Ahrweiler Freiheitswochen

Ahrweiler Freiheitspreis für Günther Oettinger

Für seinen Einsatz für Europa nimmt Günther H. Oettinger (r.) die bronzene Schale, den Freiheiterpreis, im Bunkermuseum entgegen. FOTO: GAUSMANN

Für seinen Einsatz für Europa nimmt Günther H. Oettinger (r.) die bronzene Schale, den Freiheiterpreis, im Bunkermuseum entgegen. FOTO: GAUSMANN

AHRWEILER. Der EU-Kommissar Günther H. Oettinger nimmt in der Dokumentationsstätte Regierungsbunker den Ahrweiler Freiheiterpreis entgegen.

Günther H. Oettinger, der einzige deutsche EU-Kommissar, bewies in der Ahrweiler Dokumentationsstätte Regierungsbunker Fingerspitzengefühl. Er brachte den Freiheiterpreis, die bronzene Klangschale mit der Friedenstaube und den Konturen Ahrweilers – balancierend auf drei Fingern – zum Klingen. Der 65-jährige „Europabürger“, der nach zehn Jahren die Brüsseler Behörde verlassen wird, wurde durch den Vorsitzenden der Ahrweiler Freiheiter, Horst Gies, anlässlich der vierten Freiheitswochen unter dem Motto „Zukunft Europa“ ausgezeichnet. „Sie gestalten an vorderster Front Europa mit“, so Gies.

Der ehemalige Ministerpräsident Baden-Württembergs reiht sich damit hinter Hans-Dietrich Genscher, Karl Kardinal Lehmann und Celia Sasic, die zweimal Deutschlands Fußballerin des Jahres war, ein. Exakt acht Tage alt war die Zusage Oettingers, der wegen Brexit und Europawahl einen prallvollen Terminkalender hat. „Wir waren seit November an ihm dran“, so Gies, der am Ende dankbar war für die Hartnäckigkeit von Projektleiter Wolfgang Grambs. Vermittelt hatte den Kontakt der Europa-Abgeordnete Werner Langen. Sichtlich beeindruckt war Oettinger nicht nur von dem Preis – ein vom Nierendorfer Künstler Friedhelm Pankowski geschaffenes Unikat: „Er wird bis zum Ende meines Mandats einen Platz in meinem Büro bekommen.“

Begeistert war er ebenso vom Museum des Kalten Krieges, einem Bunker, der zu einem Ort des Friedens geworden sei. Auch wenn die Führung mit Museumsleiterin Heike Hollunder durch die 200-Meter-Röhre am Ende nur zehn Minuten dauerte, bis der mit dem Pkw aus Stuttgart angereiste Preisträger wieder weiter musste: „Sie haben hier eine Stätte, die Zeitgeschichte verkörpert. 900 000 Besucher in zehn Jahren, das imponiert mir. Was Sie hier mit den Ahrweiler Freiheitswochen tun, das passt hervorragend in die Zeit, in der jeder einzelne und die gesamte Gesellschaft für Frieden, Freiheit, Tolerant, Dialog und Begegnung kämpfen müssen.“

Mit Werten wie soziale Marktwirtschaft, Rechtsstaatlichkeit oder Presse-, Meinungs- und Religionsfreiheit sei man lange erfolgreich unterwegs gewesen. Dem stünde nun eine wachsende Unordnung durch Rassismus, Terrorismus, Islamismus, Vertreibung und Autokraten in Ankara, Moskau und im Weißen Haus gegenüber.

Mit Musik hatte Stephan Maria Glöckner den Gästen die Wartezeit auf den im Stau stehenden EU-Kommissar verkürzt: „32 Jahre alt, aktuell wie nie, man muss nur die Namen austauschen“ – mit den Worten brachte er den Sting-Song „Russians“ zu Gehör. Als Vertreter der Stadt – Oettinger schrieb sich am Ende noch ins Goldene Buch und ins Bunker-Gästebuch ein – übertrug der Erste Beigeordnete Peter Diewald das Motto der EU, „In Vielfalt geeint“ auf die vor 50 Jahren „zwangsverheiratete“ Stadt.

Was er von den Schüler-Demos „Fridays for Future“ halte, fragte ein Gast den Mann, der privat zahlreiche Projekte für Kinder und Jugendliche unterstützt. Oettinger: „Ich finde es konsequent, dass sie für den Klimawandel auf die Straße gehen. Besser fände ich es, wenn sie es in der Freizeit machten. Denn Bildung ist wichtig. Sollte das Engagement über Jahre gehen, fehlt auf Dauer ein Schultag, sprich auch Kompetenz der Jugend.“

Selbstverständlich nahm der Mann, der mit dem Trollinger vertraut ist, die besten Spätburgunder der Ahr mit, die ihm unter anderem Hans Georg Klein vom Heimatverein Alt Ahrweiler als Betreiber des Bunkermuseums überreichte.