Programmierte Kapitulationen

Möhnen erobern Remagen, Sinzig, Bad Breisig, die Grafschaft und die Kreisstadt

27.02.2014 Kreis Ahrweiler. Fest in Narrenhand sind seit Donnerstagmorgen die Rathäuser von Remagen, Sinzig, Bad Breisig, der Grafschaft und von Bad Neuenahr-Ahrweiler. Beigeordnete und Bürgermeister waren auf Kapitulation programmiert.

Bad Breisig. Bürgermeister Bernd Weidenbach musste seine Krawatte am Donnerstag nicht opfern. Denn, wer krank im Bett liegt, wird auch nicht von den Möhnen überfallen. So war der Rathaussturm eine reine Frauensache. Denn die Beigeordneten Gabriele Hermann-Lersch und Silvia Czech wollten sich partout nicht gegen die Möhnen um Gisela Monien wehren.

Dafür wurde lieber miteinander angestoßen. Auch auf den Mann mit dem grippalen Infekt, denn eigentlich sollte der Empfang eine Art Abschiedsvorstellung werden: Weidenbach tritt im Mai nicht mehr als Stadtbürgermeister an. Kandidatin Hermann-Lersch übte schon mal.

Grafschaft. Im Ringener Rathaus wurde die Zeit zurückgedreht. Bürgermeister Achim Juchem sowie die Beigeordneten Helga Dohmganz und Michael Schneider empfingen die Jecken und Möhnen aus allen Grafschaft-Orten von Gels- über Nieren- bis Birresdorf als Hippies. Der Grund: 40 Jahre Grafschaft.

Und im Gründungsjahr 1974 gab es neben dem ersten Golf und dem Weltmeistertitel für Franz Beckenbauer und Co. eben noch Hippies. Grund für eine Frotzelei mit Alt-68erin Dohmganz: "Das Hippie-Kostüm ist doch vom Dachboden?" "Nee, aber ich hab' die Leute damals mit meinem Aussehen schon erschreckt." Freude bereitete das Rathaus-Trio am Donnerstag zudem Kindergärten, Schulen, Möhnen und Korporationen. Kartonweise wurden Gummibärchen verteilt.

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Nicht, weil man in Bad Neuenahr wegen der Ahr-Thermen baden gegangen ist oder Schiffbruch erlitten hat, übergab Kreisstadt-Bürgermeister Guido Orthen als Kapitän mit den Beigeordneten und Abteilungsleitern als Matrosen widerstandslos das Ruder des Rathaus-Schiffes an die acht Möhnengesellschaften ab. Raddedoll waren die Wiever von Ehlingen bis Ramersbach, die nicht nur ausgefallene Präsente für "ihren Guido" mit an Bord nahmen, sondern die Stadt-Mannschaft mit kommunalpolitischen Themen Kiel holten.

So waren die mobilen Radarfallen auf der Kommandobrücke ebenso in aller Munde wie die Schließung des Bad Neuenahrer Bades. Gerne hätten die Ramersbacher Wiever gesehen, wenn von den Knöllchen das neue Bürgerhaus finanziert worden wäre. Beim "Käptns Dinner" stellten sie fest: "Guido, Du bess so dünn." So bekam der Stadtchef statt Labskaus Tütensuppe und Topflappen, um die heißen Themen in der Stadt anpacken zu können.

Remangen. Mit den Nachtjacken, Höppe Mötzje, Stippeföttche, Top 7, Quasselstrippen, Sternschuppen und der Gruppe Marlene hatte Obermöhn Ingrid Efferz ihre Truppen auf dem Marktplatz in Stellung gebracht, um zum Sturm auf das Remagener Rathaus zu blasen. Dabei wurden die jecken Wiever von den Stadtsoldaten, der Prinzengarde und dem Elferrat der KG Narrenzunft unterstützt. Allerdings gab sich Bürgermeister Herbert Georgi ohne große Gegenwehr geschlagen.

Der Rathausschlüssel und die Stadtkasse wurden ebenso eine sichere Beute der Möhnen wie Georgis Krawatte. Nachdem Prinzessin Corinna I. (Schilling) und Kinderprinzessin Jessica I. (Kossin) die Macht übernommen hatten, trat Fändelschwenkerin Maria Schorn in Aktion.

Sinzig. Der Sturm der Stadtmaure-Möhne auf das Weiße Rathaus wurde zum Einsatz für eine ganz große Sache. Denn Obermöhn Claudia Busch und ihre Mädels stürmten im Namen des Weltkulturerbes. Erster Schritt: Der Ratssaal wurde zur Karnevalshochburg. Auch eine Namensänderung gab es. Bürgermeister Wolfgang Kroeger wurde zur "Stadtmauremöhn Waltraud" umgestylt. Mit Hut versteht sich.

"Möhnen tragen keine Krawatten", kommentierte Claudia Busch - es war ihre Premiere als Obermöhn - dann auch ihren gezielten Einsatz der Schere an Kroegers Schlips. (mm/ln/GS/lz)