50 Jahre Bad Neuenahr-Ahrweiler

Ahrweiler Schützen treten zum Großen Zapfenstreich an

Dank beim Patronatsfest der Schützen: (von links) Peter Diewald, Dieter Zimmermann, Hans-Fuhs und Jürgen Knieps.

Dank beim Patronatsfest der Schützen: (von links) Peter Diewald, Dieter Zimmermann, Hans-Fuhs und Jürgen Knieps.

AHRWEILER. Zum Goldjubiläum der Bindestrich-Stadt treten die Ahrweiler Schützen im Kurpark von Bad Neuenahr zum Großen Zapfenstreich an. Warum sich Ahrweiler und Bad Neuenahr nicht immer grün sind, hat viele Gründe.

816 Jahre sind die Ahrweiler Bürgerschützen alt. Vor 1126 Jahren wurde Ahrweiler erstmals erwähnt. Gerade einmal 50 Jahre alt ist Bad Neuenahr-Ahrweiler. Aber genau dieses Goldjubiläum beschäftigte die Schützen bei ihrem Sebastianus-Patronatsfest. Denn Bürgerschützen, Junggesellen-Schützen und Aloisius-Jugend aus der alten Rotweinmetropole sollen anlässlich der Feiern zum Jubiläum der Bindestrich-Stadt am Juni im Bad Neuenahrer Kurpark zum Großen Zapfenstreich aufmarschieren. Und damit auch möglichst viele Schützen dem Marschbefehl Richtung Kurstadt folgen, wurde im Helmut-Gies-Bürgerzentrum kräftig die Werbetrommel gerührt.

Dass dies nicht mit der Betonung der Gemeinsamkeiten geht, war den Rednern klar. Hauptmann Jürgen Knieps betonte daher schon in seiner Begrüßung, dass rund ein Drittel der mittlerweile 717 Ahrweiler Bürgerschützen außerhalb Ahrweilers leben. Und die Junggesellen-Schützen haben derzeit eine Majestät aus Hemmessen, berichtete deren Hauptmann Lukas Knieps in seinem Grußwort und fügte hinzu: „Mehr Integration geht nicht.“

Die Historie erklärt angespanntes Verhältnis

Warum sich Ahrweiler und Bad Neuenahr nicht grün sind, hat viele Gründe. Diese machten die beiden Heimathistoriker Hans-Georg Klein und Hubert Rieck in ihrem gemeinsamen Festvortrag klar. Thema: „Die Schützen und die Jeulschen – Der Versuch einer Bestandsaufnahme.“ Die Diskrepanzen sind dabei längst nicht nur in den vergangenen 50 Jahren zu suchen, Klein und Rieck gingen bei ihrer Analyse bis ins 13. Jahrhundert zurück. Sie betonten die über Jahrhunderte andauernden Unterschiede der stolzen Stadt Ahrweiler und der drei Dörfer Wadenheim, Beul und Hemmessen, denen ausgerechnet ein Ahrweiler mit der Entdeckung und Vermarktung der Quellen zu Ruhm und Wohlstand verhalf.

Die Fehden aber waren schon im Mittelalter Tagesgeschäft. Die Ahrweiler Schützen zerstörten die Burg Neuenahr. Die Grenzpfähle zwischen beiden Orten verschwanden immer wieder oder wurden versetzt und der Streit eskalierte mehr und mehr. Der Stachel saß tief und so war es auch nicht verwunderlich, dass sich die Gerichte immer wieder mit Land- und Viehraub beschäftigen mussten.

Bei Gebietsreform gab es viel Trickserei

So richtig aber legte Landrat Jürgen Pföhler den Finger in die Wunde, als er die negativen Höhepunkte der mit einer Gebietsreform verbundenen Zusammenlegung von Ahrweiler und Bad Neuenahr amüsant ans Tageslicht brachte. Pföhler sprach von einer Reform mit Ach und Krach und viel Trickserei, vom Namen Ahrweiler-Bad Neuenahr, den der damalige Ministerpräsident Helmut Kohl versprach und gegen den die Neuenahrer erfolgreich Sturm liefen. Pföhler erinnerte an den Streit um weiß-rote oder rot-goldene Bändchen an Erinnerungsmedaillen zum Diözesan-Schützenfest 1985 und an den Ahrweiler Fahnenstreit, wobei er explizit die damaligen Rollen des heutigen Schützenkönigs Peter Diewald und dessen Vorgängers Willi Busch erläuterte.

Die weiteren Festredner hielten sich aus den Beziehungs-Streitigkeiten heraus. König Peter Diewald plädierte für mehr persönlichen Gespräche statt der Verlegung des eigenen Wohnzimmers ins Internet. Präses Jörg Meyrer regte an, die anstehenden Jubiläen tatkräftig zu feiern, um sich wieder einmal zu begegnen. Bürgermeister Guido Orthen dankte allen Ahrweiler Schützen schon im Vorfeld für ihren Auftritt am 2. Juni und die stellvertretende Ahrweiler Ortsvorsteherin Monika Busch bezeichnete die Schützen als einen der großen Integrationsfaktoren der Stadt. Hauptmann Jürgen Knieps sprach schließlich Hans Fuhs den Dank der Gesellschaft für dessen 18-jährigen Einsatz um die Bewirtschaften der Schützenweine aus, von denen beim Patronatsfest wieder reichlich flossen.