Kurpark Bad Neuenahr

Bürger wehren sich gegen Abriss

BAD NEUENAHR. Eine Initiative kämpft für den Erhalt der Konzerthalle im Kurpark Bad Neuenahr. Am Montag wird das Thema im Rat diskutiert.

Die Bürgerinitiative „Lebenswerte Stadt“ wehrt sich vehement gegen einen etwaigen Abriss der Gebäudeensemble im und am Bad Neuenahrer Kurpark. Insbesondere die Konzerthalle gelte es zu erhalten, unterstrichen die Sprecher der Initiative, Markus Hartmann und Axel Hausberg, in einer Versammlung, die von rund 40 Bürgern besucht worden war. „Wir wollen Altes mit Respekt bewahren“, sagte Hausberg. Und: „Wir wollen unser Erbe nicht einfach abreißen lassen.“ Mit Plakaten will die Initiative nun verstärkt auf die Erhaltenswürdigkeit der Bauten aufmerksam machen. Ein Architekturwettbewerb sei von Nöten. Wie mehrfach berichtet, gibt es Pläne zur Neugestaltung des Areals rund um den Kurpark.

Zwar sehe die Bürgerinititative, die sich vor zwei Jahren gegründet hatte, um in der Kur- und Badestadt dem Abriss alter und schützenwerter Häuser zu begegnen, die allzu schnell von gesichtslosen Neubauten ersetzt würden, durchaus die Notwendigkeit einer Modernisierung der baulichen Anlagen im Kurpark. Jedoch mit Fingerspitzengefühl und unter Wahrung der einst von Architekt Hermann Weiser erbrachten planerischen Leistung.

Weiser hatte 1927 im Rahmen eines Wettbewerbs seine Entwürfe eingereicht und war zum Zuge gekommen. 289 Architekten hatten sich immerhin an der Ausschreibung beteiligt. Die Jury entschied sich seinerzeit für seine Pläne, die jedoch erst 1933/34 mit dem Bau der Konzerthalle und 1938 mit dem Bau der Kolonnaden zur Umsetzung kamen. Allerdings wich die Gestaltung erheblich von Weisers Plänen ab. Grund: Die NS-Behörden standen den Gestaltungsvorstellungen Weisers eher skeptisch gegenüber. Vom 1927 prämierten Plan blieb also nicht allzu viel übrig, erläuterte Hartmann.

Ausnahme: die Orchestermuschel

Nach Mitteilung der Generaldirektion Kulturelles Erbe liegen die Bauten in einer Denkmalzone. Dies beinhalte den Status des Substanzschutzes „für alle konstituierenden Bestandteile der baulichen Gesamtanlage“. Die Stadt erklärte auf GA-Anfrage, es liege kein „Denkmalwert“ vor. Ausnahme: die Orchestermuschel.

Bereits seit Jahren bestehen Pläne, das Gebiet entlang der Kurgartenstraße neu zu ordnen, zumal die Weiser-Bauten inzwischen stark sanierungsbedürftig sind, wie die Stadt in den vergangenen Monaten immer wieder betonte. Hierzu soll es am kommenden Montag in einer Stadtratssitzung weitere Informationen geben. Bereits 2013 hatte die Stadt Investoren dazu aufgerufen, Vorschläge für die 1,5 Hektar große „Entwicklungsfläche“ einzureichen: „Gefragt ist die Idee für die Zukunft, für ein besonderes Stück Bad Neuenahr-Ahrweiler“, hieß es in der Informationsbroschüre.

Auch die Bürgerinitiative ist der Meinung, dass die „runtergewirtschafteten“ Kolonnaden keine Augenweide darstellten und ein Neubau dort vorstellbar sei. Das gelte auch für das Kurgarten-Café, das eher optisch zerstörerisch wirke. „Es muss rückgebaut werden, um das Gesamtensemble wiederherzustellen. Es ist einzigartig und schützenswert“, so die Bürgerinitiative, die von einem geschichtlichen Zeugnis und einem baukulturellen Erbe spricht. „Wir wollen eine saubere Lösung, die das Alte würdigt und gut in das Neue integriert“, hieß es weiter. Einem „imaginären Investor“ zuliebe dürfe nicht einfach alles beseitigt werden. Konzerthalle, Konzertmuschel müssten erhalten bleiben, der Wandelgang müsse wiederhergestellt werden. Dies im „Geist der neuen Sachlichkeit“, die Weisers Pläne ausgemacht hätten.

Zudem sei zu hinterfragen, ob geplante neue Geschäfte in zweigeschossigen Baukörpern (plus Staffelgeschoss) entlang der Kurgartenstraße überhaupt sinnvoll seien. Schließlich gebe es schon genug Leerstände in der Stadt. Bürger rieten dazu, den Einzelhandel auf den Plan zu rufen. Ebenso den Hotel- und Gaststättenverband. Schließlich sei ja an Stelle des Kurgarten-Cafés ein neues Hotel denkbar, dessen Notwendigkeit zumindest in der Versammlung nicht erkannt wurde.

Wenngleich es in den vergangenen Monaten auch zwei Bürgerbeteiligungen hinsichtlich der Neugestaltung des Kurgartenensembles gegeben hatte, sehen sich die Mitglieder der Initiative nicht ausreichend „mitgenommen“. Man sprach von einem „closed shop“ im Rathaus. Am Montag wird die Stadtverwaltung in der Ratssitzung (Beginn: 19.30 Uhr) Information zur baulichen Untersuchung der Kurparkliegenschaften geben. Zudem ist eine Beschlussfassung zur weiteren Vorgehensweise vorgesehen.