Motto "Liebeslieder"

Tanz, Traum und Todessehnsucht

Das Bonner Vokalensemble bei seinem Konzert in Oberwinter.

Das Bonner Vokalensemble bei seinem Konzert in Oberwinter.

OBERWINTER. Bonner Vokalensemble gibt umjubeltes Konzert in der Evangelischen Kirche Oberwinter.

Das Bonner Vokalensemble unter der Leitung von Ulrike Ludewig hat am Sonntag nicht nur für eine ausverkaufte Evangelische Kirche in Oberwinter, sondern mit seiner Werkauswahl und Interpretation für "Standing Ovations" gesorgt. Unter dem Motto "Liebeslieder" stand sehr viel bittersüßer Schmerz auf dem Programm, der den Nerv des Publikums traf.

Einen großen Platz im Konzert nahm Johannes Brahms ein. Den großen Liebhaber der Rheinromantik stellte das Ensemble sowohl in seinen eher traditionellen Stücken vor, als auch in seiner Vorliebe für musikalische Details. Feine Dynamiken, perfekte Polyphonie und ein Gespür für das Mosaikhafte der Komposition kamen in den beiden Nachtwachen op. 104 zu Gehör.

"Erlaube mir fein's Mädchen" hingegen stellte klassischen Chorgesang in seiner Hochform dar. Die "Drei Gesänge" op. 42 sind so eigenständig wie aufeinander abgestimmt. "Abendständchen" kombiniert interessante Einfälle mit vollem Klang. "Vineta" beginnt freudvoll und stürzt dann in den Grund des Herzens.

Der "Grabgesang" schließlich vermittelt in seiner Ruhe etwas Frühlingshaftes. Nach anfänglicher Zurückhaltung konnte das Publikum bald schon seine Begeisterung nicht mehr im Zaum halten und klatschte nach jedem Stück. Max Regers "Ich hab die Nacht geträumet" berichtet von einem bösen Traum, in dem auf poetische Weise der Tod des Geliebten beschrieben wird.

Todessehnsucht stand auch mit Friedrich Silchers "Untreue" im Mittelpunkt, welches nur die Männerstimmen  vortrugen.

Milena Schuster und Regula Sager (Violine), Christina Kinder (Viola) und Salime Schneider (Violoncello) durchbrachen den Gesangsreigen zweimal durch Instrumentalstücke. Dabei stand auch hier eher die schwere Muse im Mittelpunkt. "Crisantemi" von Giacomo Puccini ist ein Totengesang, der mit einem Solo-Lamento anhebt, in das die restlichen Instrumente einstimmen.

Die Musik steigert sich bis ins Tragische hinein und bricht auf ihrem Höhepunkt ab. Ein neuer Gesang macht sich in der Violine breit und vermittelt etwas Hoffnung. Mit der Verlangsamung kommt der Schmerz zurück. Ein kurzer tänzerischer Akzent der Viola kann den traurigen Schluss nicht mehr aufhalten.

Aus der spätromantischen Schaffensphase von Anton Webern stammt sein "Langsamer Satz", der auf breitem Tonfundament eine zunächst positive Geige erstrahlen lässt. Tragik bricht aus und läutert das musikalische Geschehen.

In überraschenden Pausen und einem gekonnten Tupfer zum Schluss verschwamm das Bild vor den Augen der Besucher, aber dafür kam keine Langeweile auf. Langer Applaus war das Ergebnis. Zum Finale stand noch zeitgenössische Musik auf dem Programm.

Erich Whitacres "Five Hebrew Love Songs" schwangen zwischen sphärischem Gesang, atemlosem Einfallsreichtum und modernen Akzenten hin und her.

Bald verlor das Publikum den Überblick, wo genau es sich zwischen den fünf Stücken befand, was aber Raum machte, sich mit geschlossenen Augen von der Musik forttragen zu lassen.

Ohrenbetäubender Beifall und "Standing Ovations" waren den Sängern und Musikern sicher und den Besuchern eine Zugabe.