Umgang mit Gesundheit und Krankheit

Altern als Geschenk sehen

MARIA LAACH. Diagnosen wie Krebs, Depression oder Burn-out stellen das eigene Leben plötzlich und unvermittelt auf den Kopf. "Krankheit gehört zum Leben, wie die Nacht zum Tag.

Ohne sie wüssten wir gar nicht, was Gesundheit letztlich bedeutet", sagt die Soziologin und Gesundheitswissenschaftlerin Annelie Keil, die im Laacher Forum ihr Buch "Wenn die Organe ihr Schweigen brechen und die Seele streikt" vorstellte.

Die Bedrohung der Gesundheit durch eine Krankheit werfe grundsätzliche Fragen zur menschlichen Existenz auf. "Wenn wir krank werden, ruft das Leben mit vielen Fragen um Hilfe, und die Suche nach Antworten besetzt den Lebensalltag", weiß die gebürtige Berlinerin, die seit 31 Jahren in Bremen zu Hause ist. Gesundheit könne man jedoch nur fördern, wenn man den Mut, die Kraft und die Geduld aufbringe, krank zu sein.

Mit den Fortschritten der Medizin und den Erkenntnissen der Psychotherapie sei immer auch die Hoffnung verbunden, dass Krankheit letztlich vermeidbar sei. Für die 76-jährige sind Gesundheit und Krankheit aber in erster Linie das Ergebnis der lebendigen Gestaltungsarbeit des Menschen und seiner Hoffnung auf ein sinnerfülltes Leben in eigener Verantwortung.

So sei das Altern mit Gebrechen verbunden. Dennoch rät die Bundesverdienstkreuzträgerin, das Älterwerden als ein Geschenk zu betrachten: "Man sollte vor lauter Klagen nicht das Leben vergessen." Natürlich brauche der aufrechte Gang die aufrechte Seele. Und die emeritierte Professorin macht nicht nur den Älteren Mut: "Jeder Schritt wagt den Fall, doch Du kommst nicht voran, wenn Du keine Schritte machst."