Ursulinen verlassen Calvarienberg

Abschied mit Großem Zapfenstreich in Ahrweiler

Mit einem Großen Zapfenstreich geht die Ära der Nonnen auf dem Calvarienberg zuende.

Mit einem Großen Zapfenstreich geht die Ära der Nonnen auf dem Calvarienberg zuende.

AHRWEILER. Wehmut und Zuversicht mischten sich bei der Feier für die Nonnen vom Calvarienberg, deren Klostertage in Ahrweiler gezählt sind.

„Tochter Zion“ durfte nicht fehlen. Das hatten sich die Ursulinen für den Großen Zapfenstreich der drei Ahrweiler Schützengesellschaften zu ihren Ehren gewünscht, und das freute viele der mehr als 500 Besucher und Akteure, die zum Abschied der Schwestern auf den Ahrweiler Calvarienberg gekommen waren. Aber der Konvent im Mutterhaus auf dem „Berg“ wird fehlen, auch wenn drei Schwestern – allerdings in einem Haus an der Walporzheimer Straße – in Ahrweiler bleiben werden. Das wurde deutlich beim Abschiedsprogramm im Kloster, zu dem kirchliche und zivile Gemeinde gemeinsam mit den Ahrweiler Schützen sowie den Schulen und dem Kindergarten des Calvarienbergs eingeladen hatten.

Dass nicht die Sonne lachte, sondern Wolken den Himmel über dem Geschehen verhangen, passte irgendwie. Viel Wehmut war zu spüren. Aber nicht Traurigkeit überwog bei der Zusammenkunft, sondern Dankbarkeit. Es habe keine persönlichen Einladungen gegeben und doch seien so viele da, um ihre „ganz persönliche Wertschätzung entgegen zu bringen für das nahezu 180-jährige Wirken der Ursulinen“, stellte Ahrweilers Ortsvorsteher Peter Diewald fest.

Bedeutung des Calvarienbergs Thema

Die Bedeutung des Calvarienbergs als Wallfahrtsort, Begegnung-, Bildungs- und Einkehrstätte war vielfach Thema. Manche dachten zurück an Schwester Clothilde Angela, die ihnen zu ihrer Kita-Zeit Einlass in den damals noch im Kloster befindlichen Kindergarten gewährt hatte auf den Ruf: „Schwester, mach’ das Törchen auf, alle Kinder warten drauf“. Auch die Besuche der jungen Schützen bei den Schwestern zur Vorstellung der neuen Schützenkönige wird mancher vermissen.

„Auf jeden Fall anders“ werde es sein auf die Klostergebäude zu blicken, in denen dann keine Ursulinen mehr beheimatet werden, fanden viele Besucher. Gertrud Hermes, die selbst einst Schülerin auf dem Calvarienberg war, erklärte etwa: „Der Geist geht, und wir geben mit der Schließung ein Stück unserer christlichen Kultur auf.“ Aber auch das Neue habe eine Chance verdient.

Vom „Abschied von einer Ära“ und einem „starken Vermächtnis“ sprach Bürgermeister Guido Orthen, aber auch von einer „Verantwortung, die die Schwestern noch in Händen halten. Denn auch mit dem Weggang bleibe die Aufgabe, das Vermächtnis selbst zu gestalten: sowohl das, was das Klostergebäude betrifft, als auch die Zukunft der Schule und des Kindergartens.“

Überfüllung der Klosterkirche

Als Nachbar vom Calvarienberg sprach Landrat Jürgen Pföhler zu den Ursulinen, als Vertreter der Kirchengemeinden Jörg Meyrer, Ulrike Phiesel und Beatrix Knieps-Müller, als Vertreter des Kindergartens Hildegard Ropertz und Beatrix Knieps-Müller, und als Vertreter der Schützen Peter Terporten. Stellvertretend für die Calvarienberg-Schulen stimmten Gabriele Kemmerling, Gerald Charlier und Christian Bernard Dietrich Bonhoeffers „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ an.

Der Trierer Bischof Stefan Ackermann, einst Regens am Studienhaus Sankt Lambert in Lantershofen, hatte den Festgottesdienst gehalten, den mancher wegen Überfüllung der Klosterkirche draußen mitverfolgte. Ihm galt der erste Applaus des Abends, der letzte galt den Schützen und der längste Generaloberin Schwester Maria Monheim.

200 Schützen

„Nach all diesen guten, anerkennenden Worten erscheint es mir fast unmöglich, in angemessener Weise zu reagieren“, sagte sie und dankte insbesondere allen, die den Schwestern gerade in jüngster Zeit bei der Räumung des Klosters halfen: „Wenn der Dank für alle, die wir erreichen möchten, fruchtbar werden soll, sehe ich nur die für uns naheliegende Chance, ihn an eine höhere Adresse weiterzugeben. Unser guter Gott hat da noch ganz andere Möglichkeiten. Wir bitten ihn, dass er alle unsere Wohltäter segne, besonders aber auch diese Stadt und ihre Bewohner.“

Höhepunkt und Schluss der Abschiedszeremonie bildete der Große Zapfenstreich. Dabei gaben die Hauptmänner der drei Schützengesellschaften abwechselnd den rund 200 aufmarschierten Schützen die Kommandos.

Bis auf die drei Schwestern, die in Ahrweiler bleiben und zwei, die in Berlin und Krefeld tätig sein werden, gehen alle nach Trier. „Einige sind schon dort“, sagte Schwester Irmgard, die auch den letzten Ausverkauf am Samstag, 17. Juni, von 9 bis 12 Uhr organisieren wird. Dann gibt es unter anderem auch die Sachen aus den Zimmern, die die Schwestern bis zuletzt bewohnten. „Es ist noch viel zu tun bis zum 30. Juni“, so Schwester Irmgard. Das helfe auch gegen das Abschiedsgefühl.