungschance für die Kommune und die Bevölkerung wahrnehmen könnten.

Höger verwies in diesem Zusammenhang auf neue soziale und ökologische Perspektiven durch die Ansiedlung von Dienstleistungsgewerbe, Kultur- und Bildungseinrichtungen und Wohnungen. In Tübingen beispielsweise seien ehemalige Kasernen der französischen Streitkräfte unter enger Beteiligung der Bürger in ein Viertel umgewandelt worden, das Lebens- und Arbeitsraum für Menschen unterschiedlicher Einkommensschichten biete.

Behrens: "Das ist leider noch zu selten. Denn aus Angst vor den Folgen möglichen Verlusts von Arbeitsplätzen und Steuereinnahmen konzentrieren sich viele Kommunen auf den Wettstreit untereinander. Die Bevölkerung steht jedoch im Mittelpunkt, und ihren Bedürfnissen muss Rechnung getragen werden."

In der Diskussion gab es spontan Vorschläge. Die Ideen reichten von einem senioren- und behindertengerechten Mehrgenerationen-, Wohn- und Kulturzentrum über bezahlbare Büroräume für Unternehmen und Gemeinschaftsbüros für Existenzgründer bis zu Ateliers und Werkstätten für Künstler und Kunsthandwerker.

Immer wieder wurde darauf hingewiesen, dass bezahlbarer Wohnraum im Stadtgebiet immer seltener werde und die Liegenschaften der Bundeswehr hier entsprechend umgewandelt und genutzt werden könnten.

Die großen Flachdachflächen könnten zudem energetisch genutzt werden und wären eine Option auf eigenständige, alternative Energieversorgung. Noch am selben Abend gründeten die Anwesenden eine Bürgerinitiative, die sich um die Fragen der Konversion in der Kurstadt Bad Neuenahr kümmert und künftig mitreden will. Sie trifft sich am Mittwoch, 19. Dezember, ab 19.30 Uhr, in den Bahnhofsstuben.