Zeitzeugengespräch in Ahrweiler

Mit der Mutter in der Hundehütte überlebt

Erzählt den Ahrweiler Grundschülern in der Synagoge ihre bewegende Lebensgeschichte: Tamar Dreifuss.

Erzählt den Ahrweiler Grundschülern in der Synagoge ihre bewegende Lebensgeschichte: Tamar Dreifuss.

AHRWEILER. Grundschüler führen nach der Verlegung der Stolpersteine ein Projekt durch und treffen auf die Zeitzeugin Tamar Dreifuss.

Es waren die Geschichten, die sich hinter den Stolpersteinen versteckten, die die Viertklässler der Ahrweiler Aloisiusschule interessierten. Als sie im November bei der Verlegung durch Gunter Demnig die Namen der ermordeten jüdischen Mitbürger vor den Häusern laut vorlasen, da war das Interesse geweckt.

So entstand ein fruchtbares Projekt zwischen Rathauskultur, Schule, der Autorin Tamar Dreifuss und der Offenen Kinder- und Jugendarbeit um Leiterin Sara Wessel, das gestern in der Ehemaligen Synagoge seinen Höhepunkt fand. Ausgestellt waren dort in einem Koffer Aquarelle, auf denen die Schüler das festgehalten hatten, was ihnen im Falle einer Flucht lieb und teuer gewesen wäre. Sie bastelten aus Alltagsgegenständen Stofftiere, gestalteten einen Kinderstadtplan, auf dem alle 30 Stolpersteine verewigt sind und schrieben sogenannte "Elfchen": kurze Gedichte aus elf Worten. So formulierte Meit aus der Klasse 4 c: "Flucht, laufen, müde, Hunger, Durst, kalt, Angst, Soldaten, nicht finden, Rettung."

Gestern trafen sie auf Tamar Dreifuss (76) aus Pulheim, deren kindgerechtes Buch "Die wundersame Rettung der kleinen Tamar 1944" sie im Unterricht gelesen hatten. Auf Drängen ihrer Enkelin mit den Worten "Oma, erzähl doch! Wenn Du nicht überlebt hättest, dann wären wir auch nicht da" hatte die 1938 im litauischen Wilna geborene Jüdin dieses Buch 2009 geschrieben: "Es ist ein trauriges, aber Hauptsache das Ende ist dank des Mutes meiner Mutter gut."

Im regen Austausch tauchte sie mit den Kindern in ihre Lebensgeschichte ein; thematisierte mit ihnen Aspekte wie Mut, Freundschaft, Ausgrenzung und Zusammenhalt. Dass sie ihr Überleben auch dem Gutshund Tigris verdankt, in dessen großer Hütte sie sich mit ihrer Mutter vor Partisanen verstecken konnte, freute die Kinder besonders. Und der Umstand, dass ein kleiner Stoffbär, den sie während des Krieges bei sich trug, sie heute noch begleitet. Das gemeinsame Singen von "Hallelujah" und "Hevenu Schalom Alejchem" krönte den Morgen.