Thema: Pflege im Alter

Zahl der über 60-Jährigen im Kreis steigt

Wird die Betreuung alter Menschen zum Luxusgut? Schon jetzt fehlt es an Pflegefachkräften.

KREIS AHRWEILER. Die Demografie und Versorgung alter Menschen im Kreis beschäftigt Fachkräfte und Laien. Die Zahl der alten Menschen steigt rasant.

Mit Folgen: Laut einer Studie haben bereits zehn Millionen Menschen einen Pflegefall in der Familie. Pflege findet nach Angaben der Versicherungsträger vor allem in der Familie statt: 62 Prozent der Deutschen, die pflegebedürftige Angehörige haben, kümmern sich selbst um die Betreuung. Rund sechs Millionen Menschen pflegen ihre Angehörigen zumindest teilweise selbst, zwei Drittel der Pflegenden sind Frauen. 67 Prozent der pflegenden Frauen fühlen sich stark psychisch, 46 Prozent stark körperlich belastet. Wie die Entwicklung von "Demografie und Pflege im Kreis Ahrweiler" ist und von der Perspektive her sein wird, damit beschäftigten sich gestern Gesundheitsamt und die Kreispflegekonferenz auf Einladung von Landrat Jürgen Pföhler im Kreishaus.

"Unsere Lebenserwartung ist in den vergangenen 50 Jahren um elf Jahre gestiegen. Das sind gewonnene Jahre für den Einzelnen. Wenn wir es richtig angehen, können es auch gewonnene Jahre für die Gesellschaft werden", sagte Pföhler. Die durchschnittliche Lebenserwartung neugeborener Jungen betrage heute bereits rund 77 Jahre, neugeborene Mädchen würden statistisch gesehen fast 83 Jahre alt. Das Pflegerisiko steige nach den Pflegestatistiken jedoch bereits ab dem 60. Lebensjahr deutlich an, so der Landrat.

"Darüber hinaus werden in den nächsten beiden Jahrzehnten die geburtenstarken Jahrgänge ab 1950 in die Altersgruppe der über 60-Jährigen sukzessive hineinwachsen. Wegen der abnehmenden Geburtenzahlen wird ab dem Jahr 2025 mehr als jeder dritte Einwohner von Rheinland-Pfalz 60 Jahre und älter sein", rechnete der Landrat vor. Auch der Kreis Ahrweiler bleibe von dieser Entwicklung nicht verschont. Stimmt. Das Statistische Landesamt geht nämlich davon aus, dass die Zahl der über 60-Jährigen in der Region bei gleichzeitiger Abnahme der Gesamtbevölkerung bis zum Jahr 2025 um rund 14 Prozent steigen wird. Pföhler: "Es werden also zunehmend hochaltrige, teilweise demente Patienten zu versorgen sein. Deshalb ist mit einem zunehmenden Bedarf an professioneller Pflegetätigkeit zu rechnen. Vor dem Hintergrund des sich bereits abzeichnenden Fachkräftemangels wird diese qualifizierte Pflege in den Händen von immer älterem Pflegepersonal liegen." Der demografische Wandel werde die Pflegebranche besonders treffen. Die Sicherung des Fachkräftebedarfs in der Pflege sei ein herausragendes Zukunftsthema, dem sich der Kreis Ahrweiler stellen müsse.

Michael Isfort vom Institut für angewandte Pflegeforschung erklärte, schon jetzt seien 6,5 Prozent der Bevölkerung im Kreis Ahrweiler über 80 Jahre alt. Die Familie sei auch hier der "größte Pflegedienst der Nation". Immerhin wird das Gros der Pflegebedürftigen von Familienangehörigen gepflegt, 20 Prozent von ambulanten Diensten und etwa 30 Prozent in Heimen. Personal fehlt schon jetzt. Bis zum Jahre 2025, so Isfort, wird es im Landkreis mindestens an 200 Fachkräften mangeln. Der örtliche Caritas-Pflegedienst kann das nur bestätigen: "Wir suchen händeringend Leute." Wie Strategien und Maßnahmen zur Fachkräftesicherung aussehen können, wurde im Kreishaus auch diskutiert. Wirkliche Patentrezepte gab es dabei allerdings nicht. Isfort: "Wir können nur informieren und sensibilisieren, zusammenführen und vernetzen." Und: "Alleine können wir das Problem nicht lösen."