Der achte Band der "Quellen"

Ahrweilers Geschichte auf 832 Seiten

AHRWEILER. Was wäre das heute für ein Skandal: Der Stadtrat Ahrweilers nutzte seine Sitzungen, um buchstäblich in Saus und Braus zu leben, verzehrt dabei Unmengen Wein und weitere Speisen und Getränke. So soll es wohl gewesen sein vor rund 300 Jahren.

Das berichtete Heimatforscher Hans-Georg Klein in der ehemaligen Ahrweiler Synagoge, wo er den inzwischen achten Band der "Quellen zur Geschichte der Stadt Ahrweiler" präsentierte. Auf 832 Seiten hat sich der umtriebige Geschichtsforscher dieses Mal mit den Baumeisterrechnungen der Stadt Ahrweiler aus den Jahren 1695 bis 1777 befasst. Was sich wie ein trockenes Thema der Finanzverwaltung anhört, ist in der Tat etwas ganz anderes, wie Klein betonte: "Diese Rechnungen geben tiefe Einblicke in das wirtschaftliche und soziale Leben unserer Stadt."

Dem immer für ein Jahr gewählten Baumeister kam in etwa die heutige Rolle eines Stadtkämmerers zu. Trotz zahlreicher wirtschaftlicher Vorteile sei es ein "verdrießliches Amt" gewesen, von dem sich gut situierte Kandidaten oftmals freikauften, berichtete Klein. Denn der Baumeister musste unter anderem den Simpel eintreiben, also eine Landessteuer. "Und Steuern hat man damals ebenso ungern gezahlt, wie heute", so Klein.

Auf der Lohnliste stehen17 städtische Angestellte

Der Blick in die Rechnungen und Belege verriet indes vieles über das Leben in Ahrweiler wenige Jahre nach dem großen Brand von 1689. 17 städtische Angestellte standen damals auf der Lohnliste, die den größten Ausgabeposten darstellten. Aber die Belege der Stadt enthielten beileibe nicht alle Zahlungen. So bekam der Schulmeister im Jahr 26 Gulden und eine Fuhre Holz von der Stadt. Das waren aber gerade einmal knapp acht Prozent seiner Einkünfte, er bezog aus zahlreichen weiteren Quellen, die Klein als "Komplementärkassen" bezeichnete, Gelder und Sachleistungen. So sah es in vielen Bereichen aus. Klein brachte noch einige Beispiele, die das Publikum in der Synagoge gleichermaßen verwunderten wie belustigten.

Mit dem gewählten Baumeister war übrigens 1790 Schluss, als der damalige Kandidat Heinrich Krupp gegen seine Kandidatur klagte. In diesem Prozess entschied der Bonner Hofrat nicht nur die Beauftragung städtischer Bediensteter mit der Finanzverwaltung, er entsandte auch einen Prüfer der Ahrweiler Finanzen. Der stellte in der Buchhaltung nichts als ein heilloses Durcheinander fest, das kaum zu ordnen war. Immerhin brachte die Prüfung besagten hohen Weinkonsum des Rates der Stadt anlässlich seiner Sitzungen und einer Vielzahl von Veranstaltungen über Jahr zutage. Zudem wurde festgestellt, dass Ahrweiler damals in durchschnittlich drei von vier Jahren seine Finanzen mit einem Plus abschließen konnte. Nur landete dieser Überschuss nicht im Stadtsäckel - aber mit diesem Thema wird sich Hans-Georg Klein im neunten seiner Quellen beschäftigen.

Mitfinanziert wurde die Erstellung des achten Bandes, der zum Preis von 24 Euro in der Buchhandlung am Ahrtor erhältlich ist, vom herausgebenden Heimatverein "Alt-Ahrweiler", der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler, Kreissparkasse Ahrweiler und Volksbank Rhein-Ahr-Eifel. Der Vorsitzende des Heimatvereins Alt-Ahrweiler, Wilbert Herschbach, der Kreisbeigeordnete Horst Gies und der Beigeordnete der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler, Hans-Jürgen Juchem, dankten Hans-Georg Klein für dessen unermüdliche Tätigkeit als Heimathistoriker. Die erschienenen acht Bände füllen zusammen mittlerweile mehr als 6 000 Seiten und sind rund zwölf Kilogramm schwer. Rund 60 Gäste waren zur Vorstellung des neuen Bandes gekommen. Die ersten Ausgaben fanden schnell neue Besitzer.