Verkehr im Kreis Ahrweiler

„Ich bewege Auto, Rollator und E-Mobil“

Ehrung für unfallfreies Fahren: Vorsitzender Hanspeter Führer (v.l.), Geschäftsführer Manfred Born, Ivanka Siepen (40), Wilfried Mallach (50), Hans-Werner Ziemes (50 Jahre) und Beisitzerin Karin Körber.

Ehrung für unfallfreies Fahren: Vorsitzender Hanspeter Führer (v.l.), Geschäftsführer Manfred Born, Ivanka Siepen (40), Wilfried Mallach (50), Hans-Werner Ziemes (50 Jahre) und Beisitzerin Karin Körber.

BAD NEUENAHR. 50 Jahre Fahrzeit hat Hans-Werner Ziemes bereits gesammelt, er hat eine Auszeichnung von der Verkehrswacht des Kreises Ahrweiler für bewährte Autofahrer erhalten. Auch die anderen Ausgezeichneten, können reichlich Fahrpraxis vorweisen.

„Ich bewege noch drei Fahrzeuge: mein Auto, den Rollator und ein E-Mobil.“ Das sagt der 84-jährige Hans-Werner Ziemes, der jetzt von der Verkehrswacht des Kreises Ahrweiler um Vorsitzenden Hanspeter Führer als einer von fünf Kreisstädtern geehrt wurde. 50 Jahre Fahrzeit, vorbildlich und unfallfrei – „eigentlich sind es 64 Jahre“ – hat der einstige Leichtathlet auf dem Buckel. Bei der Feierstunde im Hotel Krupp räumte der rüstige Rentner ein, dass er das Auto nicht mehr viel bewegt: „Mein Pkw von 1996 hat in 21 Jahren erst 38 000 Kilometer drauf.“

Aber Schmunzeln muss die Runde mit den Jubilaren Ivanka Siepen und Wilfried Mallach sowie Verkehrswacht-Geschäftsführer Manfred Born und Beisitzerin Karin Körber, als Ziemes betont: „Ich habe schon zehn Führerscheine bezahlt.“ Die Erklärung folgt auf den Fuß: „Bei zwei Kindern, sechs Enkeln und drei Urenkeln kommt was zusammen.“

50 Jahre Unfall-freies Fahren

Ganz anders als bei Ziemes sieht es mit der Fahrpraxis bei Ivanka Siepen aus. Sie kommt immer noch locker auf 20 000 Kilometer im Jahr, fährt sie doch mindestens drei Mal jährlich mit dem Auto in ihre Heimat Kroatien. Auch sie erhielt vom Vorsitzenden des rund 100 Mitglieder starken Vereins eine Anstecknadel, die Urkunde als „Auszeichnung in Gold mit Eichenkranz“, einen Ausweis sowie die Option auf eine Autoplakette.

Der Dritte im Bunde war Wilfried Mallach, der ebenfalls 50 Jahre unfallfrei unterwegs ist und die höchste Auszeichnung, das „Goldene Lorbeerblatt“, erhielt. Marianne Claassen und Charlotte Kaub-Jürgens (beide 50 Jahre) waren nicht erschienen und bekommen die Ehrung nachgereicht.

„Die Ehrung machen wir einmal im Jahr“, so Born. Im Schnitt seien es immer fünf Bürger, die aber aus dem ganzen Kreis Ahrweiler kommen können. 50 Jahre ist die höchste, 15 Jahre die geringste Jahreszahl, für die es eine Auszeichnung gibt. Melden, um geehrt zu werden, können sich alle Kraft- und Berufskraftfahrer auf der Homepage www.verkehrswacht-aw.de.

Verkehrserziehung als Aufgabe der Verkehrswacht

„Seit mehr als 50 Jahren machen wir das. Doch die Anerkennung“, so Führer, „soll auch Verpflichtung zugleich sein: Die Geehrten sollen auch weiterhin durch umsichtiges, rücksichtsvolles und hilfsbereites Verhalten im Straßenverkehr anderen ein Vorbild sein.“ Die Jubilare hätten durch gutes und defensives Verhalten eine Leistung vollbracht, aber auch das nötige Quentchen Glück sei im Straßenverkehr, der sich verändert und zugenommen habe, vonnöten.

Die Verkehrswacht finanziert sich über Mitgliedsbeiträge (zwölf Euro pro Jahr), Sponsoren und Zuschüsse von Amtsgerichten, die Bußgelder bei Verkehrsdelikten verhängen. Zu ihrer Aufgabe gehört unter anderem die Verkehrserziehung in den Kindergärten und Schulen, Kurse für „erfahrene Fahrer“ in Sachen Sicherheit und Mobilität, Rollator-Training, Lotsendienst für Schüler und Eltern, Unterweisung durch einen Remagener Polizeibeamten in Sachen „Inline-Skaten“, aber auch der Einsatz einer mobilen Geschwindigkeitsanlage vor Kindergärten, Schulen und in Tempo-30-Zonen.

Aktueller „Schocker“ für den erfahrenen Verkehrsexperten Born, der die „Smiley“- und „Sie fahren“- Anlage zwei Wochen lang an der Niederzissener Realschule Plus installiert hat: „In der Tempo-30-Zone gab es einen Tagesschnellsten mit 100 km/h. An einem Schultag, also zwischen 7 und 8 Uhr, donnerte jemand mit 90 den Berg hoch.“ 80 Prozent der 7500 erfassten Fahrzeuge waren zu schnell. Die statistische Auswertung liegt auch dem Ortsbürgermeister vor, so dass Born hofft, dass sich jetzt Kommunalpolitik und Polizei mit dem beunruhigendem Ergebnis befassen und weitere Maßnahmen auf den Weg bringen.

Die Verkehrswacht ist bereit, den Kommunen diese Anlage gegen einen geringen Betrag aufzustellen. Personalkosten werden nicht erhoben, da der Vorstand, der auch die Auswertung vornimmt, ehrenamtlich arbeitet. Das System hat einen Datenspeicher für rund 60 000 Messungen, die den Kommunen, Schulen und Straßenverkehrsbehörden sowie auf Wunsch auch der Polizei zur Verfügung gestellt werden können. Eine Ahndung von Tempoübertretungen ist mit dem System nicht verbunden.