Schul-Sozialpraktikum

In vielen Situationen ist ihr Blick jetzt ein anderer

Ihre Erfahrungen hielten die Schüler auf großen Postern fest.

Ihre Erfahrungen hielten die Schüler auf großen Postern fest.

KREISSTADT. Im 20. Jahr des Sozialpraktikums am Peter-Joerres-Gymnasium sind 151 Jugendliche in 77 Institutionen tätig

Ein Thema wie Demenz ist mehr als ein Schlagwort, es ist gekoppelt an Erlebnisse und Begegnungen mit Menschen, die daran erkrankt sind. Jedenfalls für die Schüler des Peter Joerres Gymnasiums Ahrweiler (PJG), die ein Sozialpraktikum bei alten Menschen gemacht haben.

Wie in jedem Jahr, so ging es auch dieses Jahr für alle Elftklässler in den ersten drei Wochen nach den Weihnachtsferien nicht in die Schule, sondern in 77 Institutionen im Kreisgebiet und darüber hinaus. Die 151 Schüler waren in Krankenhäusern, Kliniken, Seniorenheimen, Kindertagesstätten, Grundschulen, förderpädagogischen, psychiatrischen und Behinderteneinrichtungen tätig. Sie sollten Erfahrungen sammeln, die ihnen die Schule nicht vermitteln kann, die nur selbst gemacht werden können, indem man hinausgeht und mit anderen Menschen in Kontakt kommt. Das war nach Angaben des PJG auch die Absicht, die im Schuljahr 1993/94 bei der Einrichtung des verpflichtenden Sozialpraktikums für alle Schüler des Jahrganges 11 im Vordergrund stand. Damit sei das PJG seinerzeit die erste Schule im nördlichen Rheinland-Pfalz gewesen, die einen solchen Einschnitt in die "normale" Schullaufbahn beschlossen und umgesetzt habe. Auch im 20. Jahr des Sozialpraktikums wurden zurück in der Schule Erfahrungen ausgetauscht und diese für die Mitschüler am PJG auf großen Postern festgehalten. In vielen Situationen ist der Blick der Jugendlichen jetzt ein anderer. Sie bauten Berührungsängste ab, erfuhren eigene Grenzen und waren oft überrascht, was sie doch alles konnten.

So erzählte eine Schülerin nach dem Praktikum ihrem Lehrer: "Ich habe fast jeden Tag lange mit dieser Frau über ihr früheres schweres Leben geredet und hatte jedes Mal den Eindruck, dass es ihr irgendwie gut tut, darüber zu sprechen, und ich selbst habe dabei sehr viel gelernt." Ein anderer 17-Jähriger merkte nach seinem Einsatz in einer Kindertagesstätte vor der ganzen Stufe an: "Irre, wie die Kleinen an einem hängen und einem plötzlich bewusst wird, dass das auch viel Verantwortung bedeutet." Koordiniert und betreut wird das Sozialpraktikum seit vielen Jahren von den Lehrern Karin Friele und Thomas Riedel.