Bäcker muss auch Suppe kochen

Bäcker-Innung des Kreises Ahrweiler sieht positiv in die Zukunft

Brotkönigin Nina Jakobs stellt gemeinsam mit den Bäckern das IKK-Brot vor.

Brotkönigin Nina Jakobs stellt gemeinsam mit den Bäckern das IKK-Brot vor.

KREIS AHRWEILER. Die Bäcker-Innung im Kreis Ahrweiler sieht trotz immer weniger Mitgliedsbetrieben optimistisch in die Zukunft. Ein Lichtblick: Waren es im Schuljahr 2017 nur drei neue Auszubildende, die das Bäckerhandwerk erlernen wollten, startete man ins aktuelle Jahr mit 18 Azubis.

Reicht es, Brot und Brötchen zu backen, oder müssen Bäcker künftig auch eine Suppe anbieten, ihre Backwaren zu jeder Tageszeit entsprechend belegen und auch mal überbacken können? Geht es nach der Handwerkskammer (HWK), dann muss sich dieser Handwerksberuf wesentlich breiter aufstellen.

Wie das aussehen kann, stellte HWK-Referent Joachim Schäfer einer guten Handvoll von Vertretern der Innungsbetriebe der Bäcker-Innung des Kreises Ahrweiler vor. Sie waren zur Herbstversammlung nach Walporzheim gekommen und erfuhren von Obermeister Rolf Genn, dass ihre Innung derzeit gerade noch 18 Mitgliedsbetriebe hat. Täglich schließt in Deutschland eine Bäckerei, der Rückgang der Betriebe ist schwerlich aufzuhalten. Nachwuchs fehlt ebenso wie Nachfolger, die die Betriebe übernehmen. Dabei geben sich die Unternehmer keineswegs so einfach ihrem Schicksal hin. Der Blick geht nach vorne. In Walporzheim präsentierte Schäfer nicht nur umfangreiche Neuerungen im Ausbildungsplan des Bäckernachwuchses, über die die Betriebe noch abstimmen müssen.

Konzept für Gesamtschau vorgestellt

Schäfer stellte mit dem „Brot- und Bäckerspektakel 2019“ auch das Konzept für eine Gesamtschau dieses Handwerksberufs vor, die im Juni kommenden Jahres möglichst viele Interessenten ins Koblenzer „Zentrum für Ernährung und Gesundheit“ (ZEG) der Handwerkskammer locken soll. Dort wird dann ein vielfältiges Programm geboten, Innungen und Betriebe sollen dieses mit Leben füllen, so dass es alle zwei Jahre wiederholt werden kann. Eine ähnliche Aktion der Konditoren hatte zuletzt 6000 Menschen ins Koblenzer Schloss gelockt. Für die Bäcker geht es unter anderem darum, das Image ihres Handwerks aufzuwerten. Eine der Säulen für die künftige Ausrichtung ist der wachsende Wunsch der Konsumenten nach gesünderer Ernährung.

Das „Handwerk mit Tradition und Leidenschaft“ geht dabei auch nach außen offensiv gegen die Konkurrenz der Discounter vor und will Dinge anbieten, die diese Konkurrenz so nicht darstellen kann.

Fusion möglich

Was aber, wenn alle Bemühungen nicht fruchten? Landesinnungsmeister Bernd Siebers aus Essen ging auf Überlegungen im Verband ein. So bemühe sich der Bäckerinnungs-Verband Rheinland derzeit um eine Fusion mit dem westfälischen Verband. „Das ist aber schwierig, der Vorstand ist gespalten“, so Fusions-Befürworter Siebers. Das Thema kommt schon seit 2012 immer wieder auf die Tagesordnung, zu einem Abschluss kam es bisher nicht.

Im Innungs-Verband Rheinland gibt es noch 800 Mitgliedsbetriebe. Vor 18 Jahren, als Sievers an die Spitze gewählt wurde, waren es 1900. Dass es noch nicht zur Fusion kam, hat laut Landesinnungsmeister auch ein kurzfristiges Denken als Grund. Es geht um Posten und es geht um kurzfristige Kosten. So befürchtet man im Rheinland, den aktuellen Umbau der Bäckerfachschule in Olpe mitbezahlen zu müssen. Die, die nach Walporzheim gekommen waren, zeigten großes Interesse für die Neuerungen, Ideen und Vorschläge, auch wenn man so manches als „unnötig“ oder „übertrieben“ ansieht. Dass man dabei aber das Handwerk des Bäckers als Ganzes und nicht nur die Möglichkeiten des eigenen Betriebs ins Auge fassen müsse, versuchte Geschäftsführer Alexander Zeitler den Mitgliedern vor Augen zu führen. Immerhin zeigen die vielfältigen Bemühungen der Innung derzeit einen ersten Erfolg. Waren es nämlich im Schuljahr 2017 nur drei neue Auszubildende, die das Bäckerhandwerk erlernen wollten, startete man ins aktuelle Schuljahr mit 18 Azubis.