Studie "Wohnen 65plus"

Bis 2035 fehlen rund 4270 Seniorenwohnungen im Kreis Ahrweiler

So lange wie möglich in den eigenen vier Wänden zu bleiben, ist das Ziel vieler Menschen.

Kreis Ahrweiler. Im Jahre 2035 werden im Landkreis Ahrweiler nach derzeitigem Kenntnisstand exakt 42.670 Menschen älter als 65 Jahre alt sein. Mehr als 6000 von ihnen werden vermutlich gepflegt werden müssen. Eine Studie kommt zu dem Ergebnis, dass in 20 Jahren 4270 altersgerechte Wohnungen im Kreis Ahrweiler fehlen werden. Ihr Bau würde 67 Millionen Euro kosten.

"Wohnen 65plus" lautet der Titel der Studie, die das Regionaldaten-Institut Pestel vorgelegt hat. Die Wissenschaftler aus Hannover geben darin erstmals auf der Grundlage der neuen Zensus-Zahlen eine Prognose für die Bevölkerungsentwicklung. Demnach wird es in knapp 20 Jahren 48 Prozent mehr Menschen geben, die älter als 65 sind. Das Pestel-Institut versteht sich als Forschungsinstitut und Dienstleister für Kommunen, Unternehmen und Verbände.

"Mit der starken Zunahme Älterer wird auch die Zahl der Pflegebedürftigen rasant wachsen", sagt Pestel-Studienleiter Matthias Günther. Die Prognose für den Landkreis Ahrweiler gehe von rund 6020 Pflegebedürftigen im Jahr 2035 aus. "Bei dieser Entwicklung wird es höchste Zeit, barrierearme Wohnungen für Senioren zu schaffen.

Ziel muss es sein, die älteren Menschen so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden wohnen zu lassen. Auch dann noch, wenn sie dort ambulant gepflegt werden müssen. Die Alternative ist der Umzug ins Pflegeheim. Genau das wollen viele Ältere aber nicht", so Günther. Zudem führe die stationäre Pflege im Heim zu enormen Mehrkosten. Ein Pflegeplatz im Heim koste - im Vergleich zur ambulanten Pflege zu Hause - pro Jahr rund 7200 Euro mehr.

Verglichen mit dem Aufwand, der notwendig sei, um eine Wohnung altersgerecht zu sanieren, gehe die Rechnung schnell auf. Jedenfalls die, die das Bundesbauministerium offiziell aufmacht: Demnach kostet der Umbau einer barrierearmen Wohnung durchschnittlich 15.600 Euro.

Insgesamt müssten im Landkreis Ahrweiler 66,6 Millionen Euro in das altersgerechte Bauen investiert werden. Nur so könne es nach Angaben des Instituts gelingen, die nötigen zusätzlichen Senioren-Wohnungen zu schaffen. Dies funktioniere jedoch lediglich dann, wenn es hierfür finanzielle Anreize gebe: "Es ist dringend notwendig, den Neubau und das Sanieren von altersgerechten Wohnungen stärker zu fördern", erklärte Günther. Insbesondere der Bund sei hier gefordert.

Die Studie zum Senioren-Wohnen hat das Verbändebündnis "Wohnen 65plus" in Auftrag gegeben. Dazu gehören: der Sozialverband VdK, der Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure, die IG Bauen-Agrar-Umwelt, die Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau und der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel.

Das Verbändebündnis wirft den Parteien vor, das drängende Thema "Wohnen im Alter" zu vernachlässigen. Die Verbände appellierten in diesem Zusammenhang an die Bundestagskandidaten aller Parteien im Landkreis Ahrweiler, sich wesentlich stärker um dieses Sozialthema zu kümmern. Der Kreis dürfe nicht auf eine "graue Wohnungsnot" zusteuern.