Ahrweiler und Neuwied

FDP gegen Windkraft im Rheintal

Animation der Bürgerinitiative: So sollen sich die Windräder optisch auswirken.

KREIS NEUWIED/KREIS AHRWEILER. Die Vorstände der FDP im Kreis Ahrweiler und im Kreis Neuwied wollen gemeinsam eine Resolution auf den Weg bringen, mit der ein Bau von Windkraftanlagen im Rheintal unterbunden werden soll. Dies teilte der Vorsitzende der Liberalen im Landkreis Ahrweiler, Ulrich van Bebber, am Wochenende nach einer gemeinsamen Sitzung mit seinen Parteifreunden von der anderen Rheinseite mit.

Insbesondere bereiten der FDP Pläne in Erpel und Rheinbreitbach Sorgen, wonach auf den dortigen Höhenzügen Windräder gebaut werden sollen, die eine starke Sichtbeeinträchtigung vom Rodderberg, dem Rolandsbogen, den Oberwinterer Hanglagen und der Apollinariskirche darstellen würden. Auch in den Gemeinden der gegenüberliegenden Verbandsgemeinde Unkel regt sich heftiger Widerstand. Die dort gegründete Bürgerinitiative "Pro Naturpark Pur" befürchtet: "Unser Naturpark droht unter die Räder zu kommen."

18 "Windkraft-Giganten" mit jeweils einer Höhe von fast 200 Metern, also je rund 40 Meter höher als der Kölner Dom, seien in der Verbandsgemeinde Unkel angedacht. Derzeit werde am Flächennutzungsplan gearbeitet, um das Vorhaben auch planungsrechtlich realisieren zu können, berichtete der Sprecher der Initiative, Karsten Keune.

Die am Planverfahren zu beteiligende Stadt Remagen habe zunächst noch keinen Widerspruch eingelegt, da sie offenbar nicht von Sichtbeeinträchtigungen ausgehe, so Keune, der auf Einladung der AW-FDP ins am Hang gelegene Hotel "Haus Oberwinter" gekommen war, um dort mit Hilfe einer Computeranimation aufzuzeigen, welches optische Szenario sich bieten wird, sollte es zum Bau der Windkrafträder kommen. "Das ist ja eine Katastrophe", meinte Rosa Maria Müller von den Remagener Liberalen, als sie die Bilder sah.

Die Verbandsgemeinde Unkel, so Keune, sei im Zugzwang, da sie ohne Rücksicht auf den Willen der Bevölkerung einen Vertrag mit dem Energieversorger EVM als Betreiber der geplanten Anlagen geschlossen habe. Sollten die Windräder wider Erwarten wegen etwaiger negativ verlaufender Gutachten nicht gebaut werden und die Politik sich gegen die Anlagen ausspricht, so sei die VG vertraglich verpflichtet, sämtliche bisher angefallenen Gutachterkosten zu übernehmen.

Nicht zuletzt deshalb werde mit Hochdruck in der VG Unkel daran gearbeitet, das Projekt zustande kommen zu lassen. Hauptgrund: "Die Ortsgemeinden Rheinbreitbach, Erpel, Bruchhausen und die Stadt Unkel sollen pro genehmigter Windkraftanlage zusammen 40 000 Euro jährlich erhalten", rechnete Keune vor. Macht bei 18 Windrädern 720 000 Euro. Eine große Verführung für die finanziell klammen Kommunen. Keune sprach vom "Unkeler Modell": "Erst wird beschlossen, dann gebaut. Und dann erst wird die Bevölkerung informiert." Bis Ende 2014 sollen nach seiner Darstellung Fakten geschaffen werden. Danach fließen nämlich weniger Fördermittel.

"Noch ist das Projekt nicht durch", sagte der Sprecher der rechtsrheinischen Bürgerinitiative. Aber es gelte wachsam zu sein, sonst würden vollendete Tatsachen zum Nachteil auch der Remagener Bürger geschaffen. Umgekehrt wolle man verhindern, dass auf Remagener Seite Windkraftanlagen entstünden. Als Potenzialflächen kämen dafür Wald-Areale am "Dungkopf" sowie am "Scheidskopf" in Frage.

Statt in die Abendsonne würden die Bewohner Rheinbreitbachs oder Erpels dann auf die Rotoren der 200 Meter hohen Bauwerke schauen. Zudem müssten unzählige Quadratmeter Wald abgeholzt werden, um den Bau der Anlagen möglich zu machen. Traurig, so FDP-Kreisvorsitzender Uli van Bebber, sei dabei die Rolle der Grünen: "Die haben all ihre Werte über Bord geworfen."