Landesgartenschau in Bad Neuenahr-Ahrweiler

„Wir alle sind Laga 2022“

BAD NEUENAHR-AHRWEILER. Am Mittwochabend feierten die Bad Neuenahrer Bürger bei Freibier. Euphorie nach der Ministerrat-Entscheidung. Die Macher des Projektes wollen bei der Schau alle Regionen von Rheinland-Pfalz repräsentieren. Die einzelnen Maßnahmen sollen eine nachhaltige Wirkung haben.

Im Rathaus der Kreisstadt ist man noch immer ganz aus dem Häuschen, nachdem nun sicher ist, dass die Landesgartenschau im Jahre 2022 in Bad Neuenahr-Ahrweiler stattfinden wird. Am Mittwochabend hatte Bürgermeister Guido Orthen die Bürger der Stadt zu einer Party mit Freibier in den Innenhof des Verwaltungsgebäudes eingeladen, um gemeinsam auf das in etwas mehr als fünf Jahren anstehende Großereignis anzustoßen. Losgelöst von aktueller Euphorie soll nun jedoch schnell mit den ersten Umsetzungsarbeiten begonnen werden, die durch die Entscheidung des Ministerrates ausgelöst worden ist.

„Wir alle sind Laga 2022!“, rief Orthen den Bad Neuenahr-Ahrweiler Bürgern zu. Die Entscheidung des Landes habe er mit „großer Begeisterung und mit großem Stolz aufgenommen“. Die Stadt habe sich in einen sportlichen Wettkampf mit drei gleichwertigen Mitbewerbern begeben und gewonnen. Weiter sagte der Bürgermeister: „Damit werden wir in den nächsten Jahren für Bad Neuenahr-Ahrweiler und die ganze Region wichtige Impulse setzen und nachhaltige Strukturen schaffen können.“ Der Zuschlag sei nicht nur das Ergebnis der Arbeit des Stadtrates und der Verwaltung, vielmehr sei es Ausdruck des gemeinschaftlichen Wollens aller.

Man habe während der Bewerbung eindrucksvoll demonstriert, „dass wir zusammenstehen können – die Bürger, die Wirtschaft, die Vereine, die Region, die Politik und die Verwaltung.“ Besucher würden mit Bad Neuenahr die Stadt des Wassers sowie ein Heilbad und Gesundheitskompetenzzentrum erleben. Orthen: „Und sie können die von einer mittelalterlichen Wehrmauer umgebene historische Stadt Ahrweiler erfühlen, die geprägt ist von ihrer Tradition und Zentrum des Tals der roten Traube ist. Unsere Stadt steht auch für den Genuss bringenden und gesundheitsfördernden Wein.“

Die Stadt wolle 2022 das Bundesland Rheinland-Pfalz in all seinen Facetten vertreten: von der Südpfalz bis zum Westerwald, von der Eifel bis nach Rheinhessen. „Wir wollen Brücken bauen, nicht zuletzt, weil wir als Tourismusdestination Anziehungspunkt für die Benelux-Staaten und die Metropolregionen Rhein-Main und insbesondere Rhein-Ruhr sind“, sagte das Stadtoberhaupt weiter.

Eine Gartenschau im 21. Jahrhundert sei klimaneutral, jedenfalls 2022 in Bad Neuenahr-Ahrweiler. „Zur Kompensation der klimaschädlichen Auswirkungen der Landesgartenschau werden wir mit zahlreichen Maßnahmen diese Auswirkungen bereits im Vorfeld überkompensieren“, erklärte das Stadtoberhaupt. Fern- und Nahwärmenetze, Solarthermie oder auch die Modernisierung der elektrischen Verbraucher seien nur einige Beispiele dieser nachhaltigen Maßnahmen, die sich zum Teil bereits in der Umsetzung befänden.

Die Landesgartenschau wertete Orthen als eine einmalige Gelegenheit, die Stadtentwicklung in Riesenschritten voranzubringen: „Städtebau ist für uns zugleich ein wesentliches Moment und eine wesentliche Antwort auf die Herausforderungen der demografischen Entwicklung. In einer wachsenden Mittelstadt, die demografisch ihrer Zeit voraus ist, geben wir mit unserer Bewerbung auch eine Antwort für die Zukunft einer älter werdenden Gesellschaft.“ Nun seien viel Fleiß und Kreativität erforderlich, um die gesteckten Ziele zu erreichen.

Die Landesgartenschau 2022 wird voraussichtlich 18,4 Millionen Euro kosten. Die Stadt rechnet mit Finanzunterstützungen durch das Land in Höhe von 11,2 Millionen Euro. Zudem werden Eintrittsgelder (geschätzt acht Millionen Euro), Erlöse durch Werbeeinnahmen, Sponsoring, Merchandising (geschätzt: 1,2 Millionen Euro), Parkgebühren (geschätzt 400 000 Euro) und nicht zuletzt durch Verpachtung von gastronomischen Einrichtungen (geschätzt 500.000 Euro) generiert.

In nahezu alle Parks und Grünflächen wird erheblich für die Landesgartenschau investiert. 3,4 Millionen Euro sind alleine für den Kaiser-Wilhelm-Park vorgesehen, 2,8 Millionen für den Lennépark, 4,3 Millionen Euro für den Kurpark und den Dahliengarten. Neue Fuß- und Radwegeverbindungen sind derzeit mit Investitionen von 1,15 Millionen Euro taxiert, eine Million Euro werden voraussichtlich für die Sanierung von Alleen und der Ahrpromenade anfallen.

Ein Skate- und Jugendpark (400.000 Euro), oder auch ein Sport- Spiel- und Freizeitpark Ahrweiler schlägt mit geschätzten 800.000 Euro zu Buche. In neuem Glanz erstrahlen sollen zudem die Wallanlagen und das Ahrtor (rund 500 000 Euro). Themengärten werden entstehen, „Lern- und Entdeckergärten“, „Gärten der Genüsse“, Obst- und „heilende“ Gärten sowie auch gärtnerische Hallenschauen. Ein Wasserspielplatz oder auch ein Kletterpark an der Ahr sollen auch junge Gartenschaubesucher anlocken.

Klares Ziel der Stadt: Eine Finanzierung über Kredite soll – wenn möglich – ausgeschlossen sein. Wegen der Durchführung der Landesgartenschau in städtebaulich integrierter Lage könnten Synergien genutzt werden, die den Kostenrahmen der Blumen- und Pflanzenschau kostenmindernd beeinflussen, ist sich die Stadt sicher. Eine vollständige Refinanzierung der städtischen Eigenanteile bei den geförderten Investitionen sowie bei den Kosten der Durchführung der Landesgartenschau soll über die Entwicklung städtebaulicher Projekte erfolgen“, so die Stadt.

Bereits in der Planung ist ein Verkehrskonzept, das nicht nur auswärtige Besucher vernünftig an das Gartenschaugelände lotsen soll, sondern auch ausreichende Pkw- und Busparkplätze berücksichtigt. In diesem Zusammenhang ist beispielsweise im Bereich des Krankenhauses der Bau eines Parkdecks mit 500 Stellplätzen angedacht. Ein weiteres Parkhaus soll in Ahrweiler, nur wenige Meter von der Ahr entfernt, entstehen.

Zur Verbindung der Ausstellungsbereiche innerhalb der Stadt wird eine Hop-on/Hop-off-Buslinie mit Elektrobussen eingerichtet, die als „Endlosschleife“ die komplette Innenstadt bedienen soll. Diese Buslinie soll über die Gartenschau hinaus als neue Stadtbuslinie erhalten bleiben, um als attraktives ÖPNV-Angebot den innerstädtischen Verkehr dauerhaft und umweltfreundlich zu entlasten.

Zur reibungslosen Vorbereitung und Betreuung der Landesgartenschau 2022 wird die Kreisstadt nun mit der Projektgesellschaft Landesgartenschau Rheinland-Pfalz mbH eine Durchführungsgesellschaft gründen. Im Rathaus laufen die ersten Vorbereitungen.