Kurpark Bad Neuenahr

Ahrweiler will Kurparkbauten in Eigenregie errichten

Die Stadt bleibt dabei: Die Konzerthalle wird abgerissen, die Orchestermuschel (rechts) bleibt erhalten.

Die Stadt bleibt dabei: Die Konzerthalle wird abgerissen, die Orchestermuschel (rechts) bleibt erhalten.

Bad Neuenahr. Die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler bleibt dabei: Die Konzerthalle am Kurpark wird abgerissen, die sogenannte Orchestermuschel hingegen bleibt erhalten. Neben einer neuen Konzerthalle sollen ein Lesesaal, eine Trinkhalle und eine neue Tourist-Info entstehen.

Die Neugestaltung der Kurparkanlagen in Bad Neuenahr scheidet die Geister. Ginge es nach der Bürgerinitiative „Lebenswerte Stadt“, würden die bestehenden Bauten zumindest teilweise saniert. Dafür führt die Truppe um Markus Hartmann Architekten, Denkmalschützer und Kunsthistoriker ins Gefecht. Und sah ganz kurz einen Silberstreif am Horizont.

Denn der einzige Investor, der sich dem europaweit ausgeschriebenen wettbewerblichen Dialog gestellt hatte, die Aktiengesellschaft Bad Neuenahr, hatte zu Jahresanfang ihren Hut wieder aus dem Ring geholt. Grund: Die AG hätte mit Kurhaus und Thermal-Badehaus genug Baustellen.

Folglich ist jetzt die Stadt am Zug und die Initiative hoffte, dass die Karten neu gemischt würden und sich die Stadt auch aus Kostengründen auf die bislang abgelehnte Sanierung einlassen würde. Das sagte Hartmann am Dienstag.

Konzertmuschel unter Denkmalschutz

Der Konter kam prompt aus dem Rathaus. Denn für Bürgermeister Guido Orthen sind die Karten bereits ausgeteilt. Und das seit langem. „Wir haben eine denkmalrechtliche Abrissgenehmigung und werden davon Gebrauch machen“, sagte Orthen im Gespräch mit dem General-Anzeiger. Ausgenommen ist die drehbare Konzertmuschel, denn diese steht unter Denkmalschutz.

Nach dem Weggang des potenziellen Investors habe der Stadtrat in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen: „Wir machen weiter.“ So seien in der Sitzung vom 28. Januar beide Entwürfe, die von der AG Bad Neuenahr in Auftrag gegeben wurden, dem Rat vorgestellt worden, und dieser beauftragte die Verwaltung, das Projekt in Eigenregie auf Basis der Pläne weiterzubetreiben. „Was nicht heißt, dass wir alles zwingend umsetzen werden“, machte Orthen klar. Und ob das bis zur Landesgartenschau 2022 klappt, sei auch eine Frage der Finanzierung.

„Wir haben seit dem ersten Interessenbekundungsverfahren 2013 viel Zeit durch denkmalrechtliche Fragen verloren“, sagte Orthen. „Jetzt sind wir an einem Punkt, an dem wir wissen, was wir wollen. Wir wissen aber nicht, ob das noch vor der Landesgartenschau umsetzbar ist.“ Das, was entstehen soll, soll an die Bauhausarchitektur erinnern und auf die ursprüngliche Gestaltung zurückgehen. So sei die Glasfassade der Konzerthalle früher nicht so gewesen wie sie sich heute darstelle. „Das war alles filigraner“, so Orthen. Bauten neben der neuen Konzerthalle sollen ein Lesesaal, Trinkhalle und die Tourist-Info sein. Sollte es sich wirtschaftlich darstellen lassen, komme auch ein Gastronomiebetrieb an die Kurgartenbrücke. Das alte Kurpark-Café, das in der ersten Planung einem Hotel weichen sollte, bleibe erhalten.

Finanzierbarkeit entscheidet über Abriss

Bei allem stelle sich für die Stadt die Frage der Finanzierbarkeit. Die Bürgerinitiative hatte am Dienstag 25 Millionen Euro ins Spiel gebracht, was der Bürgermeister nicht kommentierte. Orthen machte klar: „Wenn keine seriöse Finanzierung dargestellt werden kann, wird von der Abrissgenehmigung Gebrauch gemacht.“

Soll heißen: Im Fall der Fälle greift „Plan B“ und die Gartenschaubesucher sehen statt der Neubauten nicht die bisherigen Anlagen nebst der Kolonnaden, sondern temporär für die Durchführung der Landesgartenschau errichtete Gebäude und eine gärtnerisch gestaltete Fläche. Denn die Stadt schließt eine Sanierung aus. Guido Orthen: „Wir berufen uns dabei auf die Statiker und Gutachter. Das Gegenteil halten nur Professoren für möglich, die hier kurz einfliegen.“