Ramersbach

Alternative über Eifelturm bereitet den Bürgern Verdruss

Der Eifelturm hat die Erwartungen nicht erfüllt.

RAMERSBACH. Wenn die 650 Einwohner von Ramersbach für jedes gute Wort über Vodafone ein Glas Wein trinken müssten, der Höhenstadtteil von Bad Neuenahr-Ahrweiler wäre ein Dorf von Abstinenzlern. Internet, Handy- und Telefonempfang waren Knackpunkte der Ortsbeiratssitzung am Mittwochabend in der alten Schule.

Vor gut 40 Zuhörern stellte Ortsvorsteher Fritz Langenhorst per Sitzungsunterbrechung Öffentlichkeit her. Denn Informationen aus dem ganzen Dorf sollten gesammelt werden. Da hagelte es Kritik wegen toter Leitungen, vor allem aber über die "Ausreden, die dem Anbieter nicht ausgehen".

Dabei sollte noch vor gut zwei Jahren alles gut werden. Vodafone baute einen Funkmast am Ortsrand. Der sogenannte Eifelturm sollte erstens die Sicherheit von Waldarbeitern und Waldspaziergängern durch Handyempfang in den Funklöchern der Eifel garantieren und zweitens dafür sorgen, dass in Ramersbach Internet und Handy funktionieren.

Fast euphorisch wechselten damals Unternehmen und Bürger den Anbieter. Das Ergebnis fasste Langenhorst zusammen: "Von den 730 Tagen, die ich bei denen am Netz bin, waren 300 Tage Totalausfall." Zahlen, die auch Thomas Spitz als Wirtschaftsförderer der Stadt im Ortsbeirat hörte.

Und Langenhorst sprach den Bürgern aus der Seele, als er schimpfte: "Ich muss Unterlagen aus dem Rathaus per Boten bekommen, weil das Internet sich mal wieder aufhängt. Das ist Mittelalter." Äußerungen der Zuhörer fielen deutlich drastischer und böser aus.

Für Vodafone hatte Bettina Kröckel zur "Mobilfunkanlage A607 FX_8J2 Ramersbach" schriftlich erklären lassen, "dass wir den Unmut unserer Kundinnen und Kunden in Ramersbach über die leider nicht enden wollenden Probleme durchaus verstehen". Vodafone bestätigt, dass die Notfallversorgung im Wald nicht gefährdet sei, die Ausfälle auf fehlerhafte von dem Konzern eingekaufte Billig-Software zurückzuführen sei.

Das hilft den Ramersbachern wenig. Sie suchen nach Alternativen, spricht Festnetz. Eine eigene Leitung extra für Ramersbach war seinerzeit an den Kosten von 120 000 Euro gescheitert. Doch Bürger und Ortsbeirat zeigen zwei mögliche Lösungen auf. Erstens ein Durchschießen der neuen Wasserleitung von Königsfeld aus mit Glasfaserkabel und zweitens ein Anschluss an das Netz von Enexio, die ein Kabel parallel zur Eifel-Erdöl-Pipeline haben.

Da könnte an der Pumpstation 800 Meter unterhalb des Dorfes ein Kabel abgezweigt werden. Einstimmigkeit im Ortsbeirat gab es dazu, die Stadt zu bitten, beide Möglichkeiten zu prüfen.

Außerdem wird der Unmut der Ramersbacher der Stadt schriftlich mitgeteilt, denn sie pochen auf ihr Recht auf Grundversorgung. Langenhorst: "Es kann nicht sein, dass zuzugswillige Familien und Unternehmen uns absagen, weil wir kein anständiges Internet haben."