Bunker in Ahrweiler

16-Jähriger aus Kapstadt ist der 700.000. Gast

Heike Hollunder (von links) und Wilbert Herschbach empfingen Jubiläumsgast Max Godfrey.

Heike Hollunder (von links) und Wilbert Herschbach empfingen Jubiläumsgast Max Godfrey.

AHRWEILER. Beim Besuch der Heimat seiner Mutter nahm der Gastschüler des Internats Salem den alten Regierungsbunker ins Visier. Und er wurde auch noch ausgezeichnet.

Auch wenn es von Heimersheim nicht weit bis Ahrweiler ist, so ist der 700.000. Besucher der Dokumentationsstätte Regierungsbunker, der gestern begrüßt wurde, doch ein Weitgereister. Max Godfrey (16) lebt in Kapstadt/Südafrika, ist für drei Monate Gastschüler im Internat Schloss Salem am Bodensee und besucht derzeit in seinen Herbstferien die Großeltern Brigitte und Manfred Wilke an der Ahr.

An sie kann der junge Mann den Wein im Präsentkorb, den Museumsleiterin Heike Hollunder und Wilbert Herschbach, Vorsitzender des Heimatvereins Alt Ahrweiler, ihm überreichten, weiterverschenken. „Die Marmelade ist dann für ihn“, freute sich Hollunder, dass unter den Jubiläumsgästen der vergangenen acht Jahre auch mal ein junger Mensch ist.

„Ich wusste von diesem Bunker durch meine Großeltern und bin sehr an der Kultur Deutschlands, der Heimat meiner Mutter, interessiert“, so Godfrey. Bevor es für eine Woche nach Spanien geht, möchte er noch in die Römervilla, ins Arp Museum und nach Köln, aber auch in ein Weingut in Dernau oder Rech. Nach der Überraschung mit diversen „Posings“ für Pressefotos nahm Godfrey mit den Großeltern unter der Führung von Wolfgang Dieckmann den Bunker als Relikt des Kalten Krieges genauer ins Visier.

Besucherströme reißen nicht ab

Der kleine Sektempfang zu Ehren des 700.000. Besuchers war für Hollunder auch Anlass zu einer Bilanz. Demnach wollen die Besucherströme in der 2008 eröffneten Dokumentationsstätte nicht abreißen. Am Ende des Jahres wird die Zahl wieder bei rund 80.000 liegen, womit sie auch im neunten Jahr konstant bleibt. 28 Frauen und 25 Männer sorgen für einen reibungslosen Ablauf im Museum, das vom Heimatverein betrieben wird. „Rund 37.000 Besucher nahmen die Anmeldung über den Ahrtal-Tourismus als Gruppe vor, 10.000 Gäste übers Museum selbst. Dabei handelt es sich in erster Linie um Schulklassen und andere Gruppen, die museumspädagogisch betreut werden“, betont Hollunder.

Alle anderen Besucher fanden ihren Weg als Einzelbesucher mittwochs, samstags und sonntags. Sie kamen aus ganz Deutschland und dem europäischen Ausland, darüber hinaus zum Beispiel auch aus den USA, Kanada und Japan, wie ein Blick in das Gästebuch beweist. Etliche regionale Unternehmen wie Weingüter, Hotels oder Kliniken buchen die Zeitreise zurück in den Kalten Krieg regelmäßig für ihre Gäste. Als großer Renner habe sich das Angebot für Kindergeburtstage „Top Spion – top secret“ entwickelt.

Höhepunkte des Jahres 2016 waren die Ausstellung „Deutsche Einheit“ von Thomas Baumgärtel und Harald Klemm, aber auch der Vortrag von Günter Wetzel, der für Gänsehautmomente sorgte, als er im ausverkauften Kinosaal über seine spektakuläre Ballonflucht 1979 aus der DDR berichtete. Auch 2017 wird er wieder zu Gast in Ahrweiler sein.

Einer der bewegendsten Momente für die Bunker-Mannschaft war der Abschied von Paul Groß. 46 Jahre war er sein „Zuhause“, er begleitete den Rückbau der Anlage und sorgte dafür, dass viele Relikte heute im Museum zu bestaunen sind.

Am 13. November ist der letzte Besichtigungstag für Einzelbesucher, am 8. April 2017 beginnt die neue Saison.