Museum Römervilla

Ausstellung zeigt eine römische Schutzsiedlung

Im Modell: So sah die spätantike Höhensiedlung über der Bunten Kuh wohl aus.

AHRWEILER. So bekannt wie ein bunter Hund ist auch für Touristen die "Bunte Kuh", jene Felsnase am Übergang vom unteren zum mittleren Ahrtal.

Dass sie keiner Laune der Natur entspringt, sondern im 19. Jahrhundert bei der Sprengung für den Straßenbau entstand, ist nur eine Nebenbei-Erkenntnis der neuen Ausstellung "Bunte Kuh - Eine Spätantike Höhensiedlung" im Museum Römervilla.

Denn wenige wussten, dass bereits die Römer auf der Höhe des Bergsporns siedelten. Zwar gab es dort seit 100 Jahren wiederholt römische Funde, und eine Untersuchung der Koblenzer Landesdenkmalpflege brachte 1999 Gewissheit, wurde aber geheim gehalten.

Jedoch schürften illegale Sondengänger, also Sucher mit Metalldetektoren, nach "Schätzen". Und was ihnen in die Finger geriet, ging für Allgemeinheit und Forschung verloren. Da hieß es Reste zu retten, weshalb die Landesarchäologie ehrenamtliche Helfer aussandte, die wichtige Entdeckungen machten. "Aus diesen wenigen Funden ließ sich allerdings die römische Geschichte der Bunten Kuh in groben Zügen nachvollziehen", erklärte Museumsleiter Hubertus Ritzdorf.

Noch aufregender als das Aufspür-Abenteuer war der Anlass, der zur Siedlung führte. Im vierten Jahrhundert, in den unruhigen Zeiten der Völkerwanderung, fürchteten hiesige Bewohner die Überfälle plündernder Germanen. Die Grundherren der Umgebung, darunter auch der Besitzer der Römervilla, erbauten sich einen Fluchtpunkt in der Höhe.

"Es war ein Verteidigungsposten der Zivilbevölkerung, er hatte keine Wehrtürme, entsprach nicht dem festungsbautechnischen Niveau der Spätantike", so Ritzdorf. Trotzdem waren auch Militärs oben. "Sie wurden von den Zivilisten dahin gebeten. Die Sichtweite lässt vermuten, dass sie eine Meldekette mit der Landskrone und Remagen unterhielten, um über Einfälle von der anderen Rheinseite unterrichtet zu sein."

Sobald Gefahr bestand, suchten die Menschen ihre Fluchtsiedlung auf, in der sie auch Wertgegenstände sicherstellten. Darauf verweisen unter den Funden vom ersten bis dritten Jahrhundert der Kopf einer Pferdestatuette und ein kleiner männlicher Torso, womöglich von einem Merkur, der einmal im Hausaltar reicher Besitzer stand. Für Ritzdorf sind es Importe aus dem Mutterland: "Die Provinzen produzierten nicht in solcher Qualität."

Ebenfalls zu sehen: viele Münzen, eine Reihe von Schlüsseln, da es galt, gestiegenen Wohlstand zu schützen, Keramik, ein Spiegelhalter mit Ente, dekorative Würfelaugenbeschläge und hübsche bronzene Propellerbeschläge, die als spätrömisches Uniformdekor die Anwesenheit von Militär belegen.

Zur aufschlussreichen Ausstellung trägt auch der Rhein-Ahr-Campus bei, der mit Laserverfahren die Zusammensetzung von Fundmaterial untersuchte. Bernd Walther kommt den Museumsgästen mit einem Modell von der Siedlung entgegen, und 35 mythenschwangere Bilder der Malschule Roos bringen Farbe ins Geschehen.

Öffnungszeiten bis 16. November: dienstags bis sonntags und feiertags von 10 bis 17 Uhr.