Schnelle Integration gefordert

"Für eine positive Willkommenskultur"

Ehrenamt: Traumatisierte Flüchtlingskinder aus Syrien werden vom Integrationsdienst der Caritas im Kreis Ahrweiler in Workshops betreut. Dazu gehört auch Hip-Hop. FOTO: GÜNTHER SCHMITT

Ehrenamt: Traumatisierte Flüchtlingskinder aus Syrien werden vom Integrationsdienst der Caritas im Kreis Ahrweiler in Workshops betreut. Dazu gehört auch Hip-Hop.

KREIS AHRWEILER. Kreis- und Umweltausschuss will für die Flüchtlingshilfe Ehrenamtler an einen Tisch bringen.

VON GÜNTHER SCHMITT

Fragen zur Situation der Flüchtlinge im Kreis Ahrweiler beschäftigten auf Antrag der SPD-Fraktion den Kreis- und Umweltausschuss. "Es geht uns um einen Überblick, nicht um die Kosten", machte Lorenz klar. Denn für die Sozialdemokraten ist klar: "Es geht darum, einen Beitrag zur positiven Willkommenskultur zu leisten." Und darum, dass Flüchtlinge bei Behörden "nicht als erstes deutschen Wort den Begriff Zuständigkeit lernen".

Die aktuellen Zahlen lieferte Klaus Kniel aus dem Sozialamt. Seit Beginn des Jahres wurden dem Kreis Ahrweiler bis zum Stichtag 2. Dezember 322 Asylbewerber zugewiesen. Im Vorjahr waren es 176. Zuständig für die Unterbringung seien die Kommunen. Während Bad Neuenahr-Ahrweiler und Remagen auch Gemeinschaftsunterkünfte hätten, seien in anderen Kommunen Asylbewerber und Flüchtlinge vorübergehend auch in Hotels, Pensionen oder Ferienwohnungen untergebracht worden.

"Der Schlüssel zur Integration ist die Sprache", machte Landrat Jürgen Pföhler klar. Da werde zum Beispiel in den Kindergärten auf aktuell 37 interkulturelle Fachkräfte - viele mit Migrationshintergrund - gesetzt. Da beteilige sich der Kreis an den Personalkosten mit jährlich 670 000 Euro. Aktuell laufen bei der Kreisvolkshochschule acht Integrationskurse mit je 15 bis 18 Teilnehmern. Zwei seien Alphabetisierungskurse speziell für Syrer, zwei für Jugendliche und vier für Erwachsene. Zusätzlich würden im laufenden Kindergartenjahr 86 Sprachfördermodule in 52 Kindergärten des Kreises angeboten.

Bei der Betreuung arbeiten die örtlichen Sozialämter, der Integrationsfachdienst der Caritas und die Ökumenische Flüchtlingshilfe zusammen.

Die Botschaft des Kreis- und Umweltausschusses ist die Anregung eines Runden Tisches. Das fasste Pföhler zusammen: "Es geht darum, die ehrenamtlich Tätigen bei der Flüchtlingshilfe zusammen zu führen. Wobei der Grundsatz der dezentralen Organisation bleibt."

Wobei Guido Ernst (CDU) darauf hinwies, dass "auch das Ehrenamt seine Probleme hat, Funktionen zu besetzen" und Wolfgang Schlagwein auf die Erfahrungen früherer Runder Tische zurückgegriffen sehen wollte.

Über die Kosten wollte die AfD Auskunft haben. Eine Landeserstattung ist laut Kniel auf drei Jahre befristet, wobei der Kreis in Vorleistung treten muss. Für jeden Asylbewerber erhält der Kreis rückwirkend eine pauschale Landeserstattung von 502 Euro pro Monat. Ein Betrag, der nicht ausreiche, die Kosten zu decken. Er führte ein Beispiel an: Auf einen alleinstehenden Asylbewerber entfallen demnach Aufwendungen für Lebensunterhalt, Miete, Nebenkosten und Krankenhilfe von durchschnittlich 1005 Euro pro Monat. Für eine Familie mit zwei Kindern im Alter von acht und 15 Jahren sind es monatlich 2876 Euro.

Hauptursache für die Unterdeckung sei die zeitliche Befristung der Landeserstattung auf drei Jahre. So gebe es für gut ein Drittel der Betroffenen keine Landesmittel mehr. Für diese gebe es nach dem Asylbewerbergesetz aktuell einen Kostendeckungsgrad von 40 Prozent, den Rest müsse der Kreis tragen. Was dazu führe, dass das vom Kreis zu tragende Defizit allein für 2014 rund 1,5 Millionen Euro ausmache. Hinzu kämen dann noch die Personalkosten für die interkulturellen Fachkräfte.

Auch deshalb forderte Pföhler eine "schnelle Integration" und Ulrich van Bebber (FDP) sah abseits der Frage der Finanzierung durch die Flüchtlinge "Potenzial und Chancen" gegen die Folgen des demografischen Wandels.