Aktiengesellschaft Bad Neuenahr

Aktien-Buchwert war bereits 2015 komplett abgeschrieben

Da der „Bademantelgang“ mit seinen erheblichen baulichen Risiken nicht mehr betrieben werden soll, bleibt nur der Rückbau. Die Folge: Landeszuschüsse müssen zurückgezahlt werden.

Da der „Bademantelgang“ mit seinen erheblichen baulichen Risiken nicht mehr betrieben werden soll, bleibt nur der Rückbau. Die Folge: Landeszuschüsse müssen zurückgezahlt werden.

BAD NEUENAHR. Nachdem bekannt ist, Investoren die Aktiengesellschaft Bad Neuenahr (AGBN) übernehmen wollen, steht nun fest, dass das Kapital der Stadt durch das Insolvenzverfahrens der Aktiengesellschaft Bad Neuenahr (AGBN) nicht nachteilig berührt ist.

Zwei Jahre lang hat man miteinander verhandelt, ehe das Geschäft unter Dach und Fach war: Wie berichtet, wird die Aktiengesellschaft Bad Neuenahr (AGBN) von Hans-Joachim Brogsitter und weiteren Investoren übernommen. Eine Zustimmung durch die Gläubigerversammlung und das Insolvenzgericht gilt als sicher. Bereits im Frühjahr 2016 vermeldete der General-Anzeiger Brogsitters Interesse an den Immobilien der früheren „Kur AG“.

Die Übernahmeverhandlungen gestalteten sich jedoch äußerst schwierig und langwierig, wie der Koblenzer Rechtsanwalt und Insolvenzverwalter Jens Lieser im Gespräch mit dem GA bestätigte. Auf Wunsch des Investor spricht Lieser stets von einem „regionalen Unternehmer“, wenn es um Brog-sitter geht. Der bekannte Weinhändler aus dem Ahrtal will nämlich nicht genannt werden, auch wenn dessen Name im Zusammenhang mit der AGBN-Übernahme seit Langem von den Spatzen der Bad Neuenahrer Dächer gepfiffen wird.

Wie Lieser auf GA-Anfrage bestätigte, zogen sich die Verhandlungen nicht zuletzt wegen des hohen Investitions- und Sanierungsbedarfs der Immobilien hin, die zur Disposition standen. Im Steigenberger Hotel stünden Modernisierungsmaßnahmen an, im Kurhauskeller müsse die Technik verbessert, der Brandschutz in der Versammlungsstätte gewährleistet werden.

Schlussendlich galt es, für die Gläubiger der Aktiengesellschaft eine höchstmögliche Quote für ihre Forderungen herauszuholen. Dem standen einige Hürden im Wege. Beispielsweise der „Bademantelgang“. Da weder Investoren noch sonstige Dritte den sogenannten „Bademantelgang“ betreiben wollen, bleibt nach Liesers Einschätzung keine andere Wahl, als den unterirdischen Verbindungstunnel zwischen ThermalBadehaus und Ahr-Thermen zurückzubauen.

Hierfür müssen erhebliche Rückstellungen gebildet werden. Zudem müssen Rückzahlungen für gewährte Zuschüsse an das Land erfolgen (der GA berichtete). Das Land hatte den Tunnel bekanntlich mit etwa 2,3 Millionen Euro subventioniert. „Die für den Rückbau sowie für die Rückerstattung an das Land anfallenden Gesamtkosten belasten die Masse erheblich“, erklärte Lieser.

Aktionäre müssen kompletten finanziellen Verlust hinnehmen

„Wir sind guten Mutes, hier jetzt einen Partner zu erhalten, der für eine dauerhafte und nachhaltig wirtschaftliche Nutzung der Gebäude steht – und auf den man sich bei weiteren Planungen verlassen kann“, teilte die Stadt am Abend mit. Zudem bestehe jetzt die große Chance, dass die dortigen Mieter, die den Status des Heilbades Bad Neuenahr mitprägten, langfristig gebunden würden. „Es ergeben sich gute Aussichten, die bestehenden Gebäudeensembles über das Fortbestehen ihrer Funktion hinaus auch für nachkommende Generationen zu bewahren“, so die Stadt.

Es dürfe jedoch nicht außer Acht gelassen werden, dass die Aktionäre einen kompletten finanziellen Verlust hinnehmen müssten. Dies gelte auch für die Stadt, deren Beteiligung strukturpolitisch begründet gewesen sei. Mit einer Ausschüttung an Aktionäre sei seit Beginn des Insolvenzverfahrens – auch für die Stadt – nicht mehr zu rechnen gewesen.

Rund 40 000 Aktien hatte die AGBN ausgegeben, etwa 10 950 hielt die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler. Im Mittel der vergangenen zehn Jahre wurde die Aktie mit rund 200 Euro gehandelt. Der Buchwert der Aktien der AGBN im Anlagevermögen der städtischen Bilanz betrug zum Ende 2013 exakt 559 566,72 Euro. Das entsprach 0,4 Prozent des städtischen Eigenkapitals. „Auf diesen Wert haben wir im Rahmen des Jahresabschlusses 2014 eine pauschale Wertberichtigung in Höhe von 50 Prozent vorgenommen, da zu dem Zeitpunkt das Insolvenzverfahren bereits eröffnet war, der Insolvenzverwalter aber noch eine Restverteilung an die Aktionäre für möglich erachtete“, so die Stadt auf Anfrage des GA. Der Buchwert habe dann Ende 2014 noch 279 783,36 Euro betragen.

Dieser restliche Betrag sei im Jahresabschluss 2015 komplett abgeschrieben worden, da die Ursprungsprognose des Insolvenzverwalters nicht eintrat. Der Buchwert der Aktienbeteiligung belaufe sich seither auf null Euro.

Somit ergäben sich für die Stadt oder ihr Eigenkapital keine negativen finanziellen Konsequenzen.