Schließung von Kloster und Kirche auf dem Ahrweiler Calvarienberg

„Schrecklich, aber verstehen tun wir es“

AHRWEILER. Nächsten Sommer müssen die Ursulinen aus Altersgründen, Nachwuchsmangel und wegen ihrer schlechten wirtschaftlichen Lage nach 178 Jahren den Ahrweiler Calvarienberg verlassen. Die Räumung von Kloster und Kirche stellt die Generaloberin Sr. Maria Monheim (78) vor eine Herkulesaufgabe. Zum Abschied ist ein Tag der offenen Tür geplant. Die beiden Schulen und das Tagesinternat werden jedoch weitergeführt.

Wer an der mächtigen, hölzernen Pforte des Klosters Calvarienberg steht, dessen Blick fällt auf einen Büchertisch. Genauer gesagt auf den Titel „Wir sind Zukunft“. Ironischerweise hat das ausgelegte Werk, das man gegen einen Obolus mitnehmen kann, mit den Ursulinenschwestern nicht mehr viel gemein. Ihre Kapitel eines dicken Buches, für das sie 178 Jahre lang Ahrweiler Geschichte mitgeschrieben haben, sind fast alle formuliert. Im Sommer 2017 verlassen 15 der 18 Ordensfrauen den Berg gen Trier (der GA berichtete). Nachdem Generaloberin Sr. Maria Monheim diese schicksalhafte Entscheidung am 12. September der Öffentlichkeit mitgeteilt hat – „die Verkündigung der schlechten Botschaft“, wie sie es nennt – ist viel passiert.

„Die Resonanz ist enorm. Briefe, Mails, Anrufe aus der ganzen Bundesrepublik haben uns erreicht. Heute noch kam ein Brief aus Berlin einer ehemaligen Schülerin. Der Trierer Weihbischof Jörg Michael Peters hat ebenso geschrieben wie der frühere Ahrweiler Dechant Josef Mettel. Viele Menschen sind zunächst fassungslos, geschockt, können aber unsere Entscheidung, die wir sowohl aus Altersgründen als auch aus personellen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten treffen mussten, durchaus verstehen. Ich möchte jeden Brief beantworten, aber die Zeit ist knapp.“ Allein auf dem Weg zur Ahrweiler Post werde sie unzählige Male von Bürgern angesprochen. „Schrecklich, aber verstehen tun wir es“, sei die übliche Reaktion.

Die Antwort auf die Frage, ob sie als „Managerin“, die unzählige Aufgaben vor der Brust hat, derzeit überhaupt noch Zeit zum Beten und Kraftschöpfen habe, kommt prompt: „Die nehme ich mir. Ich stehe um 3.30 Uhr auf und verbringe etwa eine Stunde in der Kapelle. Dafür liege ich aber auch um 21 Uhr in der Falle. Was ich momentan vermisse ist die Zeit zum Lesen und Spazierengehen“, so die Ordensfrau, die hofft, dass ihr Alltag in Trier geruhsamer wird.

Sr. Maria, rheinische Frohnatur, wirkt jedoch trotz der 18-Stunden-Tage ruhiger, gelassener als noch vor wenigen Wochen. Traten der 78-Jährigen, als sie die schmerzhafte Zäsur aussprechen musste, noch Tränen in die Augen, scheint sie sich nun mit ihrem Schicksal arrangiert zu haben. „Vor neun Jahren wäre eine Übereinstimmung für diese Entscheidung undenkbar gewesen. Doch bei den jüngsten Kongegrationstagen stimmten 26 der 28 Schwestern bei der Frage 'Könnten Sie einer Veräußerung des Klosters und der Kirche durch den Generalrat zustimmen?' mit 'Ja'. Das ist ein klares Votum und das gibt mir auch einen klaren Auftrag, das hier abzuwickeln. Unsere Kräfte gehen nun mal zurück, das Geld, um den Fortbestand zu garantieren, ist nicht da. Ich bin seit 1963 im Ahrtal und war immer gerne hier. Die Verbindung zur Stadt war immer intensiv und es tut mir sehr leid, Abschied von Ahrweiler nehmen zu müssen. Aber wenn es vollbracht ist, ist es auch eine Erleichterung“.

Das riesige, weitläufige Klosterterrain (27.000 Quadratmeter Gesamtfläche) sei schon allein von den langen Gängen und Wegen her eine wahnsinnige Belastung. Erst recht der Umstand, dass sie in den kommenden Monaten mit einer Handvoll Mitschwestern Dutzende von Zimmern in Internat, Kloster und Kirche räumen muss. „Davor graut es mir. Einiges an Mobiliar geht mit nach Trier, manches geben wir unseren Mitarbeitern, die die Nachricht verständnisvoll und gefasst aufgenommen haben, doch das meiste muss verkauft werden,“

Den größten Wunsch, den unzählige Bürger von Ahrweiler, aber auch ehemalige Schülerinnen haben, möchte Sr. Maria Monheim noch erfüllen. Den Menschen, die „ihrem Berg“ Lebwohl sagen wollen, würde sie im Frühjahr 2017 gerne einen Tag der offenen Tür mit Gottesdienst anbieten. Doch zunächst möchte die 78-Jährige in Ruhe Weihnachten feiern und ein letztes Mal die große Krippe aufbauen. „Ich wünschte, dafür hätten wir jemanden, der sich ihrer annimmt.“