Artenvielfalt im Kreis

Ahrweiler unterstützt Bauern, Winzer und Gemeinden

Vorbild Remagen: An der Schwarzen Madonna hat das Netzwerk Artenvielfalt bereits eine Wildblumenwiese geschaffen.

Vorbild Remagen: An der Schwarzen Madonna hat das Netzwerk Artenvielfalt bereits eine Wildblumenwiese geschaffen.

KREIS AHRWEILER. Der Kreis Ahrweiler unterstützt Bauern, Winzer und Gemeinden bei Projekten zur biologischen Vielfalt. Biene, Schmetterling und Co. sollen davon profitieren.

„Ab jetzt sind wir bienenfreundlich“, freute sich Landrat Jürgen Pföhler, denn der Kreistag beschloss in seiner jüngsten Sitzung einstimmig das Projekt „Artenreiche Wiese – Lebensraum für Biene, Schmetterling & Co.“, das auf einen Antrag der CDU-Fraktion zurückgeht. Damit unterstützt der Kreis Landwirte, Winzer, Gemeinden und Vereine finanziell, die biologische Vielfalt und regionstypische Blühflächen in der heimischen Landschaft ermöglichen wollen.

„Mit dem Projekt wollen wir einen kreisweiten Prozess anstoßen, der auf Nachhaltigkeit ausgelegt ist“, sagte der Landrat. Der Einsatz für Insekten und biologische Vielfalt sei enorm wichtig, zumal laut aktuellen Forschungen bei 45 Prozent der deutschen Insektenarten der Bestand rückläufig sei. „Diese Zahlen sind alarmierend“, so Pföhler vor dem Kreistag.

Doch das Problem werde jetzt auch in der Kommunalpolitik angepackt, erläuterte CDU-Sprecher Michael Schneider. Damit wolle man einen Teil der natürlichen Lebensgrundlage sichern, und besonders die Landwirtschaft könne von dem Förderprogramm profitieren. „Höchste Zeit, das Thema hervorzubringen“, fand auch Mathias Heeb (Grüne) und ergänzte, es gebe noch viel zu tun. Dabei müsse man allerdings auch den Flächenverbrauch im Blick behalten und diesen so gestalten, dass auch die Natur noch eine Chance habe. SPD-Sprecher Christoph Schmitt lobte ebenfalls das „gute und absolut notwendige Konzept“, mit dem der Kreis seiner Vorbildrolle gerecht werde. Darüber hinaus könne man damit auch ganze Berufsgruppen und Teile der Gesellschaft wieder miteinander versöhnen, sah Christina Steinhausen (FDP) das Förderprojekt auch als gesellschaftspolitische Chance.

Das neue Förderprogramm „Artenreiche Wiese“ tritt am 1. Januar in Kraft und unterstützt Landwirte und Winzer, die bienen- und insektenfreundliche Flächen anlegen möchten.

Es gilt für bisher grünland- und kräuterarme Bereiche: Acker und Ackerbrachen sowie Unterwuchs im Obst- und Weinbau. Angesprochen sind alle Vollerwerbs-, Nebenerwerbs- und Hobbylandwirte ab einer Betriebsgröße von einem Hektar. Gefördert werden soll die Einsaat von artenreichen Wildblumenmischungen.

Der Kreiszuschuss soll 100 Prozent der Kosten für entsprechendes Saatgut und bis zu 600 Euro pro Hektar betragen, zuzüglich einer Aufwandsentschädigung in Höhe von 100 Euro pro Hektar. Die Höchstfördersumme beträgt 1000 Euro. Insgesamt sollen dafür 50 000 Euro im Haushalt 2019 bereitgestellt werden.

Zudem beschloss der Kreistag, die Förderrichtlinien der bereits existierenden Förderprogramme in den Bereichen „Ehrenamt, Vereinswesen und Sport“ sowie „Ländlicher Raum“ zu ändern, damit künftig die Anschaffung von bienen- und insektenfreundlichem Saatgut sowie hochstämmiger Obstbäume für Streuobstwiesen zu 100 Prozent mit bis zu 1000 Euro gefördert werden können. Imkervereine erhalten beispielsweise einen Zuschuss von 25 Prozent bei der Anschaffung von Bienenstöcken, Ausrüstungsgegenständen und Königinnen, maximal 1000 Euro. Mit dem Projekt „Artenreiche Wiese“ will der Kreis nachhaltig zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen. Viele leisten bereits lokal Beiträge zur Verbesserung der Lebensbedingungen der heimischen Tier- und Pflanzenarten. Neu ist dagegen das jetzt beschlossene kreisweite Aktions- und Förderprogramm. Es setzt neben den Fördermöglichkeiten auch auf Sensibilisierung, Information und Aufklärung zum Thema Insektensterben.

„Das Projekt gibt dem abstrakten Begriff Nachhaltigkeit ein konkretes und vor allem attraktives Gesicht. Denn artenreiche Wiesen sind gut für die Natur und fürs Auge“, erklärte Pföhler. Leider können sich die Natur nicht auf Knopfdruck umstellen und brauche Zeit, deshalb sei das Projekt auf Nachhaltigkeit und Dauerhaftigkeit ausgerichtet.