150 Jahre Volksbank Rhein-Ahr-Eifel

Die Not machte erfinderisch

Schwertransport: 1941 wurde der Tresor für die Kreditbank an der Bad Neuenahrer Poststraße angeliefert. Unweit befindet sich die heutige Zentrale der Volksbank Rhein-Ahr-Eifel.

Schwertransport: 1941 wurde der Tresor für die Kreditbank an der Bad Neuenahrer Poststraße angeliefert. Unweit befindet sich die heutige Zentrale der Volksbank Rhein-Ahr-Eifel.

KREIS AHRWEILER. Not macht erfinderisch - und gemeinsam ist man stark. Das sagte sich Friedrich Wilhelm Raiffeisen Mitte des 19. Jahunderts. Der Sozialreformer gilt als Vater der Genossenschaften und Genossenschaftsbanken. Seine Idee wurde vor 150 Jahren im Kreis Ahrweiler aufgegriffen.

Am 16. Dezember 1866 schlossen sich in Antweiler 48 Männer und eine Frau zusammen und gründeten den "Darlehnskassenverein für die Bürgermeisterei Antweiler". Das waren die Wurzeln für die Volksbank Rhein-Ahr-Eifel, die in diesem Jahr ihr 150-jähriges Bestehen feiert. "Der offizielle Festakt ist für den 9. September geplant", berichtet Vorstandschef Elmar Schmitz zum Start ins Jubiläumsjahr.

Die Eifel war 1866 eine der wirtschaftlich ärmsten Regionen Deutschlands. Nicht umsonst galt sie als "Preußisch Sibirien": Arm, verlassen, regenreich und kalt. Auch wenn sich die Bürgerrechte seit der Mitte des Jahrhunderts langsam positiv entwickelten und die Gewerbefreiheit 1861 neue wirtschaftliche Chancen gebracht hatte, war in der Eifel von wirtschaftlicher Aufbruchsstimmung nichts zu spüren. Stattdessen herrschten Hungersnöte, immer wieder kam es zu neuen Auswanderungswellen. Zu dieser Zeit gab es auf dem Land noch keine Geldinstitute. Private Geldgeber und wucherische Händler trieben ihr Unwesen.

Um Kredite für das Zuchtvieh oder die Saat zu bekommen, mussten die Bauern hohe Zinsen in Kauf nehmen. Zwangsversteigerungen waren nach Missernten an der Tagesordnung. Das war die Zeit, als in Antweiler Pioniere die Bedeutung der sogenannten Vorschussvereine als Selbsthilfeorganisationen erkannten. Das Resultat war die Gründung des Darlehnskassenvereins nach dem Vorbild Raiffeisens. Diente der Verein in den Anfängen nur der Versorgung seiner Mitglieder mit Krediten, kam drei Jahre später das Spargeschäft hinzu. Wer Sparkonten anlegen oder Kredite haben wollte, musste Mitglied werden. Die Kunden waren also gleichzeitig die Eigentümer "ihrer" Bank. Aus vielen kleinen Einlagen der Mitglieder ergab sich das dringend benötigte Kapital für Kredite, mit denen in der Eifel investiert werden konnte.

Dem guten Beispiel von Antweiler folgend, entstanden weitere Kreditgenossenschaften an Rhein und Ahr. Insgesamt waren es 72 Vorgängerin-stitute, die sich im Laufe der Jahre zu größeren Banken zusammenschlossen.  2002 vereinigten sich mit der Fusion der Volksbank Rhein-Ahr und der Volksbank Vulkaneifel die beiden letzten großen Stränge zur heutigen Volksbank Rhein-Ahr-Eifel. So wurden aus  ursprünglich 49 Miteigentümern im Jahr 1866 bis heute 85 000 Genossenschaftsmitglieder. Souverän der Bank ist die Vertreterversammlung, Aufsichtsratschef ist Rudolf Mies aus Mayschoß und Vorstandvorsitzender Elmar Schmitz. 

Schmitz ist "fest davon überzeugt", dass der genossenschaftliche Gedanke Zukunft habe. "Die genossenschaftlichen Prinzipien Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung gelten bis heute. Wir machen Geschäfte, die wir können, mit Menschen, die wir kennen", betont der Vorstandschef. Und: "Für uns stehen die Interessen unserer Mitglieder vor Ort im Vordergrund und nicht die Wünsche von Investoren nach maximaler Dividende und das Gewinnstreben anonymer Aktienkäufer. Gerade während der jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten hat sich einmal mehr gezeigt, wie stabil unser Modell ist." 

 Die Meilensteine, Wende- und Höhepunkte der Bankgeschichte sind zu einer Ausstellung zusammengefasst worden, die ab Jahresbeginn "durch das Geschäftsgebiet reist". Zusätzlich wurde zum Jubiläum eine Broschüre aufgelegt, die in Kürze vorgestellt werden soll.