Immer ein offenes Ohr

40 Jahre Telefonseelsorge Bad Neuenahr-Ahrweiler

Hört zu: Vorsitzende Lena Saltzmann.

Hört zu: Vorsitzende Lena Saltzmann.

BAD NEUENAHR. Mit einer Ausstellung in der Villa Sibilla in Bad Neuenahr macht die Telefonseelsorge Bad Neuenahr-Ahrweiler auf ihr 40-jähriges Bestehen aufmerksam. An der Arbeit sind aktuell etwa 70 aktive ehrenamtliche Telefon-Seelsorger beteiligt.

Der Mensch ist nur als Schatten zu erkennen. Er sitzt auf einem Stuhl auf einem Dach, daneben ragt ein Schornstein hoch, auf der anderen Seite eine Antenne und neben dem Mann ist ein zweiter Stuhl leer. Über der Szene erstreckt sich groß und mächtig der dunkle Himmel. Und weiter unten, an einem anderen Haus, ist nur ein beleuchtetes Fenster zu sehen. „Nacht II. Wer das Mondlicht fängt“, hat Quint Buchholz seine Grafik genannt. Sie ist Teil der Ausstellung in der Villa Sibilla in Bad Neuenahr zum 40-jährigen Bestehen der Telefonseelsorge Bad Neuenahr-Ahrweiler. Die Ausstellung wurde am Sonntag eröffnet und bleibt 14 Tage dort.

Die Zahlen sprechen für sich. Etwa 11 000 Anrufe von Hilfesuchenden erreichen pro Jahr das ehrenamtliche Team der Telefonseelsorge, das in wechselnden Schichten täglich 24 Stunden lang in seinem Büro rufbereit ist, auch nachts. Der Verein Telefonseelsorge Bad Neuenahr-Ahrweiler deckt einen Bereich ab, der sich weit in die Eifel erstreckt, bis ins Mayener Gebiet, und der im Verbund mit Aachen, Krefeld und Düren arbeitet, berichtet die zweite Vorsitzende, Inga Fischer-Morckel. Nach Worten der Vorsitzenden Lena Saltzmann wurde die nicht konfessionell arbeitende Telefonseelsorgestelle im Kreis aufgrund privater Initiative eingerichtet. Finanziert wird sie allein durch freiwillige Zuschüsse des Landkreises Ahrweiler, der Kirchen sowie aus Sach- und Geldspenden.

Hilfsangebot ausgeweitet

„Wir sind da für Menschen in Not, für Menschen, die ein offenes Ohr brauchen“, sagte die Vorsitzende bei der Eröffnung der Ausstellung. Ursprünglich habe sich das Hilfsangebot an suizidgefährdete Menschen gerichtet. Jetzt richte es sich auch an Menschen in Einsamkeit, an Kranke und Depressive. In Familienkonflikten könne man Rat suchen wie auch bei finanziellen Problemen.

Füreinander da sein, einander verstehen, Nähe entstehen lassen, Begegnung für Menschen ermöglichen, die im Moment keine Möglichkeiten zur Begegnung haben, nannte Saltzmann als Aufgabe der Ehrenamtlichen.

An der Arbeit sind aktuell etwa 70 aktive ehrenamtliche Telefon-Seelsorger aus ganz unterschiedlichen Berufen, Konfessionen und Altersgruppen beteiligt. Für ihre Aufgaben werden die Helfer sorgfältig ausgebildet: bei Seminaren zur Wissensvermittlung, mit Selbstlernprogrammen am Computer, bei Vertiefungsseminaren sowie am Telefonarbeitsplatz. Fortbildungsveranstaltungen und Supervisionssitzungen dienen der Begleitung der Helfer. „Respekt ist ein Grundpfeiler unserer Telefonseelsorge. Wir respektieren und tolerieren die verschiedenen Lebensentwürfe“, heißt es in einer Broschüre zum Thema, die zurzeit in der Villa Sibilla auch zum Mitnehmen ausliegt.

Darin lobt der Trierer Bischof Stephan Ackermann die Telefonseelsorge als ein „Beispiel, wie auf die Zeichen der Zeit reagiert werden kann“. Superintendent Rolf Stahl nennt sie „ein großes Glück“ für die Menschen in der Region und darüber hinaus. Ein großes Glück sei die Telefonseelsorge auch für die Ökumene in der Region.

„Unkomplizierte Hilfe und nachhaltige Unterstützung für Menschen, die in Krisenzeiten nicht weiter wissen“, nennt Landrat Jürgen Pföhler als oberstes Gebot der Telefonseelsorge. Die Ausstellung zeigt Exponate unterschiedlicher Künstler, die sich mit dem Thema befasst haben. Sie haben ihren Arbeiten kurze Erklärungen beigefügt. Daneben stehen meditative Texte etwa von Anselm Grün, Hubertus Halbfas, Bernardin Schellenberger und anderen.

Sehr eindrucksvoll beschreibt die Holzplastik von Sebastian Nose unter dem Titel „Ein neuer Weg“ die Arbeit am Menschen. Zwei stilisierte, hohe Männergestalten stehen beieinander, der eine sagt dem anderen mit vorgehaltener Hand etwas ins Ohr. Der andere lauscht gesammelt und scheint die Worte zu verinnerlichen.

Broschüren über die Arbeit der Telefonseelsorge wie auch Hefte mit Abbildungen der Exponate und meditativen Texten liegen in der Villa Sibilla aus. Erreichen kann man die Telefonseelsorge unter 08 00/1 11 01 11.