Theateraufführungen im Evangelischen Gemeindehaus

Aufführung der Theatergruppe ,,Les Cigales"

Szene aus dem Stück „Die Heiratsvermittlerin“ der Gruppe „Les Cigales“.

Szene aus dem Stück „Die Heiratsvermittlerin“ der Gruppe „Les Cigales“.

BAD NEUENAHR. „Die Heiratsvermittlerin“ nach der Vorlage von Thornton Wilder tritt in Aktion. Die Schauspielgruppe "Les Cigales" der Evangelischen Jugend Bad Neuenahr bietet damit alles andere als verstaubtes Theater.

Das nennt man Karriere: von der Kutscherin zur Kupplerin. Man könnte aber auch sagen: von der schüchternen 14-Jährigen, die einen Betrunkenen spielen sollte, zur jungen Frau, die selbstbewusst und wie selbstverständlich auf der Bühne parliert und dabei wie Mary Poppins im Rüschenkleid mit Schößchen und Schirm wie anno dazumal agiert.

Diese Karriere hat Sabrina Osmers gemacht. Eine der Hauptdarstellerinnen in Thornton Wilders Komödie „Die Heiratsvermittlerin“, mit der die Theatergruppe „Les Cigales“ der Evangelischen Jugend Bad Neuenahr Premiere im Gemeindehaus gefeiert hat. Zwei weitere Aufführungen folgen am Freitag und am Samstag im Gemeindehaus.

Und es ist auch nicht das erste Mal, dass die Theatergruppe dieses Stück inszeniert. Vor elf Jahren hatte sie sich schon einmal dafür entschieden, freilich in anderer Besetzung. Denn von den 15- bis 25-jährigen Darstellern ist als Älteste eben nur noch Sabrina Osmers dabei, und die mochte die Vorstellung, dass ihr erstes Stück bei der Theaterjugend auch ihr letztes sein würde. „Wegen des Alters“ wird sie im kommenden Jahr nicht mehr dabei sein, auch wenn es ihr schwer fällt. „Es gab zwar mehrere andere Stücke, die wir noch gelesen haben, aber ich habe ein bisschen auf die Tränendrüsen gedrückt“, erklärt sie augenzwinkernd. Und die Wahl dürften auch die übrigen Akteure nicht bereut haben. Denn nicht nur Osmers als Doris Levy glänzte bei der Premiere. Auch ihre Mitstreiter legten neben enormer Spielfreude ebenso beachtliche schauspielerische Leistungen an den Tag.

Nichts war’s mit verstaubter Story vergangener Tage. Schließlich ist die Handlung Ende des 19. Jahrhunderts in Yonkers, einer Stadt nahe New York City, angesiedelt und bezieht ihre besondere Note von den Konventionen der damaligen Zeit. Doch die Inszenierung der Evangelischen Jugend gestaltet sich alles andere als steif oder bieder und kommt ganz ohne opulentes Bühnenbild aus. Stattdessen sprüht sie vor Witz und lebhaften Dialogen ebenso wie alles andere als langweiligen Monologen. Dafür zeichnen nicht zuletzt die Regisseure Thilo Mohr und Maike Schönwald verantwortlich, die es mit den Textkenntnissen und der Probenmoral ihrer Akteure nicht immer ganz leicht hatten. Sie werden es ihnen vergeben haben.

Akteure sowie das Publikum sind ganz bei der Sache

Bald nachdem auf der Bühne das Licht angegangen war, waren Akteure wir Publikum ganz bei der Sache. „Wenn ich Ihnen den Hals abschneide, ist das so gut wie keine Absicht“ drohte da die Barbierin (Hannah Mohr) nicht ohne gute Gründe dem geizigen Horace Vandergelder (Lukas Weßling) beim Rasieren.

Weil der reiche Witwer eine Ehefrau für billiger hält als eine Haushälterin, wandelt er auf Freiersfüßen. Von Liebe spricht er nicht und gesteht sie auch seiner etwas einfältigen Nichte Ermengarde nicht zu, die sich in den Künstler Ambrose Kemper (Laurent Löbens) verliebt hat. Um deren Verhältnis zu vereiteln, schickt er seine Nichte zu Miss Flora van Huysen (Sophie Boden) nach New York City, wo sich ohne sein Wissen aber auch seine Angestellten Cornelius Hackl (Max Hartmann), Barnaby Tucker (Florian Schönewald) und Olivia Stack (Finja Sieger) amüsieren. Und wo noch mehr gewiefte Frauen die Strippen ziehen und dem Schicksal ein Schnippchen schlagen. „Wir sind jahrelang achtbar gewesen. Jetzt sind wir entehrt. Also können wir das auch ausnutzen“, sagte dort auch Hutmacherin Irene Molloy (Louise Schlömp). Es klang wie ein Versprechen, und die Geschichte nahm noch mehr Fahrt auf. Weitere Weisheiten und Verwicklungen später kommt es zum Showdown, der natürlich „happy“ endet. Schon auf dem Weg dahin wurden Zuschauer bei der Premiere indes bestens unterhalten.

„Die Heiratsvermittlerin“ nach der Vorlage von Thornton Wilder tritt wieder in Aktion am Freitag, 24., und am Samstag, 25. Mai, jeweils um 19 Uhr (Einlass ab 18 Uhr) im Evangelischen Gemeindehaus an der Bad Neuenahrer Wolfgang-Müller-Straße 9. Der Eintritt kostet sieben Euro, ermäßigt fünf Euro.