Phantasialand in Brühl

Wie der Freifall-Turm Mystery Castle funktioniert

Mystery Castle im Brühler Phantasialand.

BRÜHL. Der Lärm ist ohrenbetäubend. Nur mit Ohrenstöpseln lässt es sich einigermaßen aushalten. Dafür hapert es mit der Kommunikation. Lippenlesen ist von Vorteil, wenn Park-Direktor Ralf-Richard Kenter erklärt, wie der Freifall-Turm Mystery Castle im Phantasialand funktioniert.

Denn auf der Technik-Ebene in 25 Metern Höhe schlägt - oder besser - dröhnt das Herz der Attraktion: vier Druckluftkompressoren. Die großen blauen Kästen pressen kontinuierlich Luft zusammen und leiten diese durch Rohre in riesige Tanks auf dem Dach des Gebäudes.

Von dort aus kommt die Druckluft schließlich in den eigentlichen Antrieb des Fahrgeschäfts, schwarze Zylinder an den Innenwänden des Turms. Jeweils zwei von ihnen sind nötig, um eine Gondel mit bis zu acht Personen in die Höhe und wieder hinab zu schießen.

Und das funktioniert so: An einem Kolben innerhalb der Zylinder sind an beiden Seiten Stahlseile angebracht, die wiederum über Rollen oben und unten an den auf Schienen laufenden Fahrgastträgern angebracht sind. Mit diesem pneumatischen System können die Fahrgäste sowohl nach oben als auch nach unten beschleunigt werden, in kurzen Momenten sogar mit mehr als 4g.

"Diese Beschleunigung auch nach unten ist ein Alleinstellungsmerkmal von Mystery Castle", erklärt Ralf-Richard Kenter. Außergewöhnlich sei zudem, dass die Gondeln an den Wänden angebracht sind. "Beim klassischen Freifall gibt es einen Turm in der Mitte, die Fahrgastträger sind daran angebracht. Bei uns können sich die Fahrgäste theoretisch anschauen. Das ist ein ganz anderes Gefühl", sagt Kenter.

Werbespot zum Mystery Castle:

Weitere Besonderheit: Durch eine Wirbelstrombremse, die im Notfall auch der Sicherheit dient, werden die Gondeln wie bei eine Schleuder gespannt und dann zusätzlich zur Pressluft beschleunigt. Dieses System sorgt auch dafür, dass die Gondeln im Notfall unabhängig von einer Stromzufuhr durch Permanentmagnete abgebremst werden.

Überhaupt wird das Thema Sicherheit in der Branche naturgemäß großgeschrieben. Statistisch gesehen ist es wahrscheinlicher, auf der Anfahrt zu einem Freizeitpark zu verunglücken als auf einer der Attraktionen. Auf Mystery Castle umgemünzt heißt das, dass es tägliche, wöchentliche, monatliche und jährliche Prüfungen und Wartungsarbeiten gibt.

Auf dem Weg ins Schloss finden sich zwei Mal Sicherheitshinweise, vor dem Start laufen verschiedene Kontrollen ab. So gibt es eine automatische Überwachung der Sitzplatzbelegung und der Bügel, ein nachgerüstetes zusätzliches Gurtsystem sorgt für ein Sicherheitsempfinden bei den Gästen.

Darüber hinaus überprüft ein Mitarbeiter die Bügel noch einmal von Hand, bevor er die Fahrt per Knopfdruck freigibt. Erst dann kann ein weiterer Mitarbeiter im Fahrstand die Gondeln in Gang setzen. Dazu muss er zwei Knöpfe zugleich drücken, damit die Anlage nicht aus Versehen gestartet werden kann.

Ab dann läuft eines der drei möglichen Fahrprogramme automatisch ab. Sie unterscheiden sich durch Fahrzeit und -erlebnisse. "Welches läuft, richtet sich nach dem Andrang. Wir wollen die Wartezeit für die Besucher so gering wie möglich halten. Wenn wir können, fahren wir natürlich das Programm mit dem größten Erlebniswert", erklärt Kenter.

Mystery Castle
Das 1998 eröffnete Mystery Castle ist ein sogenannter Bungee Drop, eine Vertikalfahrt. Auch wenn es im Sprachgebrauch oft so bezeichnet wird, ist Mystery Castle kein echter Freifallturm, da der Fahrgastträger nie frei fällt, sondern immer über Stahlseile mit dem Turm verbunden bleibt. Hersteller ist das zu Intamin gehörende Unternehmen Ride Trade.

Die Fahrt erfolgt innerhalb eines geschlossenen, 65 Meter hohen Turmes, die maximale Fahrstrecke ist gut 50 Meter lang. Je acht Personen nehmen in den sechs Fahrgastträgern Platz. Je nach Andrang können zwei, vier oder alle sechs Fahrspuren betrieben werden. Maximal erreicht die Attraktion eine Kapazität von 1400 Personen pro Stunde.

Gebaut wurde der Turm von Mystery Castle in sieben Monaten in Gleitschnellbauweise. Ringsum wurde eine Schalung für Stahlbeton angelegt, die dann mit dem Wachsen des Turms nach oben verschoben wurde. Der Außenturm hat eine Wandstärke von 20 bis 25 Zentimetern, der Innenturm rund 40 Zentimeter.

Das Gebäude steht auf Betonpfählen und einer Platte von gut zwei Metern Dicke. Schwierigkeiten bereitete den Bauarbeitern dabei, dass das Phantasialand auf einer ehemaligen Braunkohlegrube steht. "Der Boden war so weich, dass die Pfähle anfangs 'gewandert' sind", erinnert sich Park-Direktor Ralf-Richard Kenter.