Seilbahn in Altenahr

Nach 58 Jahren geht mit der Schließung eine Ära zu Ende

ALTENAHR. Aus wirtschaftlichen Gründen gibt die Horst AG die Seilbahn in Altenahr, die einst Hunderttausende von Touristen anlockte, auf. Der Pachtvertrag läuft zum 31. August aus. Geschäftsführer Franz-Rudolf Kloster hofft, dass sich bis dahin ein Käufer für die Seilbahn findet, damit diese nicht abgerissen werden muss.

Die Busse auf den Parkplätzen stehen dicht an dicht. Der Kölner Boxer Peter Müller schwebt über die Ahr. Dito eine Braut mit wehendem Schleier nebst frischgebackenem Ehemann. "Hinauf in sonnige Höhen" wirbt ein Plakat. "Komm, sieh und staune" lockt ein Sonderstempel der Bundespost. Gästen im "Höhenrausch" reichen Winzer im Vorbeifahren aus dem Wingert reife Spätburgundertrauben, und Männer in schmucken Uniformen helfen an der Altenahrer Seilbahn beim Ein- und Aussteigen. Das war 1954 und ist Geschichte.

58 Jahre später, gestern Morgen: Die Gondeln sind abmontiert. Die Seilbahn steht. An der Talstation blickt Franz-Rudolf Kloster betrübt auf den Ditschhardt; den Berg, der mit dem Hotel Bellevue als Endstation der Seilbahn einst Hunderttausende von Touristen anlockte. Kloster ist Geschäftsführer der Seilbahn, die zur Horst AG gehört.

"Es ist wirtschaftlich einfach nicht mehr zu machen. Besonders nach der Schließung der Berg-Gastronomie 2009", begründet Kloster das Aus für die Seilbahn. Der Pachtvertrag für den Parkplatz mit der Gemeinde laufe zum 31. August aus und sei fristgerecht im vergangenen Jahr gekündigt worden.

Die Seilbahn selbst gehöre der Horst AG, ebenso die Ahrbrücke und der zweite dahinter liegende Parkplatz. Klosters größter Wunsch: "Dass sich ein Käufer findet und die Seilbahn nicht abgerissen werden muss." Das steht nämlich im Vertrag. Findet sich kein Käufer, muss die Horst AG den Rückbau einleiten.

"Das wäre schade", sagt Andreas Kloster, der gestern historische Seilbahnfotos zusammenstellte, denn die Schließung der einstigen Touristenattraktion hatte sich auch bei einem Kamerateam des WDR rundgesprochen.

Doch die Zahlen, die Vater und Sohn dem General-Anzeiger vorlegten, sprechen eine eigene Sprache. 47.549 Berg- oder Talfahrten wurden in der Saison 2011 gezählt. 1975, in den Glanzjahren der Seilbahn, waren es stolze 400.000. Doch dann ging es im Wortsinne bergab. Denn bereits elf Jahre später, also 1986, hatte sich die Zahl der bezahlten Fahrten auf 280.000 reduziert. "Aber die Zeiten der Sonderzüge und -busse sind vorbei", sagt Kloster. "Standen in den 80er Jahren Samstagsabends um 23 Uhr noch 130 Busse auf dem Parkplatz, sind es heute höchstens fünf." Gestern Morgen war es einer: Der Fahrer der Stadtwerke Bonn machte Pause.

"Der Weiterbetrieb funktioniert nur mit einem Gesamtkonzept und nur auf privater Basis", sagte gestern Achim Haag. Der Altenahrer Verbandsbürgermeister sieht keine Chance für einen kommunalen Rettungsschirm: "Das ist nicht die Aufgabe von Orts- und Verbandsgemeinde." Bleibt also nur ein Schild: "Seilbahn zu verkaufen." Am Imbiss neben der Talstation hängt schon eins.