Weingut an der Ahr: Zwei Jahre und zehn Monate Haft für ehemaligen Gutsverwalter der Maibachfarm | GA-Bonn

Weingut an der Ahr

Zwei Jahre und zehn Monate Haft für ehemaligen Gutsverwalter der Maibachfarm

BONN/AHRWEILER.  Drei Jahre nach seinem Rauswurf als Gutsverwalter eines Weinguts an der Ahr ist ein 60 Jahre alter Landwirt von der Grafschaft am Freitag vom Bonner Landgericht verurteilt worden: Jahrelang hatte der Angeklagte betrogen, Gelder veruntreut und Fahrzeuge unterschlagen. Jetzt muss er für zwei Jahre und zehn Monate ins Gefängnis. Das Urteil basiert auf einer zu Prozessbeginn erfolgten sogenannten Verständigung beider Seiten.
In der Nähe des Klosters Kalvarienberg in einem idyllischen Seitental
liegt die Maibachfarm.
								Foto: Martin Gausmann
In der Nähe des Klosters Kalvarienberg in einem idyllischen Seitental liegt die Maibachfarm. Foto: Martin Gausmann

Zwischen 2005 und 2009 hatte der bereits seit 1998 auf dem Gut beschäftigte Mann laut Urteil einen Schaden von fast einer Millionen Euro verursacht. "Er fühlte sich mehr und mehr wie der wirtschaftliche Eigentümer", so der Vorsitzende Richter. Dies führte vor allem dazu, dass der 60-Jährige mit Firmengeldern Grundstücke vor allem zum Weinanbau für etwa 900 000 Euro gekauft hatte - die er dann auf seinen Namen im Grundbuch hatte eintragen lassen.

Zudem hatte sich der Gutsverwalter sein Gehalt eigenmächtig erhöht und auf diese Weise ein Zubrot in Höhe von 46 000 Euro gesichert. Weitere 31 000 Euro waren auf Privatkonten der Familie gelandet - für fingierte Traubenlieferungen. Im September 2009 war dem Angeklagten fristlos gekündigt worden, da ihm ein Wirtschaftsprüfer auf die Schliche gekommen war. Bei seinem Auszug hatte er dann noch einen sogenannten Geräteträger sowie ein Auto mitgenommen - dieses fährt er offenbar heute noch.

Bis zum Verhandlungsbeginn hatte der inzwischen aufgrund einer Lungenerkrankung berufsunfähige Landwirt die Begehung der Taten bestritten. Laut dem Kammervorsitzenden drängte sich aufgrund der Ergebnisse der mehr als anderthalb Jahre dauernden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft bereits ein "eigenmächtiges Handeln" des Angeklagten auf.

Im Prozess dann die Kehrtwende des 60-Jährigen: Der ehemalige Gutsverwalter legte ein umfassendes Geständnis ab. In den Augen des Gerichts hatte der 60-Jährige bei der Besitzerin des Weinguts, eine wohlhabende Bonnerin, zunächst ein "uneingeschränktes Vertrauen" genossen. Eine ernsthafte Kontrolle habe nicht stattgefunden. Allerdings habe der Angeklagte auch gewusst, wie er Kontrollen verhindern kann.

Er hat laut Urteil "alles etwas vernebelt". Seine wesentliche kriminelle Energie habe darin bestanden, dass er später versucht hatte, "die Taten zu vertuschen und zu verdecken". Unter anderem hatte er im Nachhinein Vollmachten erstellt, die sein Handeln legitimieren sollten - allerdings mit einem Stift und einer Schriftart auf dem Computer, die es zum Zeitpunkt der angeblichen Urkundenerstellung im Jahr 2002 noch gar nicht gegeben hatte.

Zwar sind etwa 90 Prozent des Schadens wieder gutgemacht worden: Auf "massiven Druck" der Besitzerin, so der Kammervorsitzende, war es zur Rückübertragung eines Großteils der Grundstücke gekommen. Doch der Angeklagte steht laut dem Vorsitzenden nun vor dem "finanziellen Ruin". Die ehemalige Arbeitgeberin fordert mehrere Hunderttausend Euro von ihm zurück - neben dem ergaunerten Geld unter anderem auch 180.000 Euro, die sie an die Sozialversicherung nachzahlen musste. Daher wird derzeit die Zwangsversteigerung des Hauses des Landwirts betrieben.

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