Filmprojekt von Wolfgang Arends und Jürgen Drüeke

Als der Krieg ins Ahrtal kam

AHRWEILER. Nicht nur für die beiden Filmemacher Wolfgang Arends und Jürgen Drüeke wird der 22. November ein ganz besonderer Tag. Dann nämlich wird in der ehemaligen Synagoge in Ahrweiler das neue Werk aus ihren "Goethe11-Studios" uraufgeführt.

Der Titel "1945 - Der Krieg kommt ins Ahrtal" befasst sich mit den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs und dem damit verbundenen Vormarsch der Amerikaner. Mit den beiden Filmemachern werden alleine rund 150 Mitwirkende des Streifens der Uraufführung erwartungsvoll entgegenschauen. Einige kurze Sequenzen sind bereits im Internet zu sehen, im Videoportal "Youtube" findet man unter dem Filmtitel den knapp 80 Sekunden langen Filmtrailer.

Knapp zwei Jahre lang arbeitete das Team an diesem Projekt, das für ein nicht-kommerzielles Unternehmen durchaus als Mammut-Projekt bezeichnet werden darf. Weil die Handlung auch auf der Basis von Erinnerungen vieler Zeitzeugen spielt, drängte die Zeit bereits, als Wolfgang Arends Ende 2012 damit begann, noch lebende Menschen aus jener Zeit ausfindig zu machen, die sich erinnern konnten.

Rund 30 Zeitzeugen haben Arends und Drüeke ausmachen können, von denen sie eine Menge über das damalige Leben in Ahrweiler und der näheren Umgebung in Erfahrung bringen konnten. Thematisiert wurden dort beispielsweise das 1944 aufgelöste Lager Rebstock, das Leben im Silberbergtunnel, die Artilleriestellung auf Godeneltern und natürlich der Einmarsch amerikanischer Truppen in Ahrweiler.

Der nun entstandene, rund 90-minütige Film erzählt unter anderem die Geschichte des Unteroffiziers Karl Stein (Jürgen Drüeke), der zum Heimaturlaub von der Front zurück nach Ahrweiler kommt und hier die Trümmer seiner einstigen Existenz vorfindet. Steins Frau Katharina (Ute Schmidt) und seine Schwester Annie (Lisa Gabriel) haben Zuflucht im Silberbergtunnel gesucht und sich dort in die Obhut eines vermeintlichen Nebenbuhlers begeben.

Stein kommt nach einer Verwundung an der Front und seiner Verhaftung schließlich ins Rheinwiesenlager, wo er stirbt. Zudem befasst sich der Film mit einem amerikanischen Soldaten (Peter Becker), der traumatisiert in die Staaten zurückkehrt, mit der Situation einer jüdischen Familie und einem fanatischen Hitler-Jungen (Sebastian Gierke).

Der Trailer auf YouTube

Arends bezeichnet das Werk als "einen leisen Film ohne dokumentarischen Anspruch, in den zwischenmenschliche Begegnungen in den Kontext der Kriegstage eingebettet werden". Einen Schwerpunkt im Film bilden Szenen aus einem Lazarett; hierfür fand das Team in den Gewölbekellern unter dem heutigen Altenheim vor dem Niedertor einen ebenso optimalen wie authentischen Drehort. Denn dort waren zum Kriegsende auch Patienten des ausgebombten Krankenhauses untergebracht.

Gedreht wurde aber auch an vielen anderen Orten. Die Sequenzen der "Stadt im Berg", also des Silberbergtunnels, wurden in Dernau gedreht, und zwar im dortigen Sonderbergtunnel. Aber auch im Erpeler Tunnel fanden Dreharbeiten statt, denn auch die Ankunft der Amerikaner an der Brücke von Remagen wird im Film beleuchtet.

Hintergründe in Orten ohne moderne Dekorationen fanden die Filmemacher auf der Grafschaft, unter anderem in Eckendorf oder Beller. Hier entstanden Szenen vom Einmarsch der Amerikaner in Ahrweiler. Oberhalb des Ahrweiler Bergfriedhofs wurden Geländeaufnahmen erstellt.

Der Entstehungsgeschichte des Films liegt also auch eine logistische Leistung zugrunde. Für die meisten der Außenaufnahmen waren unter anderem Genehmigungen einzuholen.

Und weil die Schauspieler dort in wehrmachtsähnlichen Uniformen umherliefen, bedurfte es auch der Meldungen an Polizei oder Ordnungsämter, damit die Behörden auf mögliche Anrufe irritierter Passanten vorbereitet waren. Für den Film standen 35 Drehtage auf dem Programm.

Nicht nur die Uniformen waren für Arends und Drüeke zu beschaffen, es bedurfte einer Vielzahl von Requisiten wie Deko-Waffen oder militärischen Fahrzeugen und natürlich der Kleidung der Zivilbevölkerung nebst Dekorationen der damaligen Zeit. Vieles wurde dabei selbst hergestellt, manches gekauft und geliehen. Requisiteurin Ingrid Schröder hat hier ganze Arbeit geleistet.

Nachdem alle Szenen "im Kasten" waren, ging es an den Feinschliff; nun waren die Schnitttechniker gefragt. Alles entstandene Material wurde noch einmal gesichtet, die Schnittfolge für die Cutter festgelegt. Jetzt ist der Film fertig, die ersten Aufführungen finden am 22. und 23. November jeweils um 18 und 20 Uhr in der Ahrweiler Synagoge statt.

Der Eintritt ist frei, Reservierungen können bei Ahrtal-Tourimus (Telefon 0 26 41/9 17 10) vorgenommen werden. In der Synagoge kann der Film dann ebenso erworben werden wie in der Poststelle an der Bossardstraße, der Bäckerei Heinrichs in der Niederhut oder bei Koll-Hoss an der Ahrhutstraße.