Freilichtmuseum auf der Grafschaft

Die Frankensiedlung nimmt Gestalt an

Das Grundstück für die geplante Frankensiedlung.

GRAFSCHAFT. Nun nimmt die geplante Frankensiedlung nach mehreren vergeblichen Anläufen doch noch Gestalt an. Wie berichtet, soll das kleine Freilichtmuseum auf einem rund 12 000 Quadratmeter großen Areal zwischen Nierendorf und Birresdorf entstehen.

Mit dem Projekt Frankensiedlung soll das Alltagsleben im 5. bis 8. Jahrhundert in unserer Region dargestellt werden. Dazu wird eine dörfliche Struktur aufgebaut, wie sie in dieser Zeit üblich war.

Der Besucher der Siedlung soll von der Lebensweise und dem Tagesablauf der einfachen Menschen auf dem Lande einen Eindruck bekommen. Geschaffen werden soll die kleine Siedlung vom Verein "Frankensiedlung Nithrindorp". Am 29. und 30. August wird das Projekt offiziell vorgestellt.

Es werden Einblicke in die handwerklichen Fähigkeiten der damaligen Menschen geboten. "Die meist einfachen, teilweise aber auch überraschend aufwendigen Arbeitstechniken sollen verständlich machen, was alles zu dieser Zeit möglich war", erklärte der Vorsitzende des Nithrindorp-Vereins, Mathias Heeb. Die Bewohner waren seinerzeit hauptsächlich Selbstversorger und mussten Alltagsgegenstände wie Geschirr und Werkzeug in Eigenleistung herstellen.

Herzstück werden die Gebäude sein

In der Frankensiedlung soll nach Heebs Vorstellungen viel Wert auf die Darstellung der Ernährung und der Landwirtschaft gelegt werden: Hierzu soll gleich neben der Siedlung eine separate Parzelle angepachtet werden. Die Fläche soll dem Anbau von Pflanzen und Bäumen dienen, die den damaligen Bewohnern zur Verfügung standen. In einem Kräutergarten sollen die Besucher einen Einblick erhalten, welche Gewürze zur Zubereitung von Speisen genutzt wurden. Pflanzen, die zum Färben von Leinen und Wolle dienten, werden auf einer besonderen Fläche angebaut, so Heeb.

Herzstück soll aber die eigentliche Siedlung mit ihren Gebäuden sein. Alle Gebäude werden nach Mitteilung des Vereins grundsätzlich mit den Materialien Holz und Lehm gebaut. In einer späteren Ausbaustufe des Projektes soll auch der Landwirtschaft mit Tieren Raum gegeben werden.

Insbesondere Kinder sollen dort Nutztiere auf eine naturverbundene ursprüngliche Weise kennenlernen und sie in einer bäuerlichen Umgebung erleben, unterstrich Heeb gegenüber dem General-Anzeiger. Wer richtig in die Welt der Franken eintauchen will, dem soll die Möglichkeit offeriert werden, auch für einen längeren Zeitraum in der Frankensiedlung wohnen zu können. Heeb: "Dazu werden dem Gast Unterkünfte geboten. Er wird in die Struktur der Siedlung eingebunden und kann durch seine Mitarbeit in der Siedlung ein Gefühl für das Leben der Menschen aus dieser Zeit bekommen." Lichtblick für Liebhaber der Neuzeit: Die hygienischen Bedingungen werden der Neuzeit angepasst in Form von Toilettenanlagen und Waschgelegenheiten, die dem heutigen Standard entsprechen.

Da die Franken in der Regel nur eine Bauweise aus Lehm und Holz wählten, gibt es keine erhaltenen Häuser aus dieser Zeit. Lediglich Gräberfelder oder Bodenfunde sind noch zu entdecken. Insbesondere wurden aber auch Gegenstände aus Ton und Metall aus dieser Zeit zu Tage gefördert. So wurden beispielsweise in Niederzissen Tongefäße oder Schalen aus Glas gefunden, die aus der Frankenzeit stammen sollen. Heeb: "Viele Gründungen von Städten und Dörfern in unserem Kreis gehen auf diese Zeit zurück, beispielsweise Sinzig, Nierendorf oder auch Lantershofen."

Verkehrsprobleme sind nicht zu erwarten

Rund 2000 Quadratmeter sollen als Parkfläche ausgewiesen werden. "Die Stellplätze werden sich auf der anderen Seite des Tals befinden, die Zuwegung ist über die Straße zum Hochwasserrückhaltebecken gesichert. Die Einfahrt befindet sich kurz vor Nierendorf von Leimersdorf kommend", erklärte Heeb.

Mit einem starken Verkehrsaufkommen rechnet der Vereinsvorsitzende nach Fertigstellung der Frankensiedlung nicht. "Natürlich freuen wir uns über viele Besucher. Wir gehen aber davon aus, dass sich der Andrang in Grenzen halten wird."

Im kommenden Jahr rechnet Heeb mit 5000, in 2017 mit 8000 Besuchern. Ab 2021, so die derzeitige Verkehrsprognose, werde mit jährlich 15 000 Gästen gerechnet, was täglich, je nach Auslastung der Autos, weniger als 50 Fahrzeugen am Tag oder sechs Fahrzeugen in der Stunde entsprechen würde.