Grünen im Kreis Ahrweiler

Verständnis für die Enttäuschung Wolfgang Schlagweins

Mathias Heeb.

KREIS AHRWEILER. Die Grünen im Kreis Ahrweiler wollen sich neu aufstellen. Unter anderem, weil sich der bisherige Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Wolfgang Schlagwein, zurückziehen wird. Über die anstehenden Veränderungen sprach Victor Francke mit dem Kreissprecher der Grünen, Mathias Heeb.

Uns ist zu Ohren gekommen, dass es bei den Grünen sowohl im Kreisverband als auch im Stadtverband Bad Neuenahr-Ahrweiler personelle Änderungen geben wird und sie sich neu aufstellen wollen. Hat es Krach gegeben?
Heeb: Nein, die Stimmung ist trotz des mäßigen Ergebnisses bei der Bundestagswahl bei uns Grünen gut. Wir sind weder zerrüttet, zerrissen, noch hat es Krach gegeben. Es stimmt aber, dass wir uns neu formieren wollen. Einige altgediente und bewährte Kommunalpolitiker unserer Partei wollen kürzertreten.

Insgesamt sind es wohl vier oder fünf Mitglieder Ihrer Partei, die keine Lust mehr haben. Dazu gehört auch Ihr langjähriger Frontmann Wolfgang Schlagwein, der bislang die Fraktion im Kreistag und im Stadtrat anführte. Ist es nicht in Wirklichkeit so, dass er sehr frustriert ist und eigentlich mehr machen wollte, als er in den vergangenen zwei Jahren bei Ihnen durfte?
Heeb: Da müssen Sie ihn schon selber fragen. Es kann schon sein, dass er etwas enttäuscht ist, weil es nach der Landtagswahl für ihn innerparteilich auf Landesebene nicht so gut lief und er nicht nachrücken konnte. Sein Standing im Kreisverband war immer gut. Wenn er geht, dann hinterlässt er eine große Lücke....

...beispielsweise, wenn es um energiepolitische Fragen geht....
Heeb: Allerdings. Ich habe mit großem Vergnügen und gleichzeitigem Kopfschütteln im General-Anzeiger gelesen, dass der Landrat allen Ernstes erklärt hat, die Energiewende gehe auf die Tatkraft der CDU-Kreistagsfraktion zurück. Alleine Schlagwein war der Motor der Energiewende im Kreis Ahrweiler. Alle anderen sind auf den Zug aufgesprungen.

Ärgert Sie das? Frau Merkel ist doch auch auf einmal die Energiewende-Initiatorin, obwohl sie noch kurz vorher für Laufzeitverlängerungen der Atomkraftwerke votiert hat.
Heeb:Ein bisschen verwundert kann man schon sein, wenn man so etwas hört. Aber das ist ja nicht die einzige Merkwürdigkeit. Besonders aber habe ich zum Beispiel auch darüber gelacht, dass die CDU-Kreistagsfraktion - wie der Landrat ebenfalls verkündet hat - nun auch noch großer Verfechter der Gesamtschule ist, die wir immer beantragt haben und die dann auch nach jahrelangem Kampf für Remagen genehmigt wurde, obwohl die CDU diese Schulform stets vehement abgelehnt hat. Wie eine Monstranz hat man das Nein zu diesem Schultypen vor sich hergetragen. Schön, dass man sich eines Besseren belehrt und im Nachhinein auch in diesem Fall unsere Position übernommen hat. Für uns zählt schlussendlich nur das Ergebnis.

Wie geht es denn jetzt bei den Grünen weiter? Haben Sie Ersatz für diejenigen, die ausscheiden?
Heeb: Wir haben ja keinen Mitgliederschwund. Im Gegenteil: Wir gehen mit neuen Gesichtern in den Kommunalwahlkampf und werden dann im Kreistag oder auch im Bad Neuenahrer Stadtrat eine neue Mannschaft haben.

Seit zwei Jahren sind Sie Sprecher der Partei. Kandidieren Sie nun auch für den Kreistag und werden dann Fraktionsvorsitzender?
Heeb: Das entscheiden zunächst unsere Mitglieder und dann die Wähler, ob ich überhaupt in das Gremium komme. Ich werde mich jedenfalls zur Verfügung stellen. Ob die Kreistagsfraktion mich dann zum Sprecher wählt, weiß ich natürlich nicht.

Bleiben Sie denn dann auch - trotz ursprünglicher Trennung von Amt und Mandat - Sprecher der Partei? Diese Wahl steht ja auch nächstes Jahr an.
Heeb: Das ist noch offen. Die Trennung von Amt und Mandat gibt es bei uns auf Kreisebene übrigens nicht.

Was ist mit Eveline Lemke? Die Ministerin ist ja mit Ihnen gemeinsam gleichberechtigte Sprecherin der Kreis-Grünen. Wird sie wieder antreten?
Heeb: Auch dazu kann ich noch nichts sagen.

Zur Person

Mathias Heeb (50) aus Nierendorf ist seit zwei Jahren Sprecher der Grünen im Kreis. Dieses Amt übt er gleichberechtigt mit Eveline Lemke aus. Heeb ist außerdem Ratsmitglied im Gemeinderat Grafschaft und Vorsitzender des Vereins "Frankensiedlung Nithrindorp". Der gelernte Religionspädagoge arbeitet in der Logistikbranche.