Tag der Architektur in der Region

Zahlreiche Häuser standen Besuchern offen

RHEIN-SIEG-KREIS. Einem Besuch in fremden Wohnzimmern stand am Wochenende nichts im Wege. Samstag und Sonntag fand wieder der Tag der Architektur statt und die Türen zahlreicher Objekte im Rhein-Sieg-Kreis standen den Besuchern offen - darunter auch viele Privathäuser, deren Bewohner stolz die Highlights in ihren vier Wänden präsentierten.

"Energie!" lautete das bundesweite Motto und eine ganz besondere Technik zur Energiegewinnung gibt es im Haus der Familie Herborn-Lauff im Troisdorfer Stadtteil Kriegsdorf zu bewundern. "Wir heizen mit Eis", erklärt Bauherr Sebastian Lauff, der das Architektenhaus selbst geplant und realisiert hat.

Das Grundprinzip des Solar-Eis-Systems: In einem großen Wasserspeicher wird im Sommer überschüssige Sonnenenergie auf niedriger Temperatur gespeichert. "Im Winter wird dann die Wärme dem Speicher entzogen und für die Heizung und den Warmwasserspeicher genutzt", erklärt Lauff. Geht das Wasser im Speicher in den gefrorenen Zustand über, wird eine große Menge an Energie frei, die zusätzlich genutzt werden kann.

Ein System, das sich vor allem finanziell auszahlt. "Wir geben jetzt für das Heizen rund 30 bis 40 Euro im Monat aus", sagt Lauff. Früher, mit Gasheizung, lagen die Kosten für die Familie bei etwa 160 Euro. Im April 2011 war Spatenstich für das Haus in Holzrahmenbauweise, im Dezember sind die Herborn-Lauffs mit Töchterchen Leonie eingezogen. "Alles wurde im Werk vorgefertigt und dann hier zusammengebaut", erklärt Monika Herborn-Lauff. Ein echter Hingucker im Haus der Familie ist auch die sichtbare Vollholzdecke im Erdgeschoss.

Ein ganz anderer Hingucker dagegen mitten in der Troisdorfer City. Dort, wo früher drei Garagen und ein einsamer Kirschbaum standen, steht jetzt das Notariat von Stephan Römer. Der Architekt Joachim Kneutgen hat das Bürogebäude entworfen und realisiert. "Das war früher keine schöne Ecke", erinnert sich Kneutgen. Er sitzt mit seinem Büro genau gegenüber und blickte immer auf die Garagenfassade. "Da musste ich etwas machen."

Und so entstand der Neubau mit großer Fensterfront, hellen Räumen im Inneren und einem großen Innenhof. "Das ganze Notariat ist barrierefrei, bietet großzügige Räume und zusätzliche Parkplätze im Innenhof", sagt Kneutgen. Im Mai 2011 wurde das Gebäude fertiggestellt. "Ich hätte auch im Nachhinein keinen einzigen Raum anders gestaltet", sagt Notar Römer nach über einem Jahr in den Räumlichkeiten. Sein Büro besitzt noch einen geräumigen Balkon, der einen tollen Blick auf den Garten freigibt. "Leider habe ich viel zu wenig Zeit, den Ausblick zu genießen", so Römer.

Mehr Zeit fürs Grüne hat dagegen Familie Lützner aus Hangelar. Das alte Haus im Stile der 50er-Jahre erlebte eine wahre Metamorphose und verwandelte sich innerhalb von neun Monaten in ein modernes Effizienzhaus mit vielen Farbtupfern und jeder Menge Grün im großen Garten. "In dem alten Haus gab es keinen Zugang zum Außengelände", erklärt Peter Jüngling vom Architekturbüro Grotegut. "Den Garten mussten wir erst wieder erlebbar machen".

Und so wandelte sich das ganze Haus und ist mit guter Wärmedämmung, Solarunterstützung und einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung auf dem neuesten Stand der Energieeffizienz. "Eigentlich haben wir ein Haus gesucht, in das wir direkt einziehen konnten", erklärt Hausherr Axel Lützner. Der Umbau habe sich dann nach und nach entwickelt. "Das war spannend und hat einfach prima geklappt."

Einen kleinen Haken gibt es dagegen noch bei Familie Herborn-Lauff in Kriegsdorf. Im Flur befinden sich drei Lichtschalter, aber nur eine Steckdose. Zu wenig für Mutter Monika. "Da haben wir nicht drüber nachgedacht." Den Wohlfühlfaktor in den eigenen vier Wänden wird dieses kleine Problem aber sicher nicht senken.