Bundestagswahl

FDP ist im Ahrkreis wieder obenauf

Nach der Wahl ist vor der Wahl: Derzeit beschäftigen sich die Parteien mit der Analyse der Ergebnisse.

Nach der Wahl ist vor der Wahl: Derzeit beschäftigen sich die Parteien mit der Analyse der Ergebnisse.

KREIS AHRWEILER. Die Parteien im Ahrkreis beschäftigen sich mit der Analyse der Wahl. SPD-Abgeordnete Andrea Nahles spricht von einem Neuanfang. Die CDU verzeichnet Verluste auf allen Ebenen.

Ach, wenn doch nur die „Juniorwahl“ am Gymnasium Calvarienberg in Ahrweiler insgesamt gegolten hätte, mag FDP-Bundestagskandidatin Christina Steinhausen am Wahlabend gedacht haben. Dann hätte die 38-jährige Liberale aus Remagen nämlich im Wahlkreis Ahrweiler mit 47,3 Prozent das Direktmandat gewonnen und die AfD hätte nicht eine einzige Stimme bekommen.

Das von der Bundesregierung unterstützte Projekt zur politischen Bildung in Schulen bildete freilich nicht das tatsächliche Ergebnis der Bundestagswahl ab. Die 200 Schüler der Jahrgangsstufen zehn bis zwölf wählten dann doch sehr viel anders als der Rest der Republik.

Dennoch konnte Steinhausen zufrieden sein: Sie holte eines der besten FDP-Ergebnisse in Rheinland-Pfalz, was dennoch nicht für einen Einzug ins Parlament reichte. Auch bei den Zweitstimmen (11,6 Prozent) lag man über dem Landesschnitt (10,4).

Besonders im Landkreis Ahrweiler sorgte Steinhausen für zufriedene Mienen: Mit 10,4 Prozent der Erststimmen war sie Primus aller FDP-Kandidaten im Land. Im AW-Kreis erzielte die FDP mit 13 Prozent auch das stärkste Zweitstimmenresultat. Steinhausen: „Unser Ergebnis ist cool. Das der Schüler vom Calvarienberg natürlich erst recht.“

SPD will organisatorischen Neuanfang

Woanders gab es weniger Grund zur Freude: Im landesweiten Vergleich lag die CDU im Wahlkreis 198 bei den Zweitstimmen mit 40,6 Prozent zwar satt unter dem Ergebnis von 2013, jedoch immerhin noch erheblich über dem Landesdurchschnitt (35,9 Prozent). Die SPD wich im Wahlkreis (22,7) lediglich 1,5 Prozentpunkte vom Landesergebnis (24,2) ab.

Bei den Grünen im Kreis Ahrweiler lag man etwas unter dem Landestrend: 6,7 Prozent standen einem Rheinland-Pfalz-Ergebnis von 7,6 Prozent gegenüber. Ebenso die Linke, die in der Region „unter Durchschnitt“ blieb: Im Wahlkreis 198 gab es bei den Zweitstimmen magere 5,7 Prozent, im Land kam man zumindest auf 6,8 Prozent. Auch die AfD mit ihrer örtlichen Spitzenkandidatin Kathrin Koch (Bad Breisig) kam nicht an das Landesergebnis der „Alternative für Deutschland“ heran. Bei den Zweitstimmen gab es an Rhein und Ahr 9,6 Prozent, im Land hingegen 11,2 Prozent.

„Ich bedanke mich bei den Wählern in meinem Wahlkreis für die Unterstützung. Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Ausgang ein bitteres Ergebnis für die SPD ist“, meinte die noch amtierende Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles. Ihre Partei habe nicht das Vertrauen und die Unterstützung bekommen, die Bundesregierung zu führen. „Das ist eine große Niederlage, das müssen wir uns eingestehen. Wir brauchen einen programmatischen und organisatorischen Neuanfang. Ein weiter so kann es nicht geben“, so Nahles zum General-Anzeiger.

Wieder Wettbewerb zwischen CDU und SPD

„Wenn wir alles richtig gemacht hätten, hätten wir ein anderes Ergebnis“, meinte sie weiter. Die „Freunde der schwarzen Ampel“ hätten in den letzten Wochen „zusammen geblinkt“, jetzt müssten sie auch zusammen arbeiten. Nahles: „Die große Koalition ist abgewählt worden. Für die SPD besteht bei dem Wahlergebnis überhaupt kein Anlass, über eine Weiterführung der GroKo nachzudenken. Es muss wieder einen erkennbaren Wettbewerb zwischen Union und SPD geben.“

Im Bundestag werde nun eine rechtsextreme Partei sitzen, die Neonazis in ihren Reihen dulde. Das zwinge zum Handeln. „Unser Land braucht gerade jetzt mehr denn je eine starke und selbstbewusste SPD. Dafür werde ich alles mir Mögliche tun“, sagte Nahles, die nun als künftige Fraktionschefin der SPD im Bundestag gehandelt wird.

Deutliche Verluste der CDU auf allen Ebenen

Von einem „Wahlabend, der uns in der CDU wirklich nicht zufriedenstellen kann“, spricht CDU-Direktkandidatin Mechthild Heil. Es gab sehr deutliche Verluste für die Union auf allen Ebenen, die auch an Heils Wahlkreis nicht vorbeigegangen sind. Im Gegenteil: Heil fuhr trotz souveränem Wahlkreissieg kräftige Verluste ein.

„Der Einzug der AfD in den Bundestag verlangt von uns inhaltliche Antworten auf die Sorgen und Ängste der Menschen. Gute Politik kann das aber schaffen“, meinte die Andernacherin, die zum dritten Mal das Direktmandat gewann. Die CDU habe trotz der Verluste einen klaren Regierungsauftrag, „dem wir uns stellen werden“, so Heil. Die SPD habe sich „direkt um 18 Uhr aus der möglichen Verantwortung gestohlen“. Die Union werde dies nicht tun.

„Meinen Wahlkreis konnte ich wieder deutlich gewinnen, trotz Konkurrenz von wieder erstarkter FDP, der Protestpartei AfD und einer Bundesministerin der SPD“, sagte Mechthild Heil, die am Montag an der CDU-Bundesvorstandssitzung teilnahm und am Dienstag nach Berlin zur konstituierenden Sitzung der neuen CDU/CSU-Bundestagsfraktion reisen wird. Sie freue sich auf die Arbeit der nächsten Zeit mit neuen Herausforderungen.