Deutsche Bahn

Zehn Jahre ICE-Bahnhof in Siegburg

Moderne und Tradition: Im Fenster des in Siegburg abfahrenden ICE spiegelt sich auch die Abtei auf dem Michaelsberg.

SIEGBURG. Um 6.12 Uhr - eine Minute zu früh - rollte der ICE 1041 von Köln nach Frankfurt zu seinem ersten planmäßigen Stopp in den Siegburger Bahnhof ein - erwartet von gut zwei Dutzend Fahrgästen. In weniger als einer Stunde brachte der ICE seine Passagiere nach Frankfurt. Das war genau am 1. August 2002.

Seither hat der ICE-Halt in Siegburg einen rasanten Aufschwung erlebt - allen damaligen Unkenrufen zum Trotz. Denn die Entscheidung, dass Siegburg einen ICE-Bahnhof bekommt, war in den 80er Jahren bei der Planung der ICE-Neubaustrecke Köln-Frankfurt der Tatsache geschuldet, dass auch die damalige Bundeshauptstadt Bonn an das Hochgeschwindigkeitsnetz der Bahn angeschlossen werden sollte.

Nicht umsonst erhielt der Stopp in der Kreisstadt den offiziellen Namen Bahnhof Siegburg/Bonn. Als im Dezember 1996 mit dem Bau der Strecke begonnen wurde, war schon längst klar, dass die Bundesregierung nach Berlin ziehen würde. Viele glaubten damals, dass der Regierungsumzug für den ICE-Halt in Siegburg die Bedeutungslosigkeit bringen würde.

Die Bedenken wurden durch die Tatsache verstärkt, dass 2002 zwar schon die Schnellzüge verkehrten, das Bahnhofsgebäude aber noch längst nicht fertig war. Die Anfänge waren denn auch sehr bescheiden. Von August bis Dezember 2002 gab es einen provisorischen Fahrplan. Gerade einmal drei ICE nach Frankfurt und drei nach Köln haben damals am Tag in Siegburg gestoppt.

Erst mit dem regulären Fahrplanwechsel am 15. Dezember 2002 wurde die Neubaustrecke komplett in das Streckennetz der Bahn integriert. Etwa alle zwei Stunden je Richtung stoppte nun ein Hochgeschwindigkeitszug in der Kreisstadt. Derzeit halten dort täglich 57 ICE. Allerdings hatten anfangs nicht alle Lokführer die neuen Fahrpläne verinnerlicht. Mehr als einmal rauschten Züge, die eigentlich halten sollten, ohne Stopp durch den Bahnhof.

Erst in Köln oder Montabaur im Westerwald konnten die Fahrgäste, deren Ziel eigentlich Siegburg war, die Züge verlassen. Wurden anfangs täglich nur wenige Hundert Fahrgäste gezählt, waren es 2005 schon knapp 2500. Derzeit sind es rund 4000 Fahrgäste. Die meisten davon sind Berufspendler, die in Frankfurt arbeiten.

Nach Angaben der Bahn werden auf der Schnellstrecke Köln-Frankfurt täglich mehr als 32.000 Passagiere befördert. "An den Erfolg des ICE-Stopps in Siegburg scheint bei der Planung wohl nicht einmal die Bahn selbst geglaubt zu haben. Die haben damals von uns den Bau von 100 Parkplätzen gefordert", erinnert sich Bürgermeister Franz Huhn.

Stattdessen entstand ein Parkhaus mit 500 Plätzen. Nach dessen Erweiterung wird es rund um den Bahnhof 1500 Stellplätze geben. Den Erfolg lässt sich die Bahn gut bezahlen. Kostete die einfache Fahrt Siegburg-Frankfurt vor zehn Jahren inklusive Platzreservierung 49,40 Euro, werden dafür heute 65 Euro fällig.

Die ICE-Strecke Köln-Rhein/Main:
Die ICE-Strecke Köln-Rhein/Main hat mit allen Abzweigungen (wie etwa der Schleife zum Flughafen Köln/Bonn) eine Länge von 219 Kilometern. Es gibt 30 Tunnel mit einer Gesamtlänge von 47 Kilometern und 18 Brücken. Haltepunkte sind Köln Hauptbahnhof, Köln-Deutz, Flughafen Köln/Bonn, Siegburg, Montabaur, Limburg, Frankfurt Flughafen und Frankfurt Hauptbahnhof.

Für den Bau (1996 bis 2002) wurden rund 30 Millionen Kubikmeter Erde bewegt und 300.000 Tonnen Stahl verbaut. Die Baukosten für das ganze Projekt beliefen sich nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums auf rund 6 Milliarden Euro, von denen der Bund etwa 3,8 Milliarden in Form von Baukostenzuschüssen und zinslosen Darlehen übernommen hatte. Grundlage für den Bau war der Bundesverkehrswegeplan von 1985, in dem die Schnelltrasse als wichtigstes Bahnprojekt aufgeführt wurde.