Großer Landfrauentag in Bad Neuenahr

Auf der Spur der Gelassenheit

Vorsitzende Ingrid Strohe (2.v.r.) begrüßte im Kurhaus Referent Wilhelm Schmid (3.v.r.).

Vorsitzende Ingrid Strohe (2.v.r.) begrüßte im Kurhaus Referent Wilhelm Schmid (3.v.r.).

Bad Neuenahr. Der Landfrauenverband im Kreis Ahrweiler mit seinen mehr als 1000 Mitgliedern hatte im Bad Neuenahrer Kurhaus den Bestseller-Autor Wilhelm Schmid zu Gast. Zugleich plädierten die Landfrauen für die gleichmäßige Entwicklung von Stadt und Land und den Erhalt der Zwergenschulen.

Gelassenheit ist eine wichtige Voraussetzung zur Bewältigung des Lebens. Beim Großen Landfrauentag im Kurhaussaal sprach der Berliner Philosoph und Bestseller-Autor Professor Wilhelm Schmid über zehn Schritte zu diesem Ziel. Als Ehrengäste begrüßte die Vorsitzende des Landfrauen Kreisverbandes Ahrweiler, Ingrid Strohe, Repräsentanten aus Politik und Wirtschaft der Region. Den Bezug zum ländlichen Leben haben der Berliner Philosoph und die Landfrauen gemeinsam, stammt Schmid doch von einem Bauernhof, wo er mit fünf Geschwistern aufwuchs. „Unser Vater war ein Philosoph“, sagte er. „Er hat die Natur und die Sterne beobachtet und konnte viel erklären.“ Darum sei er selbst Philosoph geworden. Seine Mutter dagegen sei in ihren letzten 20 Jahren voller Gelassenheit und Zärtlichkeit gewesen. „Wir brauchen ein Schulfach Lebenskunde und -gestaltung“, regte er an.

Wichtig sei es, sich Gedanken über die verschiedenen Phasen des Lebens zu machen, denn es sei sinnlos, sich dagegen zu stellen. So könnten sich Kinder und Jugendliche ganz alleine Möglichkeiten erschließen und diese ausprobieren. Stichwort: Spiel. Dieser Möglichkeitsphase folge ab 25 die Wirklichkeitsphase, in der nicht alle Träume realisiert werden könnten. Mit dem Aufbau von Beruf und Familie müssten die wichtigsten Dinge erledigt werden.

Die große Umstellung beginne mit 50 Jahren, wenn die zu erwartende Lebensfrist immer kürzer werde, sagte Schmid. Dem schlössen sich bis zum Alter von 75 Jahren die Phase des Älterwerdens und dann das höhere Alter an. In diesem Lebensabschnitt riet er, Gewohnheiten zu pflegen, das spare Kraft für Neues. Es gelte auch, das Leben zu genießen – Stichwort „guter Wein und gutes Essen“. Eine große Rolle spiele die Muße.

Ebenfalls sei es wichtig, Dinge hinnehmen zu können. Schmid prägte einen auf den ersten Blick widersprüchlichen Satz: „Das größte Erfolgserlebnis ist es, Misserfolge gehabt zu haben und sich nicht demotivieren zu lassen.“ Denn: „Das Leben braucht Spannung und Farbe.“ Schmid sprach auch pro Melancholie, aus der heraus sich neue Ideen entwickeln könnten.

Begegnungen mit den Enkeln spielten im Alter eine große Rolle. Mit Blick auf das Lebensende gelte es, über die Begrenztheit des Lebens nachzudenken. „Das Leben ist nur spannend, weil es begrenzt ist“, sagte Schmid. Für die Frage, was danach zu erwarten sei, fand er eine Antwort: „Wir leben aus einer Energie heraus, die wir nicht geschaffen haben. Wenn diese Energie uns verlässt, ist dieses Leben zu Ende.“

Stand das philosophische Referat im Mittelpunkt, so hatte die Vorsitzende zuvor über die Arbeit ihres mehr als 1000 Mitglieder starken Verbandes berichtet. Wichtig sei die Interessenvertretung der Frauen mit dem Schwerpunkt Familienpolitik und ländliche Entwicklung. In dem Zusammenhang bezeichnete Strohe Überlegungen zur Schließung von Zwergschulen als „Ungemach aus Mainz“. Kreisweit stünden drei Schulen auf dem Prüfstand.

Die Landfrauen hielten Angebote für alle Altersgruppen vor, sagte Strohe, sie verzeichneten seit Jahren einen leichten Mitgliederzuwachs. In einer kleinen Frage- und Antwortrunde bezeugten prominente Vertreter der Lokalpolitik die Wichtigkeit des Verbandes, der neuerdings auch Männer aufnimmt. Sie sprachen sich auch für eine gleichlaufende Entwicklung von Stadt und Land aus.

Umrahmt wurde das Programm durch Musikdarbietungen des Violintrios der Musikschule im Kreis Ahrweiler. Nach der Darbietung des Chores „CHORios“ mit seinem Dirigenten Guido Nisius, erfuhr Marlene Birk-Schmitz aus Antweiler eine Auszeichnung für ihr ehrenamtliches Engagement.