Ahr-Thermen

Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler übernimmt das Bad

BAD NEUENAHR. Jetzt steht es auch offiziell fest: Die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler kauft die Ahr-Thermen, die im Juli wiedereröffnet werden sollen.

Über eine neue GmbH soll das Bad vorübergehend geführt werden, ehe es an einen privaten Betreiber verpachtet werden soll - wenn der denn gefunden wird.

11,1 Millionen Euro wird die Übernahme der Thermen und deren Sanierung nebst Attraktivitätssteigerungsmaßnahmen kosten. Wie berichtet, soll die Finanzierung durch Anhebung der Steuern, durch eine Verteuerung der Gästekarte sowie durch Einsparmaßnahmen im städtischen Haushalt erfolgen. Entsprechende Beschlüsse fasste am Donnerstagabend der Stadtrat.

Die Technik des Bades soll quasi komplett erneuert werden. Kosten: 4,9 Millionen Euro. Das Süßwasserbecken wird nach den derzeitigen Vorstellungen in eine "Kalt-Heiß-Kombination" umgebaut, das Liegebecken zum Warmsprudelbecken umfunktioniert.

Dafür ist eine Million Euro vorgesehen. In den Umkleide- und Sanitärbereich, in Wellnessbereiche im Untergeschoss sowie in ein neues Lichtkonzept werden 1,3 Millionen Euro reingesteckt.

Drei Millionen Euro kostet der Erwerb der Thermen, 800 000 Euro müssen als Stammkapital für die neue Betriebs GmbH, die übrigens den Namen "Walburgis-Therme Bad Neuenahr-Ahrweiler GmbH" tragen soll, aufgebracht werden, besagte 7,2 Millionen Euro für Sanierung- und Attraktivitätssteigerung.

Da man über 25 Jahre mit vier Prozent die anfallenden Kredite tilgen will und von einem Zinssatz von 2,5 Prozent ausgeht, kommt so ein Schuldendienst von 715 000 Euro zusammen.

"Aufgrund der allgemeinen Erfahrung sind aber neben der Investitionsfinanzierung auch weitere jährliche Mittel für den laufenden Betrieb erforderlich", so die Verwaltung. Die jährlichen Unterhaltungskosten für Gebäude, Technik und Geräte werden auf 200 000 Euro beziffert.

Weitere 200 000 Euro sollen jährlich in eine Rücklage gesteckt werden. Auch sei man sich darüber im Klaren, dass es nach der langen Schließung des Bades einen schwierigen Neustart geben werde. Dennoch sei es Ziel, auch in der Interimsphase "eine operative Kostendeckung darzustellen". Bekanntlich hatte das Bad aus dem laufenden Betrieb zuletzt ein Defizit von 800 000 Euro erwirtschaftet.

Um die nun anstehende Investition überhaupt stemmen zu können, soll der Hebesatz für die Grundsteuer B von 350 auf 365 hochgesetzt werden. Auch an der Gewerbesteuerschraube wird gedreht: Sie steigt von 352 auf 365 von Hundert.

Wie berichtet, soll der Gästebeitrag von 2,50 pro Tag auf 2,90 Euro erhöht werden. 630 000 Euro glaubt die Stadtverwaltung so zusätzlich einnehmen zu können. Sie wies darauf hin, dass die Steuerhebesätze im nächsten Jahr ohnehin auf die Nivellierungssätze des Landes Rheinland-Pfalz hätten angehoben werden müssen.

Damit das Geschäft nach sehr langen Verhandlungen zustande kam, musste sich die Aktiengesellschaft Bad Neuenahr (AGBN) verpflichten, "jeden Anschein zu vermeiden, der den Eindruck einer offiziellen Funktion im Kurwesen erweckt". So soll die "Kur AG" auf die Verwendung von Bezeichnungen wie "Kurverwaltung" oder "Kur AG" verzichten.

Das von ihr betriebene Kurhaus darf indes weiter "Kurhaus" heißen. Auch sollen Badbesucher den vergünstigten Tarif im AGBN-eigenen Parkdeck erhalten. "Ziel unseres Handelns war und ist die Sicherung des Heilbadstatus' und die dauerhafte Zukunftsfähigkeit der Gesundheits- und Urlaubsdestination Bad Neuenahr-Ahrweiler", erklärte die Stadtverwaltung.

Vor diesem Hintergrund hatte die Stadt bereits im Jahre 2012 zahlreiche Liegenschaften und Parks von der Aktiengesellschaft abgekauft, die sich zunächst nicht mehr in der Lage sah, den Kurbetrieb fortzuführen. Die AGBN kündigte gar einen mit der Stadt geschlossenen Betriebsführungsvertrag zum Kurbetrieb. Seither wurde auch eine Übernahme der Ahr-Thermen durch die Stadt diskutiert.

Die Stadt bat um Vorlage eines Sanierungs- und Wirtschaftlichkeitsgutachten, das im ersten Halbjahr 2014 präsentiert werden sollte. Auf diesen Zeithorizont habe man sich seinerzeit mit der "Kur AG" geeinigt. Trotz dieses so besprochenen Prozedere habe dann der neue Vorstand der Aktiengesellschaft, Christoph Reinicke, die Schließung des Bades zum Jahresende 2013 angekündigt.

Sie bot der Stadt einen Weiterbetrieb gegen eine Pachtzahlung (600 000 Euro) an, was die Stadt ablehnte. Umgekehrt schlug die Stadt einen von ihr gewährten Betriebskostenzuschuss vor (mindestens 300 000 Euro), was wiederum die AG nicht interessierte. Lange dauerte es, bis Annäherungen erreicht wurden. Ernsthafte Verhandlungen hatte es erst ab Januar gegeben. Die Monate zuvor waren von Zwist und Streit geprägt.