Mädchen in sogenannten Männerberufen

Am Girls' Day in die Gefängniszelle

DERNAU. Beim Mädchen-Zukunftstag: Schülerinnen waren zu Gast auf dem Campus, bei Coca-Cola, der Polizei und beim Schreiner.

Es gibt ihn schon seit vielen Jahren, den Girls' Day, den Mädchen-Zukunftstag. Viele Schülerinnen der Klassen 7 bis 12 schnupperten wieder in sogenannte Männerberufe rein oder schauten sich Studiengänge an, die für gewöhnlich bei der Berufswahl nicht in Betracht gezogen werden.

Zum ersten Mal hatte der Weltkonzern Coca-Cola zehn Schülerinnen der Klassen 9 eingeladen, sich in der Bad Neuenahrer Produktionsstätte ein Bild von der Herstellung und Abfüllung von Coca-Cola und der „Queen of Table Waters“ zu verschaffen. Dort, wo rund 25 Millionen Kisten Getränke pro Jahr das Werk verlassen, schauten sich die Mädchen aus Altenburg, der Kreisstadt, Euskirchen und Königswinter genau um. Priorität haben im Zusammenhang mit Lebensmitteln die Hygiene sowie bei Maschinen und Staplern die Sicherheit. Haarhauben, Leuchtwesten und Sicherheitsschuhe animierten die Mädchen nicht dazu, die Handys zu zücken. Einer der acht Azubis, Sedat Sen, unterwies sie dann in der Schlosserei. Sie mussten die Klammern, die beim Befüllen die Flaschen halten, erneuern. „Die großen Maschinen haben mich enorm beeindruckt“, sagte Sophie Kasper (15) vom Calvarienberg, die sich ein Praktikum durchaus vorstellen kann. 350 Mitarbeiter sind in Bad Neuenahr bei Coca-Cola beschäftigt, in acht Berufen bildet das Unternehmen aus: von der Fachkraft für Lebensmitteltechnik über Maschinen- und Anlagenführer bis zum Fachlageristen und, ab 2019, auch zum Mechatroniker.

Wenn ein Täter „gerollt“ wird, dann werden ihm beim Erkennungsdienst der Polizei Fingerabdrücke genommen. „Das nennt man so, weil jede Fingerkuppe exakt abgerollt werden muss“, erläuterte Kriminalhauptkommissar Franz-Josef Hammes den neun Neuntklässlerinnen aus dem Stadtgebiet in der Polizeiinspektion in Ahrweiler. Sofort fanden sich Freiwillige, da sich beim elektronischen Verfahren niemand mehr die Finger schmutzig machen muss. Polizeihauptkommissarin Christiane Mausberg-Henriques und Polizeikommissar Boris Djuric – nebenberufliche Einstellungsberater, die auch Berufsbörsen an Schulen besuchen – standen der Jugend Rede und Antwort. Luisa Sommer (15) vom Gymnasium Calvarienberg wollte beispielsweise genau wissen, wie es nach dem Abitur mit dem dreijährigen Studium an der Polizeischule Lahnstein aussieht. „Die Bewerbungszahlen gehen massiv zurück, wir brauchen dringend Nachwuchs“, so die Hauptkommissarin. Nachdem sie den Mädchen ihre Einsatzmittel wie Weste und Handschellen, aber auch einen Streifenwagen und die Gefängniszelle gezeigt hatten, berichteten die Beamten aus ihrem Alltag. „Wir erleben schöne Dinge wie zum Beispiel das unversehrte Auffinden eines vermissten Kindes, aber auch schlimme Dinge wie Suizide oder Tötungsfälle. Der Blick durch eine rosarote Brille nutzt hier nichts, mitbringen muss man neben Sportlichkeit und Teamgeist eben auch ein dickes Fell“, so Mausberg-Henriques.

„Mint“ steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, könnte aber am Rhein Ahr Campus in Remagen beim Girls' Day auch „Mädchen in Traumberufen“ heißen. 35 Schülerinnen folgten ihren Mentoren in die Labore und Räume zu Workshops und Präsentationen. Professor Peter Kohns bastelte mit ihnen zum Beispiel das „Null-Euro-Spektroskop“, um eine Brücke zum Studiengang Lasertechnik zu bauen. Auch wenn Melina ihren Pulli mit der Aufschrift „Allergic to mornings“ trug, freute sie sich über einen Namens-Schlüsselanhänger, den sie mit dem Laserplotter gefertigt hatte.

„Was den jungen Frauen an Kraft fehlt, machen sie mit dem Kopf wett“, ist sich Maik Rönnefarth von der Dernauer Schreinerei „Die Holzwürmer“ sicher, dass Mädels im Handwerk auch mit Blick auf den Fachkräftemangel wichtig sind: „Wenn wir eine Schreinerin ausgebildet haben, schloss sie immer als Beste ab.“ Sein Azubi Tobias Peters nahm sich am Girls' Day drei Schülern an. Sie erfuhren, was eine japanische Säge ist und leimten mit Peters eine Kiste, die sie als Geschenk mitnehmen durften. „Ich habe zu Hause schon ein Snowboard gebaut, der Beruf könnte echt was für mich sein“, fand Katharina Heinzelmann (14). „Ich finde toll, dass auch das Programmieren von modernen Maschinen dazugehört“, bilanzierte Emil Rauser (13).