ERSTE AHRWEILER FREIHEITSWOCHEN

Ein Hort der Freiheit

AHRWEILER.

Begegnung und Dialog stehen am Premieren-Wochenende vom 3. bis zum 6. März in Bad Neuenahr-Ahrweiler im Mittelpunkt. Schirmherr Paul Kirchhof verleiht Preis an Hans-Dietrich Genscher. 1989 kamen die DDR-Flüchtlinge aus der Prager Botschaft in Ahrweiler an, heute kommen sich aus Syrien und Pakistan.

Was verbindet die Brücke von Remagen, die Ahrweiler Dokumentationsstätte Regierungsbunker, die Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ), die Synagogen im Kreis und den Ehrenfriedhof Bad Bodendorf miteinander? Ihre Geschichte und der Umstand, dass internationale Friedensgespräche der Bonner Politprominenz mit Kollegen aus aller Welt häufig im Ahrtal stattfanden, ließen die Idee der Ahrweiler Freiheitswochen vom 3. bis zum 6. März reifen. Projektleiter ist Wolfgang Grambs, der zehn Jahre die länderübergreifende Krisenmanagement-Übungsserie „Lükex“ koordinierte. Die Arbeit des eigens gegründeten Fördervereins wird von der Landesregierung ebenso unterstützt wie von Kreis und Stadt. Unter dem Leitthema „Freiheit, die ich meine“ und mit der Motivation, einen Dialog anzuregen, gibt es an den vier Tagen eine Mischung aus Vorträgen, Diskussionsrunden, Ausstellungen, Konzerten, Lesungen, Kunstprojekten und einem Schülerwettbewerb.

Was verbindet den Balkon der Deutschen Botschaft in Prag mit dem Landrat-Joachim-Weiler-Platz vor dem alten Bahnhof in Ahrweiler? Beide tragen Gedenktafeln, erinnern an die Wende in Europa. Vom Balkon der Deutschen Botschaft verkündete am Abend des 30. September 1989 der damalige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher, dem am 5. März der erste Freiheiter-Preis verliehen wird, den auf das Botschaftsgelände geflüchteten DDR-Bürgern: „Liebe Landsleute, wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland möglich geworden ist.“ Das Satzende ging im Jubel unter.

Am Ahrweiler Bahnhof steht ein Stück Berliner Mauer, mit dem sich die Flüchtlinge aus der Prager Botschaft, damals nannte man sie DDR-Übersiedler, für die freundliche Aufnahme bedankten. Denn der Bahnhof war die Stelle, an der die Flüchtlinge aus der Prager Botschaft zum ersten Mal bundesdeutschen Boden betraten. „Zur Erinnerung an unsere friedliche Revolution und unsere herzliche Aufnahme im Kreis Ahrweiler. Danke, die DDR-Flüchtlinge vom 5. Oktober 1989“ steht auf dem Stück Mauer geschrieben.

An jenem 5. Oktober 1989 kamen 800 DDR-Übersiedler, die tags zuvor in Prag abgefahren waren, mit einem Sonderzug in Ahrweiler an. Sie waren die ersten Flüchtlinge. 30 000 sollten folgen, erst aus der DDR, dann aus der damaligen Sowjetunion. „Wir erleben hier Weltgeschichte“, sagte damals ein Zuschauer auf dem Bahnsteig. Hunderte von Menschen begrüßten den Sonderzug, aus dessen Fenstern die Flüchtlinge „Freiheit, Freiheit“ skandierten. Ost und West schlossen sich in die Arme.

Erstaufnahmestation war damals die Katastrophenschutzschule des Bundes, auf deren Gelände heute die AKNZ in Amtshilfe des Bundes eine Erstaufnahmeeinrichtung des Landes für Asylbegehrende vom DRK betrieben wird. „Von der Hilfsbereitschaft hier in Ahrweiler bin ich überwältigt“, sagte nur drei Tage später Bundespräsident Richard von Weizsäcker, als er seine neuen Landsleute besuchte. Die Zeiten mögen sich geändert haben, von Weizsäckers Feststellung dürfte jedoch auch heute noch gelten. Nur das Klientel hat sich geändert: Syrer und Pakistani statt DDR-Bürger und Russlanddeutsche.