Ahrtal-Kaserne

Bundeswehr verabschiedete sich mit einem Appell im Kurpark

Bad Neuenahr-Ahrweiler. "Muss I denn zum Städtele hinaus" - die musikalische Botschaft des Heeresmusikkorps 300 aus Koblenz am Donnerstagmorgen beim Auszug aus dem Bad Neuenahrer Kurpark war deutlich. Die Ahrtal-Kaserne wird aufgelöst, ab Anfang des Jahres stehen die Schreibtische von Soldaten und zivilen Mitarbeitern der dort bislang untergebrachten Abteilung V des Heersamtes in Koblenz.

Vier Wochen vorher traten jetzt die Soldaten unter dem Kommando von Oberst Hans-Peter Kaufmann zum Appell an. Dabei meldete der Vize des Heeresamtes in Köln, Brigadegeneral Heinrich Fischer, die Abteilung V offiziell bei Bürgermeister Guido Orthen ab.

Zuvor hatte das Trio unter den Klängen des Präsentiermarsches Fahnenabordnung und Tarnfleck-Front der Truppe abgeschritten. Es waren exakt 50 Meter die dabei das Maßband zeigte, denn auch beim letzten offiziellen Auftritt in der Kreisstadt wollte die Bundeswehr Maßarbeit leiten.

Genau das haben die Logistiker des Heeres in den vergangenen 56 Jahren am Standort Bad Neuenahr-Ahrweiler getan. Das fand auch General Fischer, der der Stadt und ihren Bürgern für ihre jahrzehntelange Partnerschaft und Freundschaft dankte. Unter dem Motto "Der Blick nach vorn ist auch immer ein Blick zurück" ließ er kurz die Geschichte der Bundeswehr an der Ahr Revue passieren.

Besonders hob Fischer das Miteinander hervor: Viele Soldaten seien in der Kreisstadt heimisch geworden, die früheren Bundeswehrbälle seien Legende, Sport und Konzerte hätten Soldaten und Bürger verbunden.

"Für unsere Stadt ist es ein trauriger Tag", fand Bürgermeister Guido Orthen beim Empfang nach dem Appell. Die erfolgreiche Symbiose zwischen Bundeswehr und Kreisstadt gehe zu Ende, jetzt gelte es, den Konversionsprozess vorzubereiten. Die Stadt wolle aber trotz Verlagerung der Truppe nach Koblenz weiterhin als Wohnort im Visier bleiben: "Wir bleiben gerne ein Stück Heimat", sagte Orthen, "und die jenigen, die jetzt gehen, die werden wir vermissen."

Vermisst wurden beim Abschied die Bürger, die dafür allerdings nichts konnten. Da hatte es die Bundeswehr versäumt, auf die Öffentlichkeit des Appells hinzuweisen. Wie sagte ein alter Oberstabsfeld am Rande: "Das war nicht so richtig prickelnd. Mit einem Marsch von der Kaserne zum Kurpark hätten wir den Bürgern richtig Tschüss sagen können." Und ein Hauptmann ergänzte: "Jetzt bringen wir nur noch das Schild 'Kaserne zu verkaufen' an."