Liers an der Oberahr

278-Seelen-Dorf feiert sein 750-jähriges Bestehen

Ein Bild aus alten Tagen: Der Kirmesumzug durch Liers im Jahr 1964. FOTO: HERIBERT WALD

Ein Bild aus alten Tagen: Der Kirmesumzug durch Liers im Jahr 1964.

LIERS. Hätten sich der Kölner Erzbischof Engelbert II. von Falkenburg und Walram von Jülich einst nicht wegen Häusern an der Ahr in die Haare gekriegt, könnte heute kein Jubiläum gefeiert werden.

Doch der handfeste Krach ist in den Kölner Regsten vermerkt und auf 1265 datiert. So ist der Grund für eine zünftige 750-Jahr-Feier gegeben, findet Bürgermeister Hans-Josef Weber aus Hönningen, zu dem Liers gehört. Diese soll vom 3. bis 5. Juli über die Bühne gehen.

Zum Jubiläum soll es dann auch eine Festschrift geben, die Historisches, Aktuelles und Brauchtum vereint. Für diese hat Heribert Wald die Dorfgeschichte aufgearbeitet, die von der ersten Erwähnung als "Lesere" 1265 bis 1794 eigentlich mit einem Satz abgetan ist: Liers hatte einen eigenen Gerichtssitz und gehörte den Grafen von Are in Altenahr.

Erst unter den Franzosen findet sich Liers auf einer Landkarte, dann aber gleich zweiMal: Der Militärgeograf Jean Joseph Tranchot zeigte auf einer Karte zwei Ortsteile: "Liersch" und "Klein Liersch". Beide gehörten zum Departement Rhin et Moselle. Bis zur Niederlage Napoleons.

1816 wurde Liers preußisch und dem damals gegründeten Kreis Adenau zugeschlagen, der 1932 im Kreis Ahrweiler aufging. Liers jedenfalls war zu Beginn des 19. Jahrhunderts nicht lebenswert. Schlechtes Wetter, Kleinstparzellen durch Realteilung, Missernten - die jungen Leute verließen das Dorf, allein 1842 zog es 19 Lierser nach Amerika.

Heribert Wald: "Erst langsam besserten sich die Lebensverhältnisse durch Investitionen Preußens. Die Ahr wurde reguliert, Straßen und Schulen gebaut, schließlich die Ahrtalbahn, die ab 1888 bis Adenau fuhr."

50 Kinder wurden 1887 in der nagelneuen Volksschule unterrichtet. Gleichzeitig von einem Lehrer für alle acht Schuljahre. So war's in den sogenannten Zwergschulen üblich. Die Lierser wurde erst vor 45 Jahren geschlossen.

1910 machte das Ahrtal in ganz Deutschland Schlagzeilen. Über Neuenahr schrieb etwa der Hamburgische Correspondent vom 13. Juni 1910: "Um zehn Uhr hatte die Ahr vier Meter über Normalhöhe erreicht. Der reißende Strom führte Bäume, Balken, ein Hausdach und Kisten einher, die vom Bahnbau der Doppelgleisbahn in Altenahr herrührten." 53 Menschen kamen damals durch die Fluten der Ahr ums Leben. In Liers stürzte die Brücke ein. Im Ersten Weltkrieg kamen vier Soldaten aus Liers ums Leben.

Zeitsprung und Zahlen: Die Volks- und Betriebszählung von 1925 führt neben 201 Einwohnern fünf Pferde, 94 Rindviecher, 22 Schweine, 42 Ziegen und 349 Hühner auf. Die meisten Haushaltsvorstände gaben Landwirt oder Arbeiter als Beruf an, daneben gab es einen Maurer, zwei Schreiner, zwei Eisenbahner, einen Gastwirt, einen Kaufmann und einen Lehrer.

Und Strom gab es ab 1925 auch. Der Anschluss ans Wasserleitungsnetz erfolgte erst 14 Jahre später. "Bis dahin hatte man das Wasser entweder aus Hausbrunnen oder gar aus dem Liersbach oder der Ahr entnommen, was nicht selten zu schweren Infektionskrankheiten geführt hatte", berichtet Heimathistoriker Wald. Der zweite Weltkrieg endete für das Dorf am 8. März 1945 mit dem Einmarsch der Amerikaner, die im Juli das Heft an die Franzosen weiter gaben.

Und irgendwie verpasste das Dorf das Wirtschaftswunder der Fünfziger Jahre. So waren 1960 in Liers erst drei Autos angemeldet und Arbeitsplätze waren Mangelware. Bis 1971. Da siedelte Jagdpächter unter Unternehmer Josef Emmerich aus Köln seine Pumpenfabrik in Liers an, bis heute der größte Arbeitgeber des Ortes.

1972 endet die Geschichte von Liers als selbstständige Gemeinde. Per Kommunalreform wurde Liers Ort Hönningen zugeschlagen. Neue Bauplätze sorgten für mehr Einwohner. Heute sind es 278, 1964 waren es 172. Ein Gemeindehaus für Vereins- und Familienfeiern wurde 1986 gebaut, der Dorfplatz wurde neu gestaltet (1989). Und zum Millennium stand Liers zwei Mal auf dem Siegertreppchen des Wettbewerbs "Unser Dorf hat Zukunft".

Das soll's aber nicht gewesen sein. Zum Jubiläum sagt Bürgermeister Hans-Josef Weber: "Wir ruhen uns nicht auf den Lorbeeren aus, sondern arbeiten kontinuierlich an der Attraktivität des Ortes ."