Kooperation Bunkermuseum

Ahrweiler Bunker inspiriert die Dänen

Ahrweiler. Experten aus Dänemark hatten sich vor fünf Jahren an der Ahr Anregungen für das geplante Museum Regan Vest geholt - ein Bunkermuseum, ähnlich dem in Ahrweiler. 2020 soll es eröffnet werden.

Die Ahrweiler Museumsleiterin Heike Hollunder besuchte jetzt ihre Kolleginnen in Nordjütland und nahm das Projekt in Augenschein.Versteckt im nordjütländischen Wald, im Rold Skov bei Rebild, liegt Regan Vest, der zwischen 1963 und 1968 entstandene Regierungs- und Königshaus-Atombunker Dänemarks. Im Falle eines Ausbruchs des dritten Weltkrieges sollten dort das dänische Königshaus, die Regierung und weitere Personen der Zentralverwaltung, die sich im 400 Kilometer entfernten Kopenhagen befanden, Unterschlupf finden.

Seit 2013 gibt es nun auch im hohen Norden Pläne, die Anlage in ein Museum umzuwandeln, das 2020 eröffnet werden soll. Vor fünf Jahren besuchte Ulla Varnke Egeskov, Museumsinspektorin im Historischen Museum Nordjütland, die Ahrweiler Dokumentationsstätte, um sich mithilfe von Museumsleiterin Heike Hollunder ein Bild von der Ahrweiler Anlage, der Vermittlungsarbeit und Organisation zu machen.

Seitdem stehen die beiden Frauen in engem Kontakt und bei Hollunder reifte der Entschluss, nach Dänemark zu reisen. „Ich wusste durch den Austausch mit den dänischen Kollegen und den Infos aus dem Internet, dass es sich um eine ganz besondere Anlage handelt. Sowohl in Architektur als auch im Design. Darüber hinaus ist der Bunker vollständig erhalten und für die Öffentlichkeit noch nicht zugänglich. Alles Gründe, eine Besichtigung endlich anzugehen“, so Hollunder im GA-Gespräch.

Typisch dänische Architektur

Mit Kollegin Anne Theiss, die im Bunkerbüro arbeitet und auch Führungen macht, trat sie die 900-Kilometer-Reise an und wurde von Egeskov und Bodil Frandsen im vorgelagerten Wohnhaus, das eigens zu Tarnzwecken errichtet wurde, erwartet. „Hier lebte der Maschinenmeister mit seiner Familie. Er war für die Technik zuständig“, erläuterte Frandsen beim Rundgang. Es gab direkten Sprechfunkkontakt in den Bunker und auch einen Alarmknopf, der sofort mit der Polizei verband. „Das Haus wollen wir erhalten und typische dänische Architektur der 1960er Jahre zeigen, denn hier ist alles unverändert geblieben“, berichtete Egeskov auf Englisch.

„Wir stellen uns auf rund 45 000 Besucher im Jahr ein. Die Gruppen werden 15 Personen umfassen und wir rechnen mit langen Wartezeiten, sodass wir den Leuten vorab etwas bieten müssen. Denn hier gibt es ja sonst nichts außer Wald“, hatte Frandsen lachend den beiden Kolleginnen aus Ahrweiler erklärt. Auch ein zusätzliches Empfangsgebäude für Wechselausstellungen von 400 Quadratmetern und ein Besucherparkplatz sollen noch entstehen. Die Bauarbeiten sind in vielerlei Hinsicht kompliziert, weil sie in die Natur des Umlandes eingreifen müssen. Regan Vest befindet sich in einem Naturschutzgebiet, es gibt fünf Arten seltener Fledermäuse und weder Wege noch Zufahrtsstraßen oder Parkplätze. Innerhalb des Bunkers stehen Klima- und Brandschutz, Rettungswege und Kommunikation nach draußen als Herausforderung auf dem Plan. Aus diesem Grund arbeiten die Museumsexperten mit der dänischen Notfallplanungsbehörde, dem Kulturamt, der Umweltschutzbehörde, der Stadt Rebild und einer Reihe externer Beratungsfirmen zusammen.

Ein 500 Meter langer schneeweißer Tunnel aus Kalkstein führt ins Innere der Anlage, in der beim Atomschlag 350 Personen 160 Räume zur Verfügung gestanden hätten. „Regan Vest ist eine zivile Verteidigungsanlage von 5500 Quadratmetern Ausdehnung, einer Gesamtlänge an Gängen und Tunneln von zwei Kilometern mit einer Ausstattung für autarkes Leben über Wochen. Dazu gehören unter anderem eine eigene Wasser- und Stromversorgung, ein Krankenhaus, ein Rundfunkstudio und drei Notausgänge“, beschrieb Hollunder nach ihrer Rückkehr.

Die Dänen kennen keine Hierarchie

Sprachlos waren die beiden deutschen Expertinnen, als sie einige Meter des Bunkers betreten und 60 Höhenmeter überwunden hatten: „Das Innere des dänischen Bunkers strahlt eine bunte Farbigkeit, fast schon Fröhlichkeit aus. Die Anlage besteht aus zwei doppelgeschossigen Ringbauten, die miteinander verbunden sind. Während der Nato-Übungen, die alle zwei Jahre stattfanden, haben sich die Leute da drin ständig verlaufen, weil alles so gleich aussah. Also hat man jedem Ring seine eigene Farbe gegeben, zur besseren Orientierung.“ Möbel – alles Designklassiker, die heute noch hergestellt werden –, Einrichtungsgegenstände und Installationen seien alle original und am ursprünglichen Platz, so, wie die Anlage 2003 aufgegeben wurde.

Was die Dänen nicht kennen: Hierarchieebenen. „Es gab keine Einzelzimmer für die ranghöchsten Politiker im Staat. Jeder hatte seinen Platz im Vierbettzimmer, Duschen und Toiletten befanden sich auf dem Gang. Einzig für Königin Margrethe als Staatsoberhaupt, die im Kriegsfall de jure den Oberbefehl über die Streitkräfte innegehabt hätte, de facto liegt er beim Verteidigungsminister, gab es etwas mehr Privatsphäre: ein Zweibettzimmer für die Königin und ihre Hofdame, ein kleines Büro mit Tisch und lilafarbenen Sesseln und eine eigene Dusche. In ihrer Toilette hat man einen Aschenbecher eingebaut, denn die Königin ist bis heute Kettenraucherin“, so Egeskov in ihren Erläuterungen. Die Königin wird auch zur Eröffnung eingeladen, zumal es aus einem ihrer Fonds Zuwendungen für einen Bildband über Regan Vest gibt.

Womit wir beim Thema Finanzierung sind: 2016 stellte ein gemeinnütziger Fonds 613.000 Euro zur Verfügung, von Regierungsseite kommen noch einmal für die nächsten vier Jahr jährlich 320.000 Euro hinzu, damit Regan Vest zu einer einzigartigen Attraktion für nationale und internationale Gäste werden kann. „Obwohl wir viele Gemeinsamkeiten mit dem deutschen Regierungsbunker festgestellt haben, sind Ausstattung, Einrichtung und Architektur einzigartig und haben uns sehr beeindruckt“, fasst Heike Hollunder den Besuch zusammen.

„Besonders gefreut hat mich, dass die Dänen in ihrem Forschungsprojekt einen Punkt aufgenommen haben, den ich schon vor Jahren mit ihnen besprochen hatte: die Vernetzung der Regierungsbunker aus der Zeit des Kalten Krieges europaweit. Denn die Dokumentationsstätte hat mittlerweile Kontakt zu weiteren Betreibern europäischer Regierungsbunker.“ Und so heißt es dann 2019 wieder „Auf nach Regan Vest“, wenn der Aufbau des europäischen Netzwerks mit einer internationalen Konferenz beginnt.