Wo Napoleon nächtigte

Die Eigentümergemeinschaft restauriert das "Haus Schwanen" als wichtigsten Profanbau in Oberwinter.

Oberwinter. Das "Haus Schwanen" aus dem Jahr 1671, eines der schönsten und ältesten Gebäude Oberwinters, hat viele Kapitel im Geschichtsbuch des Hafenortes geschrieben.

So verbrachte Napoleon Bonaparte 1806 in der ersten Etage des einstigen Gasthofes eine Nacht. Die Tür zu seinem Zimmer, das heute Petra Feldhoff bewohnt, samt Zarge im Stil der Renaissance, ist noch erhalten. Auch die Sechs-Meter-Dielenbretter, die davon zeugen, dass die Erbauer sehr vermögend waren.

Der Kaufmann Peter Kremer und seine Frau Catharina ließen das Gebäude an der Ecke Hauptstraße/Kräuselgässchen errichten. Der reiche Handelsmann und Schultheiß, also Bürgermeister, verzierte es mit buntem Schnitzwerk, Figuren und sogenannten Scherzmasken.

Das ursprüngliche Wappen derer von Cramer oder Kremer aus dem Jahr 1638 zeigt unter anderem einen Helm mit schwarz-silberner Decke, aus dem ein struppiger Schwanenhals in Silber mit schwarzem Schnabel herausragt. Das könnte der Ursprung des Namens "Haus Schwanen" sein.

Es war zwar nicht die Veränderung vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan, doch die Eigentümergemeinschaft mit Heike Wagner, Feldhoff und ihrem Ehemann Christian Schmiedel leistete 2010 unter den interessierten Blicken der Oberwinterer Bürger Erstaunliches, um dem Schmuckstück zu neuem Glanz zu verhelfen. Monatelang waren sie auf den Gerüsten anzutreffen, schufteten rund 1 000 Stunden an der Straßen- und Giebelseite, um das Wohnhaus wieder zu dem zu machen, was es ist: wichtigster Profanbau im Ort.

Besonders freuten sich die "Zugezogenen" über das Engagement zweier Oberwinterer Handwerker: Ein Metallbauer brachte die beiden Wetterfahnen unentgeltlich auf Vordermann, ein Goldschmied aus der Nachbarschaft stiftete das Blattgold für die Uniformknöpfe der Holzfigur an der Ecke zum Kräuselgässchen.

Natürlich arbeitete "Bauleiter" Schmiedel, der bereits mehrere Fachwerkhäuser restauriert hat, mit regionalen Handwerkern und dem Denkmalschutz eng zusammen. Fördermittel des Landes und Kreises halfen bei der Realisierung. "Wenn ein Zehn-Liter-Eimer mit Leinölfarbe 400 Euro kostet, dann schlägt das schon enorm zu Buche", so Schmiedel, der im Erdgeschoss eine Fotogalerie eingerichtet hat.

"Mit einer Art Fön erwärmten wir die bestehenden Farbschichten, trugen dann mit einem Feinspachtel mühevoll alles ab, um auf den Grund des Eichenholzes zu gelangen", berichtet Heike Wagner, die mit ihren Kindern Kira und Roman die linke Haushälfte bewohnt und tatkräftig bei der Restaurierung von ihrem Lebensgefährten Ulrich Cordey unterstützt wurde.

Was in mühevoller Handarbeit in vier Monaten bis zum Herbst 2010 geschafft war, das fand während der Arbeiten auch die uneingeschränkte Zustimmung des Landeskonservators. Nach Befunden einer Kölner Restauratorin wurde vorgegangen, so dass die Balken der Fassade nun wieder von einem satten Rot dominiert werden. "Auch wenn das Haus jetzt sehr bunt erscheint, weil die vorherigen Farben dunkler und gedeckter waren, so entspricht es dem Original", so Schmiedel. Wagner ergänzt: "Wir haben die dreifache Zeit investiert von dem, was wir ursprünglich angesetzt hatten."

Doch nach vollbrachter Arbeit sind die Akteure auch voller Stolz, es klingt gar Demut durch: "Was wir geleistet haben, entspricht der Wertschätzung, die man dem Haus geben muss", so Wagner. Kleinigkeiten fehlen noch, wie die Umrandung der Frontfenster.

Was die Eigentümergemeinschaft der linken und rechten Haushälften verbindet, ist die Liebe zum Wohnen in einem historischen Haus. "Den Kauf und die Restaurierung empfanden wir nicht als Pflicht oder mutige Entscheidung, sondern entspricht unserem Lebensstil und gemeinsamen Traum", sind sich die Besitzer einig. Der Traum geht weiter: Denn 2012 ist die Rückseite des Hauses Schwanen an der Reihe.

In lockerer Folge stellen wir besondere Gebäude aus dem Kreis Ahrweiler vor. Hat auch Ihr Haus eine Geschichte? Dann schreiben Sie uns eine Mail (ahr@ga-bonn.de) oder rufen Sie uns an ( 0 26 41/91 26 34). Gerne besuchen wir Sie.

Steckbrief

Objekt: Haus Schwanen

Baujahr: 1671

Baustil: Barock mit Renaissance-Elementen

Quadratmeter: 380

Früher und heute: Von Wohnhaus, Schule, über Gasthof und Pension, Friseur- und Antiquitätenladen, SPD-Büro und Fotostudio zurück zum Wohnhaus.